Die Klävemann-Stiftung ist eine juristisch selbständige Stiftung, die von der Stadt Oldenburg (Oldb) verwaltet wird. Aktuell besitzt die Klävemann-Stiftung 316 Wohneinheiten, die über rund 20 Standorte im Stadtgebiet verteilt sind. Der Stiftungszweck ist neben der Herstellung und Unterhaltung von kleinen Wohnungen, die Vermietung dieser Wohnungen (siehe Statut der Klävemann-Stiftung).

I. Geschichte der Stiftung

Carl Hermann Klävemann,
(geboren 22. August 1816, gestorben 2. März 1872) tritt nach Vorschul- und Gymnasialzeit in das väterliche Handelsgeschäft ein, das er nach dem Tode seines Vaters (1857) selbstständig weiterführt. In der Kaufmannschaft hat er sich durch seine Begabung und sein praktisches Verständnis rasch eine hochgeachtete und hervorragende Stellung erworben. Der Magistrat der Stadt trägt ihm 1852 die Stellung eines Ratsherrn und Mitglieds des Stadtmagistrates an, die er bis zu seinem Tode innehat.“

Johann Conrad Dietrich Klävemann,
(geboren 30. November 1814, gestorben 11. Dezember1889) besuchte zunächst Vorschule und Gymnasium in Oldenburg, wechselte dann nach Eutin über, um das Abiturienten-Examen abzulegen. Anschließend studierte er Rechtswissenschaft in Jena, Göttingen, Heidelberg und Berlin. In Berlin promoviert er zum Doktor der Rechte, danach einjähriges Studium der Musik. Im Jahre 1842 legt er die Staatsprüfung ab, wird 1843 als Auditor* in Burhave angestellt und als solcher im Jahre 1845 nach Westerstede versetzt, 1846 zum Amtsauditor in Ganderkesee ernannt, 1849 Amtsauditor in Brake; während dieser Zeit legt er das zweite juristische Staats-examen ab und wird zum Amtsassessor ernannt. 1851 tritt er als Staatssyndikus in die Dienste der Stadt Oldenburg. 1856 folgt er dann einem Rufe nach Löningen, um dort Verwaltungschef zu werden. 1859 wird er Stadtdirektor in Varel. 1860 wird er zum Landtagsabgeordneten gewählt. Im Jahre 1882 ernennt ihn die Stadt Varel zum Ehrenbürger.“

Am 12. Juni 1871 legte der am 2. März 1872 verstorbene Ratsherr Carl Hermann Klävemann in seinem Testament unter § 2 fest, dass unter anderem folgende Legate ausgezahlt werden sollten:

  • 18. Der Kinderbewahrschule in Oldenburg 3.000 Rthlr. Courant.
  • 19. Dem Elisabeth Kinderkrankenhaus 3.000 Rthlr. Courant.
  • 23. Für die Diakonissen-Sache 2.000 Rthlr. Courant.

Diese Legate führten zur Bildung kleinerer Stiftungen, wie zum Beispiel „Klävemann-Stiftung für das Elisabeth-Kinder-Krankenhaus“ oder „Klävemann-Stiftung für Diakonissen“, die 1926 dem „Vereinigte Unterstützungsfonds“ und dann 1984 der „Bürger-Stiftung Oldenburg“, die im Jahr 2007 in die Vereinte Oldenburger Sozialstiftung umbenannt worden ist, zugeführt wurden.

Das entscheidende Legat, das letztlich zur eigentlichen „Klävemann-Stiftung“ führte, war unter der laufenden Nummer 24 des Testamentes festgehalten.

„24. Zu einer Stiftung zur Herstellung und Unterhaltung von kleineren Wohnungen, welche den Namen Klävemann-Stiftung führen soll, 50.000 Rthlr. Courant . In diese Wohnungen sollen auf ihr Verlangen nur solche Familien und einzeln stehende Personen, welche nüchtern und unbescholten und weniger bemittelt sind, aber Unterhalt oder Unterstützung aus der Armenkasse noch nicht erhalten haben, gegen eine billige Miethe, welche die Hälfte der ortsüblichen Miethe für eine solche Wohnung nicht übersteigen soll, aufgenommen werden. Ich ersuche den wohllöblichen Stadtmagistrat die Oberaufsicht über diese Stiftung zu übernehmen und zur speziellen Beaufsichtigung und Leitung einen besonderen Verwalter, welcher dem Magistrat verantwortlich sein muss, zu bestellen.

Über die Aufnahme in diese Wohnungen hat nur der Magistrat eventuell der von demselben etwa speziell dazu beauftragte Verwalter zu entscheiden. Im übrigen soll Einrichtung und Verwaltung vollständig dem Ermessen des wohllöblichen Stadtmagistrats überlassen bleiben; nur allgemein bemerke ich über die Einrichtung, dass es mir zweckmäßig scheint, die Wohnungen nicht kaserneartig, vielmehr nur etwa zwei unter einem Dache, mit besonderem Eingang für jede, herzustellen und bei jeder Wohnung etwas Gartenland, wenn auch nur etwa ½ Scheffel* Saat, beizugeben. Außer dem bezeichneten Kapital vermache ich für diese Stiftung noch die s. g. Beverbäks Weide an der Chaussee nach Donnerschwee belegen circa 21 Sch. Saat groß oder wenn ich dieses Grundstück bei meinen Lebzeiten noch etwa ganz oder teilweise verkaufen sollte, das für den verkauften Theil gelöste Kaufgeld.“

Der am 11. Dezember 1889 verstorbene Bruder des Stiftungsgründers Dr. jur. Dietrich Klävemann, Stadtdirektor von Varel, ergänzte das Vermögen der zuvor erwähnten kleineren Stiftungen und der eigentlichen Klävemann-Stiftung durch Legate, die er in seinem Testament wie folgt bestimmt hat:

27. Der Stadtgemeinde Oldenburg folgende Legate:

  • a. für die Klein-Kinder-Bewahr-Anstalt in Oldenburg 10.000 (zehntausend) Mark,
  • b. für das Elisabeth-Kinder-Krankenhaus in Oldenburg 10.000 (zehntausend) Mark,
  • c. zur Diakonissensache (für welche mein seliger Bruder in seinem Testament...) jetzt noch ein Legat von 4.000 (viertausend) Mark....

28. Der von meinem verstorbenen Bruder Carl gegründeten Klävemann-Stiftung (vergl. §2 zu Ziffer 24 seines Testaments vom 12. Juni 1871) vermache ich ein Legat von 150.000 (hundertfünfzigtausend) Mark, außerdem aber das an der Nadorster Chaussee belegene s. g. Galgenfeld, damit es im Sinne der Stiftung meines seligen Bruders zu Hausbauten mit zu behörigem Gartenlande verwendet werden möge. In Betreff dieses meines zur Klävemann-Stiftung vermachten Legats bestimme ich indessen weiter folgendes:

Falls ich selbst bei meinen Lebzeiten mit dem Bau von Wohnungen auf dem Galgenfelde den Anfang machen sollte, so hat die Klävemann-Stiftung diese Wohnungen zu übernehmen, es soll indessen alsdann so viel, als ich auf dem Bau dieser Wohnungen verwendet habe (wofür ich die erforderlichen Aufzeichnungen machen werde) – eventuell der Werth nach Taxat * - an den in Baar vermachten 150.000 (hundertfünfzigtausend) Mark gekürzt werden.

29. der Stadtgemeinde Oldenburg zu ihrem Stiftungs-Vermögen einen Fundus von 25.000 (fünfundzwanzigtausend) Mark, dessen Auskünfte zu verwenden sind, um begabte und gutgearteten in der Stadtgemeinde Oldenburg geborenen Söhnen in Oldenburg wohnhafter rechtlicher und wohlgesitteter unbemittelter christlicher Ältern dazu zu verhelfen, dass sie in einer für ein höheres Lehrziel eingerichteten Schulen.

30. der Stadtgemeinde Oldenburg zu ihrem Stiftungs-Vermögen einen Fundus von 15.000 (fünfzehntausend) Mark, dessen Auskünfte zu verwenden sind, um unbemittelten in der Stadtgemeinde Oldenburg geborenen Töchtern, welche sich zu Lehrerinnen ausbilden wollen.

Hieraus entstanden kleinere Stiftungen „Klävemann-Stiftung für Knaben“ und „Klävemannstiftung für Mädchen“, die ebenfalls 1926 dem „Vereinigte Unterstützungsfonds“ und 1984 dann der „Bürger-Stiftung Oldenburg“ zugeführt wurden.

Dem 1898 vorgelegten ersten Rechenschafts-Bericht der Verwaltung der Klävemann-Stiftung, der zum 25jährigen Bestehen erstellt wurde, war folgendes zu entnehmen:
„Am 20. Juni 1872 trat der Stadtmagistrat zur Beratung über die Einrichtung der Stiftung zusammen. An dieser Stiftung nahm auch der Bruder des Stiftungsgründers, Herr Stadtdirektor Dietrich Klävemann, teil. In dieser Sitzung wurde die Richtlinie zur Umsetzung des Stifterwillens festgelegt. Außerdem erhielt der Unternehmer und Architekt Schnittger den Auftrag, einen Bebauungsplan und Pläne für die zu errichtenden Häuser anzufertigen.“

Im Frühjahr 1873 wurde mit dem Bau der ersten acht Häuser Nr. 1 bis 4 und 6 bis 9 an der Donnerschweer Chaussee begonnen. Die Häuser waren bereits am 1. November 1873 zum größten Teil fertiggestellt.

Laut Magistrats-Bekanntmachung vom 17. November 1873 wurde dem Ratsherrn Johannes Schäfer die Verwaltung der Stiftung offiziell übertragen.

Im Frühjahr 1874 wurde dann mit dem Bau des sogenannten Stiftshauses Nr. 5 begonnen, welches als Mittelhaus an der Straßenfront in besonders monumentaler Weise ausgeführt und in der Front, um das Andenken des Testators zu ehren, mit einer Gedächtnistafel aus schwarzen Marmor versehen wurde. Die Gedächtnistafel trägt in goldenen Lettern folgende Inschrift:

Klaevemanns-Stiftung
begründet von dem
Ratsherrn Carl Hermann Klaevemann,
geb. am 22. August 1816,
gest. 2. März 1872.

III. Weitere Entwicklung

Die Klävemann-Stiftung, deren Häuser zum Teil über 100 Jahre alt sind, soll auch in Zukunft ihren Zweck weiter erfüllen. Um die weitere Entwicklung planen zu können, wurde, insbesondere auch vor dem Hintergrund der Erarbeitung einer neuen Satzung, eine Investitionsanalyse des gesamten Gebäudebestandes durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Investitionsanalyse zeigen, dass ein erheblicher Instandhaltungs- und Modernisierungsbedarf für die Gebäude besteht.

Hier finden Sie die Präsentation der Investitionsanalyse des Gebäudebestandes » (PDF, 1,15 MB)