V2 // Gesellschaftlicher Zusammenhalt in Europa. Bedrohungen und Herausforderungen

Europäische Integration bedeutet Mobilität für Menschen, Geld und Waren. Die meisten EU-Länder können wir inzwischen ohne Grenzkontrollen besuchen, Geschäfte kann man auch international in Euro abwickeln statt kompliziert Währungskurse umzurechnen und Zollregeln zu beachten. Und dennoch nimmt die Unzufriedenheit in und mit Europa zu: In fast allen Ländern wird der Ruf nach stärkeren Nationalstaaten lauter. Statt das europaweit Gemeinsame und Verbindende zu sehen, fordern immer mehr Menschen „deutsches Geld nur für deutsche Bürger“ oder „Ungarn den Ungarn”. Auf der anderen Seite stehen die Verfechter eines starken Europa. Sie fordern Solidarität über Ländergrenzen hinweg in Zeiten von Eurokrise und Flüchtlingszuzug. Dieses Spannungsfeld von Nationalismus und Kosmopolitismus verweist auch darauf, dass sich manche Menschen und Staaten als Verlierer der gemeinsamen Währung und der europäischen Integration fühlen. Tatsächlich kann eine doppelte Dualisierung der EU nachgewiesen werden: Die Einkommens- und Arbeitsmarktungleichheiten zwischen den europäischen Staaten und zwischen verschiedenen sozialen Gruppen haben zugenommen. Dieser sozialstrukturelle Hintergrund der europäischen Integrationskrise soll in dem hier angekündigten Vortrag von Prof. Dr. Martin Heidenreich herausgearbeitet werden. Ohne ein gemeinschaftsorientiertes Handeln der europäischen Staaten und einen höheren Stellenwert des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Europa wird die EU keine Zukunft haben.
Mittwoch, 24. April 2019
18 Uhr
Vortragssaal, PFL

mit Anmeldung » ab dem 18. März ab 10 Uhr, kostenfrei

V3 // Grundeinkommen für Europa – Europa für Grundeinkommen?

Die europäische Union, von Nationalisten verstärkt angegriffen, aber auch von links als „Europa des Kapitals“ diskreditiert, braucht dringend eine Stärkung
ihrer „sozialen Säule“. Diese kann jedoch nicht einfach in der Europäisierung bestehender, national sehr unterschiedlicher Sozialpolitiken bestehen. Eine neue soziale Idee ist am Horizont sichtbar – das bedingungslose Grundeinkommen als soziales Menschenrecht. Aber wie könnten sich die Reform Europas und eine solche Reform des Sozialstaates gegenseitig befruchten? Dr. rer. pol. Ulrich Schachtschneider, Diplom-Ingenieur, Energieberater, freier Sozialwissenschaftler und Vorstandsmitglied von UBIE (Unconditional Basic Income Europe) wird über dieses spannende Thema referieren.
Mittwoch, 8. Mai 2019
18 Uhr
Seminarraum 2, PFL

mit Anmeldung » ab dem 18. März ab 10 Uhr, kostenfrei

Zur Sache!

Krankheit ist ohne Politik nicht heilbar: Hat die Medizin ein Gerechtigkeitsproblem?
Lange Wartezeit für einen Facharzttermin insbesondere für die gesetzlich Versicherten: oft verstreicht viel Zeit bis zur Diagnose und Behandlung. Wie lässt sich die zunehmende Wartezeit trotz hoher Arztdichte erklären? Warum wenden sich viele Versicherte direkt an die Notaufnahme der Krankenhäuser? Welche Rolle hierbei das Instrument der Bedarfsplanung und Versorgungssteuerung spielt, das mittels einer Richtlinie die Verteilung von Ärzten bevölkerungsbezogen im Raum Oldenburg festlegt, wird in unserem ersten Vortrag beleuchtet.
Der zweite Vortrag thematisiert das Sanierungskonzept der Beratungsfirma Boston Consult und die Zukunft des Oldenburger Klinikums. Das Klinikum als öffentliche Einrichtung spielt eine herausragende Rolle im medizinischen Versorgungsgeschehen der Stadt Oldenburg, insbesondere hinsichtlich seiner sozialen Funktion der Daseinsvorsorge. Der Abbau der sozialen Funktion des Krankenhauses muss durch ambulante Versorgungs- und Pflegemöglichkeiten kompensiert werden. Diese Verlagerung in den ambulanten Bereich wird problematisch, wenn die fachärztliche Versorgung zugunsten einer allgemeinärztlichen Behandlung eingeschränkt wird. Eine weitere Verschärfung stellt eine nicht ausreichende Pflegeinfrastruktur dar. Welche Weichen werden für die Zukunft des Oldenburger Klinikums gestellt?

ZS1 // Der kurze Weg zum Arzt in Stadt und Land? Die ambulante medizinische Versorgung aus räumlicher Perspektive

Deutschland besitzt eines der besten medizinischen Versorgungssysteme weltweit. Warum lesen und hören wir dennoch des Öfteren über Ärztemangel, vermeintlich lange Wartezeiten und eine sich verschlechternde Versorgungslage? Antworten liefert eine Richtlinie, die sehr genau regelt, wo sich wie viele Ärztinnen und Ärzte niederlassen dürfen. Ein Gutachten hat gerade diese Richtlinie evaluiert und weitreichende Änderungen empfohlen. Was dies für die Versorgung in und um Oldenburg bedeuten könnte, wird prognostiziert und diskutiert. Referent für dieses interessante Thema ist Prof. Dr. Frank Schüssler, der seit 2010 Professor für Geoinformation und Wirtschaftslehre an der Jade Hochschule in Oldenburg und seit 2018 im Vorstand des „Verbandes für Geographie an deutschsprachigen Hochschulen und Forschungseinrichtungen“ (VGDH) ist.
Mittwoch, 22. Mai 2019
18 Uhr
Vortragssaal, PFL

mit Anmeldung », kostenfrei