24. April 2020

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

seit dieser Woche sind viele von uns wieder mehr unterwegs: Unternehmen haben ihre Arbeit aufgenommen, kleinere Läden und Geschäfte durften wieder öffnen und in der kommenden Woche beginnen die Schulen mit ersten Unterrichtsangeboten vor Ort – wenn auch nur für begrenzte Teile der Schülerschaft. All das sind tastende erste Schritte. Die Lockerungen sind gut für die Wirtschaft und für uns als Konsumenten. Doch sollten wir nicht zu große Erwartungen an diese wiedergewonnenen Freiheiten knüpfen. Erwartungen, dass wir schon bald zu unserem vertrauten und unbeschwerten Leben zurückkehren. Diese Lockerungen sind ein Experiment. Und weitere Beschränkungen werden nur zurückgenommen, wenn wir uns weiterhin vernünftig verhalten und Abstand wahren.

Es fällt mir nicht leicht, immer wieder zu betonen: Die Gefahr durch das Coronavirus ist weder gebannt noch überwunden. Im Gegenteil – wir stehen noch am Anfang der Pandemie. Aber bislang zeigt sich auch, wenn sich jede und jeder an die Regelungen hinsichtlich Kontakte und Hygiene hält, begrenzen wir das Risiko einer riesigen Ansteckungswelle. Damit das so bleibt, kommt jetzt noch der Mund- und Nasenschutz hinzu. Dieser wird ab nächsten Montag (27. April 2020) eine Verpflichtung beim Einkaufen in Geschäften und im ÖPNV, also bei uns im Bus sein. Aber keine Angst, wenn Sie bisher keine Maske haben, dann nehmen Sie erst einmal ein Tuch oder einen Schal und bedecken Sie damit Mund und Nase sorgfältig. Diese Regelung dient dem Schutz der Menschen, denen wir begegnen. Dieser wird jetzt noch wichtiger, weil wir durch die Lockerungen mehr Menschen treffen und nicht überall den nötigen Sicherheitsabstand einhalten können.

In diesem Zusammenhang bitte ich Sie, keine medizinischen Schutzmasken zu verwenden, denn diese sind für Menschen gedacht, die im Gesundheits- und Pflegebereich arbeiten. Sie sind berufsbedingt wesentlich gefährdeter, sich mit dem Coronavirus anzustecken als wir in unserem Alltag. Erfreulicherweise haben wir in dieser Woche zwei große Lieferungen solcher medizinischer Schutzmasken und -kleidung aus China bekommen. Hierbei haben uns langjährige gute Verbindungen geholfen. So hat das Klinikum Oldenburg von einem kooperierenden Krankenhaus in Dalian notwendiges Material bekommen. Und auch unsere Partnerstadt Xi'an hat uns mit Einwegmasken unterstützt, die bei der Feuerwehr gelagert und bei Bedarf verteilt werden. Ein Beweis dafür, dass sich Städtepartnerschaften und regelmäßige gegenseitige Besuche bewähren – in der Not wird das noch deutlicher.

Damit möchte ich auf den kommenden Sonntag verweisen: den Welttag der Partnerstädte (26. April). Dieser Tag ist für Oldenburg in diesem Jahr bemerkenswert, da wir gerade unser zweites internationales Treffen unter dem Motto UN!TE absagen mussten. Im Juni wollten wir gemeinsam mit Gästen aus unseren zehn Partnerkommunen zusammen feiern und neue Projekte planen. Daraus wird jetzt nichts, was ich persönlich sehr bedaure. So haben wir uns in dieser Woche bei unseren Partnerkommunen erkundigt, wie es bei ihnen angesichts der Coronakrise aussieht. Aus Machatschkala hieß es, die Lage sei trotz Ausgangssperre relativ gut, die Straßen seien leer und bis auf Lebensmittelgeschäfte und Apotheken bliebe alles zumindest bis Mitte Mai geschlossen. Aus Cholet übermittelte uns der Bürgermeister Gilles Bourdouleix, dass die Situation, wie überall in Frankreich, schwierig sei: Die meisten Menschen dürften nur einmal am Tag für eine Stunde spazieren gehen und nur die, die einen systemrelevanten Job haben, könnten ihrer Arbeit nachgehen. Etwas entspannter sieht es derzeit in Israel aus. Unsere Partner in Mateh Asher schrieben uns: Insgesamt befolgten die Menschen die Beschränkungen, allerdings habe es zum Pessach-Fest und zu Beginn des Ramadan ein paar Probleme gegeben. In der Stadt selbst gibt es bislang kaum Coronafälle. Alle bedauerten die Absage von UN!TE und versicherten uns, sie freuten sich schon jetzt auf ein Wiedersehen nach der Krise in Oldenburg.

Liebe Bürgerinnen und Bürger, Sie wissen, überall in der Welt haben Politik und Bevölkerung mit der Eindämmung des Virus zu kämpfen. Herbe Einschnitte in das persönliche Leben müssen auch anderenorts akzeptiert werden. Deshalb appelliere ich an dieser Stelle zum wiederholten Male an Ihre Geduld und Ihre Umsicht. Bund und Länder wollen weitere Impulse geben und Lockerungen zulassen. Ich wünsche mir genauso wie wir alle, dass bald noch mehr Einschränkungen unserer Grundrechte zurück genommen werden, aber das kann nur gelingen, wenn wir alle weiterhin so konsequent Abstand halten, die Hygieneregeln beachten und uns auf das Tragen von Mund- und Nasenschutz einstellen. Bleiben Sie mit mir vernünftig und zuversichtlich!

Ihr
Jürgen Krogmann