In Kingston den Horizont erweitern

Rote Telefonzellen, gewöhnungsbedürftiges Essen, trockener Humor, schlechtes Wetter, regelmäßige Tea Time, ausgeprägte Höflichkeit: Über Engländer gibt es zahlreiche Klischees. Ob davon etwas zutrifft, das erkundete eine 13-köpfige Jugendgruppe – neun Mädchen und vier Jungen – aus den Freizeitstätten Ofenerdiek und Kreyenbrück im Oktober 2017 in Oldenburgs Partnerstadt Kingston. „Ich bin sehr gespannt auf die Kultur und die Menschen dort“, sagte Greta (18) vor der Reise. Die Fachoberschülerin zählte zu den Teilnehmerinnen der Fahrt, die vom Fachdienst Jugend und Gemeinwesenarbeit im Amt für Jugend und Familie organisiert wurde. Zusammen mit Sozialpädagogin Sabine Herrmann haben die Jugendlichen im Alter von 13 bis 18 Jahren ein spannendes Programm vorbereitet, bei dem natürlich ein Abstecher in die Hauptstadt London nicht fehlen durfte.

„Ziel dieser Jugendbegegnung ist das gegenseitige Kennenlernen“, betont Stadtjugendpfleger Christian Fritsch. In Kingston waren die Oldenburger Jugendlichen in einem Jugendhotel untergebracht, sie haben zwei Jugendzentren besucht und viel Zeit mit Gleichaltrigen verbracht. „Die Jugendlichen sollen Einblick in die Lebenswelt und den Alltag ihrer Gastgeber bekommen“, so Fritsch. Gemeinsamkeiten und Unterschiede der jeweiligen Jugendhilfestruktur beider Kommunen sollten erarbeitet werden. Auch Themen wie zum Beispiel der Brexit standen zur Diskussion. Die Verständigung erfolgte in englischer Sprache. Der Stadtjugendpfleger erwartet für alle Beteiligten eine „Horizonterweiterung“. Ein gestärktes Selbstbewusstsein und die verbesserte interkulturelle Kompetenz sind weitere positive Effekte für die Jugendlichen, die Fritsch mit der Begegnung verknüpft.

Der England-Besuch fand im Rahmen des im 1. Kinder- und Jugendförderplan der Stadt verankerten Modellprojekts „Internationale Jugendbegegnung für benachteiligte Jugendliche“ statt. Ziel ist es, solche Studienreisen auch Jugendlichen zu ermöglichen, die aus Familien stammen, denen die Finanzierung solcher Aufenthalte schwer fällt.

Einen großen Beitrag dazu leistete die AMR Wohnbau GmbH. Die Oldenburger Firma unterstützte die Jugendbegegnung, zu der auch der für 2018 vorgesehene Gegenbesuch englischer Jugendlicher in Oldenburg gehört, mit einem Betrag in Höhe von 10.000 Euro. „Wir hatten zu unserer 35-Jahr-Feier unsere Geschäftspartner zu Spenden aufgerufen“, berichtete Prokurist Nikolai Maxara. 7.500 Euro kamen auf diese Weise zusammen. Das Familienunternehmen stockte die Summe dann auf 10.000 Euro auf. Die frohe Kunde überbrachten Imke Ahlers, Nikolai Maxara sowie Anna-Katharina und Marie-Christin Ruhe der Jugendgruppe kurz vor ihrer Abreise nach England.

AMR Wohnungsbau unterstützt die städtische Jugendarbeit schon seit vielen Jahren. Nach Heinz Backhaus und Klaus Kieckbusch ist Christian Fritsch bereits der dritte Stadtjugendpfleger, der darauf zählen kann. „Das ist eine ganz tolle Partnerschaft. Dieses Engagement ist außergewöhnlich“, zeigt sich Fritsch dankbar.