Bundesverdienstkreuz für Käthe Nebel

Für ihr jahrzentelanges Engagement im Umweltschutz- und sozialen Bereich erhielt Frau Käthe Nebel, Gründerin des Oldenburger Verschenkmarktes und Sprecherin der Agendagruppe "Abfallvermeidung und Ressourcenschutz bei Konsumgütern" am 7.7.2008 das Bundesverdienstkreuz - genauer gesagt: das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

In einer Feierstunde im Großen Ratssaal überreichte Oberbürgermeister Gerd Schwandner der 78-Jährigen den Orden vor rund 50 geladenen Gästen.

In seiner Rede würdigte Schwandner die Verdienste der Geehrten im sozialen und im Umweltschutzbereich. Angefangen hat alles in Ahlhorn, wo Käthe Nebel als Volksschullehrerin in der 60er Jahren ein Schlüsselerlebnis hatte, aus dem sich später die Idee zum Verschenkmarkt entwickelte. „Ich fing in den 60er Jahren an, Kleidung zu sammeln, und gab sie einer bedürftigen jugoslawischen Familie. Kurz darauf erhielt ich von vielen Menschen weitere Spenden, auch andere Gegenstände“, erinnerte sich Käthe Nebel. Diese sammelte sie zunächst im Keller ihres Hauses in Ahlhorn, den sie von Zeit zu Zeit als "Tag des offenen Kellers" für die Allgemeinheit öffnete. Dies war quasi die Geburtsstunde des Verschenkmarktes.

Käthe Nebel zog dann nach Oldenburg und setzte ihre Verschenkaktionen zunächst auf Flohmärkten fort. Der Durchbruch kam im Jahr 1998 mit der Auftaktveranstaltung zur Agenda 21 in Oldenburg, wo sie den Verschenkmarkt als Projektidee einer nachhaltigen Stadtentwicklung vorstellte: Ausgesonderte Gegenstände des täglichen Lebens wandern nicht auf dem Müll, sondern werden verschenkt und von anderen Menschen weiter genutzt. Auch andere Menschen begeisterten sich für diese Idee, und die Agendagruppe "Abfallvermeidung und Ressourcenschutz bei Konsumgütern" war geboren. Es dauerte dann doch noch fast 4 Jahre, bis der Oldenburger Verschenkmarkt im Alten Hallenbad am Berliner Platz eröffnet werden konnte. Mittlerweile auf dem MACO-Gelände ansässig, verzeichnet der Verschenkmarkt seitdem einen Andrang, der kühnste Erwartungen übertrifft und weit über die Grenzen Oldenburgs hinweg bekannt geworden ist.

Oberbürgermeister Gerd Schwandner und Laudator Thomas Ponel hoben in ihren Reden das themenübergreifende Engagement Käthe Nebels hervor. Sie setzte sich schon für den Umweltschutz ein, als anderswo erst darüber diskutiert wurde. So verlieh ihr die Stadt Oldenburg im Jahr 1999 einen Umweltpreis. Doch schon in den 70er Jahren kämpfte sie mit Gleichgesinnten für den Einbau einer (damals in Deutschland noch nicht üblichen) Rauchgasentschwefelung in der Erdgasanlage Großenkneten. Sie kämpfte auch gegen die Trockenlegung und für die Erhaltung des Huntloser Moores, engagiert sich für sozial Schwache und die Integration ausländischer Mitbürger, bei den Freien Humanisten, bei der Gesellschaft für Humanes Sterben und im Evangelischen Hospizdienst der Stadt Oldenburg. Fast schon legendär sind ihre zahlreichen Leserbriefe in der Nordwest-Zeitung, in denen Sie couragiert und in leicht verständlicher Sprache ihre persönliche Meinung zu vielfältigen Themen des Zeitgeschehens kundtut.

Gemäß dem Motto "Was du verschenkst, ist nicht verloren" (Mahatma Ghandi) wünschen wir Käthe Nebel weiterhin viel Engagement, Herz, Kraft, Durchsetzungsvermögen und Mut.

Fotos von der Verleihungsfeier im großen Saal des Oldenburger Rathauses:

Auszüge aus den Reden von Oberbürgermeister Gerd Schwandner und Thomas Ponel hier (pdf, 60 kB)