Der richtige Standpunkt - Gegen Gewalt

Die Aktion „Der richtige Standpunkt - Gegen Gewalt“ wurde 2015 vom "Arbeitskreis häusliche Gewalt im Präventionsrat" gestartet. Jedes Jahr werden Standpunkte aus unterschiedlichen Lebens- oder Wirkungsbereichen gesammelt und als gemeinsames Statement veröffentlicht.

 

Standpunkte aus medizinischer Sicht

Dr. med. Hansjörg Augenstein, Chefarzt der Frauenklinik, Evangelisches Krankenhaus Oldenburg

„Bezüglich Gewalt, die ja oft nur Zeichen eigener Schwäche ist, sollte jeder sensibilisiert sein und aktiv Stellung beziehen.
Besonders auch im Bezug auf die Vorstufen körperlicher Gewalt, wie zum Beispiel psychische und moralische Gewalt im zwischenmenschlichen Zusammenleben.“ (2016)

Prof. Dr. Dr. Rudy Leon De Wilde, Universitätsklinik für Gynäkologie, Pius-Hospital

„Frauenärztinnen und – ärzten kommt in der gesellschaftlichen Verantwortung für die Gewaltbetroffenen eine spezielle Aufgabe zu. Sie nehmen in Bezug zu der sexuellen Gewalt für die Opfer eindeutig eine Rolle als Vertrauensperson ein.
Gerade weil sie oft sowohl im akuten Fall als auch bei der wiederholten Tat eine der ersten Kontaktpersonen sind, haben die in diesem Bereich tätigen Ärzte und Ärztinnen die Position und Pflicht zur Betreuung und Begleitung.
In dieser Funktion entsteht und besteht die Möglichkeit zur Aufklärung der bestehenden Dunkelziffer durch die Erfassung einhergehender körperlicher und psychischer Zeichen der Gewaltauswirkung.“ (2016)

Ariane Kopitzki, Hausärztin

„50 Prozent aller allein flüchtenden Frauen und Kinder sind während ihrer Flucht (sexueller) Gewalt ausgesetzt. Das ist eine Tatsache, mit der wir uns in unserer Arbeit auseinandersetzen müssen.“ (2016)
 

Prof. Dr. Eduard Malik, Chefarzt Oldenburger Frauenklinik Klinikum Oldenburg

„Bei Gewalt gegen Mitmenschen dürfen wir nicht wegsehen. Deshalb unterstützen wir in unserer Klinik aktiv das „Netzwerk ProBeweis“. Dort ist eine kostenfreie und vertrauliche Dokumentation und Beweissicherung unabhängig von einer Anzeige bei der Polizei möglich (www.probeweis.de »).“ (2016)

Dr. Volker Nüstedt, Facharzt für Innere Medizin, Vorsitzender des Ärztevereins Oldenburg

„Mehrfach jedes Quartal behandeln wir Opfer häuslicher Gewalt in der Praxis. Fast immer sind Frauen die Opfer männlicher Gewalt. Hilflosigkeit, Ausweglosigkeit und fehlende Konfliktlösungsstrategien sind häufig die Ursachen in der Partnerschaft. Vielfach haben die Beteiligten aber auch generationsübergreifend Gewalt erlebt. Es ist eine multiprofessionelle Aufgabe Gewalt in der Familie zu thematisieren um die Schwellenangst für Anzeige und zur Behandlung zu reduzieren. Wir müssen als Helfer, vom Nachbarn bis zum Richter, eindeutig sein in der Ablehnung und Verurteilung von Gewalt. Wir müssen aber auch Hilfesysteme für die Täter implementieren um den gewalttätigen Generationenzyklus zu durchbrechen und den Tätern andere Konfliktlösungen zu ermöglichen.“ (2016)

Prof. Dr. Alexandra Philipsen, Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie / Karl-Jaspers-Klinik

„In meinem Berufsstand sehen wir täglich die Folgen, die Gewalt in welcher Form auch immer haben kann. Neben der Behandlung von Opfern und Tätern sind die Prävention als gesamtgesellschaftliche Aufgabe und der persönliche Mut, Gewalt in keinster Form zu akzeptieren, essentiell.“ (2016)

Helmut Scherbeitz, Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, Bezirksstelle Oldenburg

„Bei Gewalt gegen Frauen verlieren immer Opfer und Täter. Schwierig wird es für Ärzte, wenn die Opfer zwar eine Behandlung für sich, aber keine Bestrafung des Täters wollen. Häufig droht eine Wiederholung. Der Arzt muss die individuelle Situation einschätzen. Keine Toleranz gegen Gewalt und Unterstützung der Opfer sind für mich die Leitschnur des Handelns.“ (2016)

Sarah Stockhausen, Ärztin, Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Rechtsmedizin, Außenstelle Oldenburg

„Mit dem Projekt „Netzwerk ProBeweis“ » konnte Niedersachsen als erstes Bundesland eine flächendeckende und strukturierte Gewaltopferversorgung etablieren. Unter Leitung der Rechtsmedizin werden Betroffene bereits vor Erstattung einer Strafanzeige wesentlich unterstützt.“ (2016)