Intention und Arbeit des Runden Tisches

In Oldenburg haben ehrenamtlich Tätige den Runden Tisch Artenvielfalt und Biotopschutz initiert.

Aufgrund der Bereitstellung von Haushaltsmitteln für die Planung und Umsetzung von Maßnahmen, die in der weiteren Arbeit des Rundes Tisches erarbeitet werden, sollen hier die weiteren ehrenamtlichen Aktivitäten der Mitglieder des Runden Tisches und der weiteren interessierten Bürgerinnen und Bürger gebündelt werden.

Sandbienen: Standorte von Nestansammlungen gesucht!

Der Diplom-Biologe Rolf Witt hat im ersten Schritt eine Erfassung von Sandbienen initiert.

Sandbienen (Andrena) sind die artenreichste Gattung innerhalb der Wildbienen. In Deutschland kommen mindestens 115 bis 118 Arten (der Status einiger Arten wird noch diskutiert) vor. Alle Arten sind nicht staatenbildend und legen ihre Nester im Boden an. Es gibt unscheinbare kleine (ab vier Millimeter) bis honigbienengroße Arten, die meist sehr schwer zu bestimmen sind.

Viele Arten sind charakteristische Frühjahrsarten, die bei geeignetem Wetter schon ab Ende Februar/Anfang März auftreten. Dabei können sehr große Nestansammlungen (Agglomerationen) gebildet werden. Die Männchen schlüpfen einige Tage früher als die Weibchen aus der Überwinterung. Zu Hunderten fliegen sie dann in Schwarmbahnen über den Nistplätzen, um paarungsbereite Weibchen zu finden. Die Männchen sterben bald nach der Paarungszeit.

Jedes Bienenweibchen versorgt dann unabhängig von den Artgenossinnen ihr eigenes Nest. Arbeiterinnen und eine Königin existieren nicht. Diese sogenannte solitäre Lebensweise unterscheidet sich damit deutlich von den Sozialstaaten der einiger Faltenwespen und der Honig.

Die absolut friedfertigen Weibchen haben zwar einen Stachel, aber er ist viel zu schwach, um die menschliche Haut zu verletzen. Es geht keinerlei Gefahr von den Tieren aus.
Die Nester werden in ca. 10 bis 100 cm tief im Boden angelegt. Die Gänge werden am Ende wieder mit Bodenmaterial gefüllt. So kommt es auch nicht zum Absacken von Pflastersteinen, wenn die Nester im Fugenbereich angelegt werden. Der wenige Sand an den Nesteingängen sollte zum Wohle der Wildbienen auf Gehwegen oder Einfahrten toleriert werden. Hier hilft gegebenenfalls einfaches Wegfegen. Nach drei bis fünf Wochen sind die Sandbienen schon wieder verschwunden und kommen erst im nächsten Frühjahr wieder zum Vorschein. Nur sehr wenige Arten haben eine zweite Generation im Jahr. Die sympathischen, flauschigen Tiere lassen sich übrigens sehr gut Beobachten und auch in umweltpädagogischen Projekte einsetzen.

Im Sommer- und Spätsommer treten noch andere Sandbienenarten auf, die dann in der Regel aber nicht mehr so auffällige Nestansammlungen bilden.

Sollten Sie Sand- oder Seidenbienenagglomerationen entdecken, kann vom Runden Tisch für Artenvielfalt der Stadt Oldenburg ein kleines Infoschild aufgestellt werden. Eventuell können die Flächen auch mit Flatterband markiert werden. Nach der Flugzeit wird das Schild wieder abgeholt.
Es besteht die Möglichkeit für Kindergärten, Schulen aber auch für Firmen kurze Führungen zu organisieren.

Häufige und charakteristische Frühjahrsarten in Oldenburg:

  • Blauschwarze Sandbiene - Andrena vaga
    Pollen wird ausschließlich auf Weiden (Salix) gesammelt
  • Graue Sandbiene – Andrena cineraria
    Pollen wird ausschließlich auf Weiden (Salix) gesammelt
  • Andrena barbilabris (kein deutscher Name vorhanden)
    Pollen wird auf diversen Pflanzenarten, darunter auch Obstbäumen, gesammelt
  • Fuchsrote Sandbiene – Andrena fulva
    Pollen wir vor allem auf Beerensträuchern (Johannisbeeren, Stachelbeeren) gesammelt. Diese unverkennbare pelzig rotbraun gefärbte Art legt ihre Nester meist nicht in Nestansammlungen an.

Regelmäßig kann auch eine sehr nah verwandte Wildbiene aus der Gattung der Seidenbienen in großen Aggregationen auf Sandböden angetroffen werden.
Weiden-Seidenbiene – Colletes cunicularius
Das Aussehen erinnert stark an Honigbienen. Die Art ist allerdings stärker behaart. Die Hinterbeine hängen im Flug nicht nach unten und Pollen wird fast ausschließlich an Weiden (Salix) gesammelt.

Text, Fotos und weitere Informationen:
Diplom-Biologe Rolf Witt (Umwelt- & Medienbüro Witt)
Experte für Wildbienen und Wespen beim Runden Tisch für Artenvielfalt der Stadt Oldenburg
Friedrichsfehner Straße 39
26188 Friedrichsfehn
Telefon: 04486-9385570
www.vademecumverlag.de
www.umbw.de

Hosenbienen-Nester gesucht - Artenhilfsmaßnahmen für Bestäuber

Im Hochsommer sieht man vermehrt auffällige Mini-Maulwurfshaufen in Pflasterfugen von Gehwegen und Auffahrten. Kaum jemand weiß, dass es sich dabei in vielen Fällen um Nesteingänge von seltenen Wildbienen und nützlichen Solitärwespen und nicht um Ameisen handelt. Der „Runde Tisch Artenvielfalt und Biotopschutz“ möchte über diese faszinierenden Insekten informieren. 

Hosenbiene ist wichtige Blütenbestäuberin
Markanteste Bewohnerin ist die honigbienengroße Hosenbiene. An den Hinterbeinen hat diese eher seltene Wildbiene extrem lange Sammelhaare, die mit gelben Pollen beladen werden. Es sieht fast so aus, als ob die Biene eine Pluderhose tragen würde. Die Nester werden gerne in kleinen Kolonien angelegt und lassen sich hervorragend beobachten. Für den Blütenbesuch benötigt die Art Korbblütler (zum Beispiel Ferkelkraut, Habichtskräuter, Flockenblumen, Herbst-Löwenzahn). Es gibt noch einige weitere unscheinbare Wildbienenarten in Pflasterfugen. Gemeinsam ist diesen Arten ihre wichtige Funktion als Blütenbestäuber.

Harmlose Grabwespe ist Schädlingsjäger
Noch häufiger nisten in Pflasterfugen kleine gelb-schwarze Grabwespen. Die für uns Menschen völlig harmlosen Tiere jagen in großen Mengen Fliegen, die sie zur Versorgung ihres Nachwuchses in die Nester schleppen. Andere Solitärwespen haben sich zum Beispiel auf Spinnen, Blattläuse oder Zikaden als Beute spezialisiert und sind in Gärten gern gesehene Schädlingsjäger.

Voraussetzung für ihr Vorkommen ist ein Sandfundament mit etwas breiteren Fugen. Die aufgeheizten Steine gewährleisten den sehr wärmeliebenden Arten übrigens auch während der Nacht angenehme Temperaturen. Im Gegensatz zu Ameisen verursachen diese zwischen 10 und 60 Zentimeter tief gelegenen Nester der Wildbienen und Solitärwespen keine Schäden an der Pflasterung. Die linienförmigen Gänge werden nach dem Nestbau wieder verschlossen. Bei all diesen Nestern ergibt es - wenn überhaupt - eigentlich nur ein optisches Problem – der herausgegrabene Sand verteilt sich leicht über die Pflasterung. Es wäre schön, wenn diese nützlichen und faszinierenden Insekten trotzdem toleriert werden könnten. Gelegentliches Fegen schadet den Populationen übrigens nicht.

Nester bitte melden!
Die Hosenbiene kommt in Oldenburg sicherlich noch an einige Stellen vor. Der „Runde Tisch Artenvielfalt und Biotopschutz“ möchte Sie bitten, solche Nestansammlungen zwischen Pflastersteinen auf Gehwegen, Auffahrten und Ähnlichem der Stadt Oldenburg (Umweltelefon 235-2777, E-Mail: naturschutz(at)stadt-oldenburg.de) mitzuteilen, um einen besseren Überblick über die Häufigkeit dieser besonderen Arten in Oldenburg zu bekommen. Geplant ist auch, während der Flugzeit im Bereich von ausgewählten Neststandorten informative Hinweisschilder aufzustellen und einzelne Führungen zu diesem Thema anzubieten.


Infotafeln über Wildbienen angebracht

An zwei Stellen im Botanischen Garten am Philosophenweg sowie vor einem Geschäftshaus an der Alexanderstraße informiert das Amt für Umweltschutz und Bauordnung in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Artenvielfalt und Biotopschutz über Wildbienen und Solitärwespen, die Pflasterritzen als Nistplätze nutzen. Über einen QR-Code auf der Informationstafel können Interessierte weitere Informationen über Wildbienen und Solitärwespen hier auf den Seiten der Stadt Oldenburg aufrufen.

Auffällige Miniatur-Maulwurfshügel in Pflasterfugen sind im Frühjahr und vor allem im Sommer immer wieder zu beobachten: In vielen Fällen handelt es sich dabei um Nesteingänge von Wildbienen und Solitärwespen. Ein Hinweis aus der Bevölkerung führte zu dem Geschäft an der Alexanderstraße. Nach einem Besuch von Rolf Witt, Wildbienenexperte im Arbeitskreis Artenvielfalt und Biotopschutz, stimmte die Besitzerin zu, eine Informationstafel an der Hauswand anzubringen zu lassen, auf der über die Tiere informiert wird. Nachdem sie selbst herausbekommen hatte, wer vor ihrem Laden schon seit einigen Jahren nistet, und immer wieder Kunden aufklären musste, war sie über die Aktion sehr erfreut.

Wildbienen verursachen keine Schäden
Die wärmeliebenden und nützlichen Insekten werden durch sandiges Bodensubstrat und das Mikroklima angezogen. So sorgen aufgeheizte Pflastersteine noch bis spät in die Nacht für eine angenehme Wärme. Im Gegensatz zu Ameisen verursachen sie keine Schäden an der Pflasterung. Die 5 bis 60 Zentimeter tiefen Gänge werden nach dem Nestbau wieder verschlossen. Der herausgegrabene Sand wird manchmal als optisches Problem angesehen, gelegentliches Fegen hilft dabei am besten und beeinträchtigt das Brutgeschehen in der Regel kaum. Die harmlosen Wildbienen und Solitärwespen haben meist nur Flugzeiten von vier bis acht Wochen. Da sie wichtige Bestäuber und Jäger diverser Insekten, darunter vieler lästiger Vertreter, sind, wird darum gebeten, die Tiere zu tolerieren.

 

Text und Fotos:

Dipl. Biologe Rolf Witt
Experte für Wildbienen, Runder Tisch Artenvielfalt und Biotopschutz in der Stadt Oldenburg
Friedrichsfehner Straße 39
26188 Friedrichsfehn
04486-9385570
www.vademecumverlag.de
www.umbw.de
Ansprechpartner:
Robert Sprenger
Fachdienst Naturschutz und Technischer Umweltschutz
Telefon: 235-3109
E-Mail: robert.sprenger(at)stadt-oldenburg.de