Stadt schlägt härtere Gangart an

Instandhaltung des Wallkinos angeordnet

Die Stadt Oldenburg schlägt eine härtere Gangart gegenüber Wallkino-Eigentümer Ulrich Marseille an. Die Denkmalschutzbehörde hat mit Datum vom 12. April 2019 angeordnet, dass der Hamburger Unternehmer das undichte Dach des Wallkinos mit einer Plane gegen das Eindringen weiterer Feuchtigkeit schützen muss. Darüber hinaus sind alle Dachrinnen des Kulturdenkmals auf Schäden zu überprüfen und gegebenenfalls zu reparieren oder auszutauschen. Die Stadt hat einen sofortigen Vollzug dieser Instandhaltungsmaßnahmen verfügt. Sollte Marseille dieser Verfügung nicht bis Mitte Mai Folge leisten, wird die Stadt auf seine Kosten die Umsetzung im Zuge einer Ersatzvornahme selber in Auftrag geben.

Gefahr im Verzug
„Es ist an der Zeit, den Druck zu erhöhen und rechtliche Mittel auszuschöpfen, damit der Eigentümer endlich seiner gesetzlichen Pflicht nachkommt, das Baudenkmal nicht nur zu erhalten, sondern auch vor einer Gefährdung zu schützen. Es ist unverantwortlich und ein Skandal, wie er den Verfall des ehemaligen Wallkinos voranschreiten lässt. Wir mussten jetzt eingreifen“, sagt Oberbürgermeister Jürgen Krogmann. Denn aus Sicht des Fachdienstes Bauordnung und Denkmalschutz besteht „Gefahr im Verzug“. Weiteres Eindringen von Feuchtigkeit in das Gebäude könne zu einem Einsturz der Dachkonstruktion und damit zur Zerstörung des wertvollsten Teils des Denkmals, den Resten des alten Kinosaals, führen. Die Tragfähigkeit der Dachkonstruktion und der Decken sei akut gefährdet.  

Bei einer Inaugenscheinnahme des Wallkinos durch Mitarbeiter der Stadt Oldenburg waren am 26. März massive Schäden am Dach, die die Gebäudesubstanz gefährden, festgestellt worden. Teile der Decke sind bereits in den oberen Kinosaal gestürzt. Dokumentiert wurden unter anderem Löcher im Dach, lose Dachschindeln, beschädigte Dachflächenfenster und funktionslose Dachrinnen, durch die Regenwasser in das Gebäude gelangt. Hinzu kommen durchnässte Wände und Decken sowie unter Wasser stehendende Kellerräume.

Gerüst mit Netzen an der Wallstraße
Die jüngste bauordnungsrechtliche Verfügung, in der Marseille Anfang April dazu aufgefordert worden war, das Dach zur Wallstraße mit einem Fangnetz vor herunterstürzenden Teilen zu sichern, hatte dieser verstreichen lassen. Stattdessen hatte der Eigentümer mitteilen lassen, dass er beabsichtige, zwei Spannnetze, die indes noch angefertigt werden müssten, über das kaputte Dach des Wallkinos spannen zu lassen. Eine Maßnahme, die aus Sicht der Stadt weder fristgerecht noch sinnvoll ist, weil dadurch eine Sanierung oder zumindest Reparatur des Daches verhindert werden würde. Daher setzt die Verwaltung auch in diesem Fall eine bei Fristverstreichen angekündigte „Ersatzvornahme“ um: An der Gebäudeseite Wallstraße wird in dieser Woche ein Gerüst mit feinmaschigen Netzen aufgestellt. Die Kosten dafür werden dem Eigentümer in Rechnung gestellt.

Bevor sich die Stadtverwaltung dazu gezwungen sah, zu bauordnungsrechtlichen Maßnahmen zu greifen, hatte Ulrich Marseille ein erneutes Gesprächsangebot des Oberbürgermeisters abgelehnt. „Wir haben in der Vergangenheit immer wieder Entgegenkommen signalisiert. Eine Lösung auf dem Verhandlungsweg scheint aber nicht machbar. Also müssen wir nun andere Saiten aufziehen“, bedauert Jürgen Krogmann.

Zur Historie des Wallkinos

  • 1914: Das Lichtspieltheater wurde am 4. September 1914 am Heiligengeistwall mit einem rund 750 Plätze fassenden Saal als das damals modernste Kino Norddeutschlands eröffnet.
  • März 1930: Der erste Tonfilm flimmerte über die Leinwand.   
  • 1932: Das Wallkino wurde erstmals modernisiert unter der Leitung von Baurat Frühstück.
  • 1945: Das vom Krieg nahezu unversehrte Wallkino wurde im Mai 1945 von den Alliierten kurzfristig geschlossen und als Truppenkino genutzt, bereits im Dezember wurde es teilweise wieder für die Zivilbevölkerung freigegeben.
  • 1948: Das Wallkino nahm wieder seinen regulären Betrieb auf.
  • 1960er Jahre: Das Kino erlebte seine Blütezeit.
  • Ende der 1960er Jahre: Der Bremerhavener Kinobetreiber Theo Marseille erwarb das Gebäude.
  • 1970er Jahre: Bei Umbauarbeiten wurde zwischen Parkett und Rang eine Zwischendecke eingezogen und das Kino so in zwei kleinere Räume geteilt.
  • 1990er Jahre: Anfang dieses Jahrzehnts pachtete Detlef Rossmann (Casablanca) das Wallkino. Es gab weitere Umgestaltungen, die Technik wurde erneuert.
  • 2006: Ulrich Marseille erbte das Wallkino und kündigte dem Betreiber.
  • 2007: Bis zu seiner Schließung am 30. April 2007 und dem anschließenden Leerstand war das Wallkino das älteste noch betriebene Kino Norddeutschlands. Im selben Jahr wurde das Gebäude, das mit seiner Zuckerbäckerfassade an Theater- bzw. Opernarchitektur erinnert, in das Verzeichnis der Kulturdenkmale als Einzelbaudenkmal eingetragen. Die Umbauten haben den Denkmalwert nicht geschmälert. Die Innenausstattung macht 90 Jahre Kino-Architektur und Kino-Geschichte sichtbar.

Ältere Meldungen

Oberbürgermeister besorgt über Zustand des Wallkinos

Bei einem Ortstermin Ende März 2019 haben sich Oberbürgermeister Jürgen Krogmann und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bauordnung über den aktuellen Zustand des Wallkinos informiert. Nach dem Termin im Wallkino hält die Stadt Oldenburg bauliche Sicherungsmaßnahmen für unbedingt erforderlich und hat dem Besitzer des historischen Kinos eine Mangelbeseitigungsverfügung zugestellt. Darin werden etliche Maßnahmen aufgelistet, die umgesetzt werden müssen, um Gefahren für Passanten abzuwehren. Dazu gehört etwa die Anbringung eines Fangnetzes an der Seite zur Wallstraße, denn nach Einschätzung der Stadt drohen Teile des Daches herabzufallen. Bei der Begehung waren erhebliche Schäden am Dach festgestellt worden.

Kino verfällt weiter

Oberbürgermeister Jürgen Krogmann hält den Zustand des Gebäudes für besorgniserregend: „Das historische Kino aus dem Jahr 1914 droht rapide zu verfallen. Dies können wir weder aus Gründen der Stadtgestaltung noch unter Sicherheitsaspekten zulassen. Wir haben dem Eigentümer mehrere konkrete Angebote für eine Nutzung gemacht, darauf hat er nicht reagiert und das Kino weiter verfallen lassen.“

Aus Sicht der Stadt ist ein sofortiges Eingreifen unverzichtbar. Die Rückseite des Gebäudes grenzt an die Wallstraße, die von vielen Fußgängerinnen und Fußgängern genutzt wird. Herabstürzende Dachteile würden somit unmittelbar eine Gefahr für die Gesundheit der Menschen bedeuten.