Elisabeth-Anna-Palais

Schon seit einer ganzen Stunde sitzen Max und Mia im Warteraum der Zahnarztpraxis. „Mia, es ist so langweilig hier. Willst du nicht vielleicht ein andermal zum Zahnarzt gehen? Ich würde jetzt viel lieber draußen spielen“, sagt Max. „Ja, würde ich auch lieber. Aber weißt du was? Ich habe eine Idee. Wir können uns ja Geschichten erzählen. Mein Papa hat mir gestern eine erzählt.“ „Au ja“, sagt Max begeistert, „nun erzähl schon!“

„Vor 115 Jahren lebte einmal in Oldenburg ein Großherzog namens Friedrich August. Er war ein reicher Mann. Er wohnte im Schloss von Oldenburg. Von dort erledigte er seine Arbeiten, denn er war ein wichtiger Mann für die Stadt. Abends kehrte er immer zu seiner Frau zurück. Ihr Name war Elisabeth-Anna von Preußen. Friedrich August liebte Elisabeth-Anna so sehr, dass er beschloss für sie beide ein neues Zuhause im Schlossgarten bauen zu lassen. Die Bauarbeiten dauerten von 1894 bis 1896!“ „Oh nein, das ist wieder so eine Liebesgeschichte, Mia“, erkennt Max. „Nein, nicht nur“, sagt Mia, „hör zu, denn es geht noch weiter. Das Gebäude wurde mit roten Ziegeln gemauert und hat viele Verzierungen. Außerdem gab es auch einen Turm mit einem Zwiebeldach.

Ein Jahr bevor es fertig wurde, ist Elisabeth-Anna gestorben.“ „Sie ist gestorben? Das ist aber schade. Friedrich August war dann bestimmt traurig“, sagt Max. „Ja, aber um sich immer an seine erste Frau zu erinnern, gab er dem Gebäude den Namen seiner verstorbenen Frau: „Elisabeth-Anna-Palais. Das Wort Palais kommt übrigens aus dem Französischen und bedeutet Palast!“, erklärt Mia. „Wow, das ist aber nett von ihm. Hat Friedrich August dann allein in diesem großen Gebäude gewohnt? Dann muss er aber ganz einsam gewesen sein!“, sagt Max. „Nein, denn ein Jahr später heiratete Friedrich August eine Frau namens Elisabeth Alexandrine Mathilde von Mecklenburg-Schwerin und zog mit ihr und den ganzen Kindern in das neue Schloss“, sagt Mia.

„Hm, das ist aber eine interessante, aber auch traurige Geschichte, Mia. Ich hätte mir gerne mal dieses Elisabeth-Anna-Palais angesehen“, träumt Max. Und Mia antwortet: „Kannst du ja auch noch. Heute ist dort das Sozialgericht Oldenburg. Am Schlosswall 16 findest du es!“ „Dann müssen wir da unbedingt mal hin“, sagt Max.

Die Tür vom Wartezimmer geht auf und eine Zahnarzthelferin kommt herein. „Mia, du bist jetzt an der Reihe. Zimmer drei.“ „Hey super, die Zeit ist aber jetzt viel schneller vergangen.“