Erinnern

Gedanken zum Kriegsende vor 75 Jahren

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

am 8. Mai 2020 jährte sich das Ende des 2. Weltkriegs zum 75. Mal. Mit der offiziellen Kapitulation Deutschlands begann 1945 für viele Menschen auf der ganzen Welt ein neues Leben in Freiheit, Sicherheit und Frieden. Seither haben sich ehemals verfeindete Staaten angenähert und sind zu einem starken Bündnis zusammengewachsen. Deshalb ist der Mai 2020 nicht nur im Hinblick auf das Kriegsende von Bedeutung, sondern auch für die Europäische Gemeinschaft. Am 9. Mai 1950 legte die Schuman-Erklärung den Grundstein für den Frieden in Europa. Ohne das vorherige Kriegsende fünf Jahre zuvor wäre diese Entwicklung undenkbar gewesen.

In zahlreichen Ländern und Städten wird der 75. Jahrestag des Kriegsendes daher besonders gewürdigt. Auch wir als Stadt Oldenburg hatten aus diesem Anlass einige Veranstaltungen geplant, die nun aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie nur in kleiner Runde stattfinden können oder ausfallen müssen.

Deshalb ist es mir ein Bedürfnis, Sie auf diesem Wege noch einmal zu bitten, in diesen Tagen inne zu halten und der 60 Millionen Opfer zu gedenken, die während des Zweiten Weltkrieges zu Tode kamen. Ich halte es für wichtig, dass wir uns immer wieder klar machen, wieviel Leid, Gewalt und Zerstörung dieser Krieg verursacht hat. Auch wir in Oldenburg können dazu beitragen, dass die Erinnerung an die Ausmaße des Krieges nicht langsam aus unserem kollektiven Gedächtnis verschwindet. Angesichts der schwindenden Zeitzeuginnen und Zeitzeugen wird dies immer bedeutender und wir sind als Zivilgesellschaft, aber auch als Bürgerinnen und Bürger gefordert, aktiv mitzuwirken.

Wer sich mit dem Thema Gedenkkultur und den Ereignissen rund um das Kriegsende in unserer Stadt intensiver beschäftigen möchte, dem empfehle ich die aktuelle Ausstellung in unserem Stadtmuseum „75 Jahre Kriegsende. Erinnerungskultur in Oldenburg.“ » Für die meisten Menschen in Norddeutschland, also auch in unserer Stadt, endete der Zweite Weltkrieg bereits vor dem 8. Mai. Kanadische Truppen besetzten Oldenburg schon fünf Tage vor dem offiziellen Kriegsende und hissten ihre Flagge auf dem Rathaus. Die Einnahme der Stadt erfolgte kampflos, Oldenburg blieb weitestgehend unzerstört. Noch am selben Tag wurden die in den Lagern eingesperrten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter befreit. In Gedenken an ihre menschenunwürdigen Lebensbedingungen, habe ich bereits am 3. Mai gemeinsam mit Pastor Fasse einen Kranz an der Gedenkstätte auf dem Friedhof in Ohmstede niedergelegt ».

Für Oldenburg sind beide Daten von historischer Bedeutung, sie markieren jeweils einen Wendepunkt im Stadtleben. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen 40.000 Flüchtlinge nach Oldenburg – die meisten sind geblieben. Sie haben die Entwicklung unserer Stadt vielfach mitgeprägt. Diese Menschen, ob alteingesessen oder hinzugekommen, haben Oldenburg zu dem gemacht, was wir heute sind: Eine Großstadt mit Sinn für das Maß und Mitmenschlichkeit.

Ihr Jürgen Krogmann
Oberbürgermeister Stadt Oldenburg