„Ik seh di“ im Eastern Cape

Der erste Schritt ist getan, um die Oldenburger Palme zum Exportschlager Richtung Südafrika zu machen: Am Mittwoch, 4. Juni 2014, fand das vermutlich erste echte Grünkohl-Essen im Land am Kap der Guten Hoffnung statt. Den Trinkspruch „Ik seh di“ intonierte Oberbürgermeister Gerd Schwandner als Tischmeister gegenüber seiner Amtskollegin Zukiswa Ncitha, Bürgermeisterin von Oldenburgs strategischem Partnerbezirk Buffalo City Metroplitan Municipality (BCMM). Akzentfrei lautete ihre Antwort gegen 18 Uhr Ortszeit: „Dat freit mi!“ Rund 100 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung waren der Einladung von Zukiswa Ncitha in East London – der größten Stadt des Bezirks – zum 1st Curly Kale Dinner gefolgt. Geboren wurde die Idee beim alljährlichen, legendären Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten in Berlin, an dem die südafrikanische Bürgermeisterin 2012 mit großer Begeisterung teilgenommen hatte.

Wildkohl schon vor 2.000 Jahren am Mittelmeer

OB Schwandner verlas zu Beginn das Grußwort des Deutschen Botschafters in Südafrika, Horst Freitag » (PDF, 105 KB). „Die Partnerschaft zwischen Niedersachsen und dem Ostkap ist ein sehr gutes Beispiel für unsere Zusammenarbeit auf Länderebene. Sie reicht bis 1995 zurück. Und Oldenburg ist das städtische Flaggschiff der niedersächsischen Beziehungen mit Südafrika, so wie Buffalo City der Bannerträger für das Ostkap ist.“ Oberbürgermeister Schwandner hob in seiner Rede hervor, dass Oldenburg zwar die Grünkohlhauptstadt weltweit sei, dessen Ursprung – der Wildkohl – indes vor 2.000 Jahren am Mittelmeer wuchs. Der Grünkohl selbst sei inzwischen eine typische Kulturpflanze sogar in West- und Ostafrika: „Es ist uns deshalb eine Ehre, ihn bis in den Süden nach Buffalo City zu bringen.“

Teilgenommen haben neben dem niedersächsischen Repräsentanten in Südafrika, Lars Koenig, und Persönlichkeiten aus Politik und Verwaltung auch zahlreiche leitende Vertreterinnen und Vertreter von Firmen im größten Gewerbegebiet der Region – der East London Industrial Development Zone – sowie Repräsentantinnen und Repräsentanten der Handelskammer Border Kei Chamber of Business, der Eastern Cape Development Cooperation, der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), der University of Fort Hare, der kommunalen Tourismusgesellschaft Eastern Cape Tourism and Parks und zahlreicher südafrikanischer Unternehmen und Institutionen mit Bezug zu Deutschland – nicht zuletzt die Initiative Play Handball ZA um die ehemalige Bundesliga-Handballerin des VfL-Oldenburg Nicola Scholl.

81 Kilo Kohl, 37 Kilo Speck, 39 Kilo Kassler, 28 Kilo Kochwurst

Kredenzt wurden die Oldenburger Köstlichkeiten im rustikalen Hauptsaal des Inkwenkwezi Game Reserve, einem traditionsreichen, weit über die Grenzen East Londons hinaus bekannten Restaurant im gleichnamigen Ausflugsgebiet. Da unverfälschte Oldenburger Traditionen die Messlatte auch beim „First Curly Kale Dinner“ waren, wurde der Kohl vom Bümmersteder Krug gekocht und nach East London transportiert. Spezielle Erfordernisse des südafrikanischen Zolls machten den Weg der kulinarischen Köstlichkeit zur neuen Handelserfahrung für die Oldenburger Verantwortlichen: Die Amtssprache des südafrikanischen Zolls erforderte englische Wortschöpfungen, da im Lexikon der Zöllner keine englischen Pendants existierten. Und so wurde aus dem Grünkohl ein „Curly Kale“ und der Alte Hullmann Weizenkorn wurde zum „Old Hullmann Schnapps“ deklariert. Serviert wurden 81 eingeweckte Kilogramm Grünkohl, ebenso behandelte 37 Kilogramm Speck, 39 Kilogramm Kassler, 28 Kilogramm Kochwurst sowie zwölf Dosen Senf und 16 Flaschen Alter Hullmann.

Traditioneller Löffeltrunk

Lediglich die Kartoffeln waren heimische Erzeugnisse aus Südafrika. Einen Wermutstropfen indes galt es zu verdauen: Pinkel konnte nicht mitgenommen werden. Sowohl die Konservierung als auch die Zolldeklaration stellte sich als schwierig heraus. Oberbürgermeister Schwandner dazu: „An einer zolltauglichen Benennung im Englischen für die Pinkel muss gearbeitet werden. Das ist eine nicht ganz einfache Aufgabe für meine Nachfolgerin oder meinen Nachfolger.“ Damit das bilaterale Essen nicht nur protokollarisch, sondern auch gastronomisch auf Augenhöhe vonstatten gehen konnte, wurde Wein vom südafrikanischen Oldenburg Vineyard gereicht sowie Bier vom Ostkap. Die traditionellen Zinnlöffel für den Löffeltrunk trugen neben dem Oldenburger Wappen als Prägung die Zeile: „1st Curly Kale Dinner 2014 – Oldenburg and East London.“

Schwandner hält Vortrag an Universität

Neben diesem kulinarischen Höhepunkt standen während des Besuchs vom 4. bis 7. Juni 2014 auch politisch-wirtschaftliche Themen auf der Tagesordnung. Oberbürgermeister Schwandner hielt eine von der überregionalen Presse im Vorfeld angekündigte Lesung an der University of Fort Hare, an der auch Nelson Mandela studierte. Titel der Lesung war: „The Globalization of Local Politics – An Essential Strategy for Growth and Development.“ Im Zentrum des Vortrags stand die Entwicklung Oldenburgs in den acht Jahren von 2008 bis 2014 als Vorzeigebeispiel für die überdurchschnittlich erfolgreiche Neuakzentuierung einer traditionsreichen deutschen Großstadt im Spiegel der internationalen Herausforderungen für die heimische Wirtschaft.