Der richtige Standpunkt - Gegen Gewalt

Die Aktion „Der richtige Standpunkt - Gegen Gewalt“ wurde 2015 vom "Arbeitskreis häusliche Gewalt im Präventionsrat" gestartet. Jedes Jahr werden Standpunkte aus unterschiedlichen Lebens- oder Wirkungsbereichen gesammelt und als gemeinsames Statement veröffentlicht.

Standpunkte aus Sicht der Religionen

 Ahmed Hazzaa, Islamischer Kulturverein (Maryam Moschee)

„Häusliche Gewalt und Zwangsverheiratungen finden ihren Ursprung nicht in religiösen Texten sondern in patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen. Wir, als Islamischer Kulturverein Oldenburg e.V./Maryam Moschee, distanzieren uns ganz deutlich vor einem Missbrauch jeglicher religiöser Texte zum Zwecke der Gewaltausübung gegenüber Frauen.“ (2017)

 

Dr. Birgit Panahi, Bahá‘í-Gemeinde Oldenburg

„Aus Bahá‘í-Sicht wird häusliche Gewalt in jeglicher Form strikt abgelehnt. Wenn Kinder und Heranwachsende sowohl Zusammenarbeit als auch eine Kultur des gegenseitigen Respekts, der Liebe und Gleichwertigkeit in der Familie und in ihrem Umfeld erleben, ist das die beste Prävention.“ (2017)
 

Sabine van Geuns, Bischöfin Christlich Essenische Kirche

„Die Freiheit des Einzelnen ist das höchste Gut und sie endet dort, wo sie die Freiheit eines Anderen beschneidet. Ich finde Gewalt gegen Frauen ist nicht zu tolerieren, da sie die Freiheit extrem beschneidet!“ (2017)
 

Manfred Folkers, Buddhistische Gruppen in Oldenburg

„Die Ablehnung von „Gewalt gegen Frauen“ ist selbstverständlich. Von folgender Haltung aus ist es unmöglich, Gewalt gegen Frauen zu rechtfertigen: „Wenn ihr für euch selber versteht: 'Diese Dinge sind heilsam, förderlich, von Weisen empfohlen und, wenn man sie akzeptiert und durchführt, bringen sie allseits Nutzen und Glück', dann solltet ihr danach handeln.““ (Der Buddha - Kalama-Sutra) (2017)

Prof. em. Dr. Jürgen Heumann; Uni Oldenburg, Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik

„Psychische oder physische Gewalt, Gewalt aufgrund von Rollenfestschreibungen gegen Mädchen und Frauen – gehen gar nicht: weder im häuslichen Umfeld, weder als sexuelle Übergriffe privat noch beruflich.
Fragt man  nach den Ursachen von Gewalt gegen Mädchen und Frauen kommen, neben kulturellen Traditionen und gesellschaftlichen Gegebenheiten, immer wieder auch die Religionen in den Blick; egal ob es solche aus dem westlichen oder solche aus dem östlichen Religionskreis sind. Besonders die oft hervorgehobene Rolle des Mannes in den Religionen war und ist immer noch Mitverursacher auch von häuslicher Gewalt gegen Mädchen und Frauen. Das muss aufhören. Religionen können in der Demokratie erst dann ernsthafte Partner sein, wenn sie ihre Schuldgeschichte gegenüber Mädchen und Frauen aufarbeiten und die Beseitigung von Gewalt in den eigenen Reihen durchsetzen.“ (2017)

Ilyas Yanc, Yezidisches Forum e.V. Oldenburg-Yezidische Gemeinde Oldenburg

„Als Yezidische Gemeinde lehnen wird jede Form der Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen ab. Da darf es null Toleranz gegenüber den Tätern geben. Frauen und Mädchen die Gewalt erfahren, müssen geschützt werden und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Das Yezidische Forum e.V. ist bei Konflikten als Mediator tätig und berät Frauen und Mädchen die Gewalt erfahren haben.
Als Gesamtgesellschaft ist es unsere Aufgabe hinzusehen und solche Taten zu verurteilen.“ (2017)

Jona Simon, Rabbi der Jüdischen Gemeinde zu Oldenburg

„Behandle jeden Menschen so, wie du selbst behandelt werden willst“ (2017)

Werner Bieberstein, Pastoralreferent und Seelsorger, Katholische Kirchengemeinde

„In der „Sozialen Tür St.Willehad“ unserer Gemeinde berichten mir immer wieder Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind von ihrem Leid! Oftmals spielen dabei auch Drogen und finanzielle Probleme eine Rolle.  Das dies heutzutage immer noch so aktuell ist, ist für mich gesellschaftlich beschämend und nicht akzeptabel.“ (2017)

 

Jan Janssen, Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche in Oldenburg

„Diese Gewalt ist eine furchtbare und unmenschliche Macht, die im christlichen Menschenbild keinen Platz haben darf. Und sie fängt nicht erst mit Tätlichkeiten der Hand an, sondern beginnt schon im Kopf – mit abfälligen Bemerkungen und Sprüchen über Frauen. Tun wir etwas dagegen durch ein aufmerksames Miteinander – und indem wir Erniedrigungen und Bloßstellungen aus unserem Alltag verbannen.“ (2015)

Heinrich Timmerevers, Bischöflicher Offizial und Weihbischof

„Als Christen lehnen wir Gewalt ab - egal, in welcher Form und egal, gegen wen sie sich richtet. Gewalt gegen Frauen beinhaltet oft das Ausspielen männlicher Stärke gegenüber einem schwächeren und schutzlosen Menschen. Das darf niemals toleriert werden. Betroffenen Frauen müssen wir helfen, bestimmten  Verhaltensmustern in unserer Gesellschaft müssen wir präventiv begegnen. Die Katholische Kirche engagiert sich daher in der Seelsorge und mit vielen Präventions-, Beratungs- und Hilfsangeboten im Interesse der Frauen und für sie.“ (2015)

Sabine Blütchen, evangelisch-lutherische Kirche in Oldenburg

„Gewalt entwickelt sich wie eine Spirale, sie will Angst schüren: Sie beginnt mit absichtlichem „Kleinmachen“, geht weiter zu Verletzungen mit Worten, bis dann die Faust zuschlägt.

Als Christin sage ich Nein zu Gewalt: Alle Menschen sind Gottes Kinder. Jede ist somit Schwester, jeder ist somit Bruder einer anderen Frau. Die Würde der Frau, die Würde jedes Menschen ist unantastbar.“ (2015)