Entstehung der Zeitzeugenbörse

 - Stirbt ein alter Mensch, verbrennt eine ganze Bibliothek -

Foto: Herzogin Amalia-Bibliothek in Weimar

Die Zeitzeugenbörse ist in den 60er-Jahren in den USA und Großbritannien aus der Suche nach einer „Geschichte von unten“ hervor gegangen. Es sollten nicht große politische Ereignisse sondern die alltäglichen Erinnerungen der Menschen im Mittelpunkt stehen. Seit 1987 gibt es diese Börsen in Deutschland. Mit über 500 Mitgliedern, Tendenz steigend, ist die Berliner Zeitzeugenbörse wohl die grösste.

Vorträge, Schulungen, Kontakte zu Hochschulen, Altersforschung, Vorträge von namhaften Professoren aber auch von Zeitzeugen, Kontaktpflege zum Ausland, zu jungen Mitbürgern, zu allen Generationen, Unterstützung des Geschichtsunterrichts - das sind nur einige der Aktivitäten.

Heute gibt es bundesweit mehrere hundert Gruppen. Finanziell unterstützt werden sie zum Teil vom Staat, von der Stadt, in der sie ansässig sind, und von Privatsponsoren. Sie sind in der Regel als Verein organisiert.

Die Oldenburger Zeitzeugenbörse hat sich das Ziel gesetzt, gemäss dem Nachhaltigkeitsprinzip den Kontakt und den Dialog mit anderen, vor allem jungen Menschen zu suchen, zu halten, Erfahrungen und Erlebnisse  aus der Vor-, Nachkriegszeit weiterzugeben, sie zum Nachdenken anzuregen.

Der Dialog zwischen den Generationen soll zu einem besseren Verständnis der Gegenwart und zur Gestaltung der Zukunft führen.

Erzählte Erlebnisse schaffen oft den Bezug zu Geschichtsbüchern. Die junge Generation soll gleichzeitig lernen, dass mehrere Personen am gleichen Ort oder an verschiedenen Orten vieles unterschiedlich erlebt und empfunden haben. Ein Buch kann diese persönlichen Erfahrungen nicht ausreichend vermitteln. Die jungen Menschen sollen fragen und diskutieren können.

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit ist für manche der Älteren eine Befreiung, wobei auch Tränen fließen können - und sollen.

Sprechen kann man auch über ganz andere Themen, z. B. Familie früher und heute, Konfirmationen, Feste, Arbeit, Entwicklung der Berufe, der Gesetze usw. Auch die DDR ist für viele schon nicht mehr vorstellbar.

Ebenfalls auf dem Plan stehen Themen wie: frühere Berufswege oder Kindheit. Spezielle Fachkenntnisse sind nicht erforderlich, wichtig ist aber zu überlegen, was die Zuhörer interessieren könnte, wie man es erzählt und wann es genug ist.

Zeitzeugen können ihre Erlebnisse auch durch Schreiben festhalten.