Über den Zapfenstreich

Der Begriff „Zapfenstreich“ stammt ursprünglich aus der Zeit der Landsknechte. Im Jahr 1596 wurde er zum ersten Mal erwähnt. Der Zapfenstreich war das Zeichen für den Beginn der Nachtruhe in den Feldlagern und den Quartieren.

Mit dem Schlag oder Streichen über den Zapfen eines Fasses wurde das Signal zur Nachtruhe gegeben. Ab diesem Zeichen durften keine Getränke mehr ausgegeben werden. Die Landsknechte mussten sich in ihre Zelte oder Quartiere zurückziehen. Wer sich dem „Zapfenstreich“ widersetzte, wurde hart bestraft.

Später wurde es üblich, das Zeichen zur Nachtruhe mit einer Begleitmusik zu unterstreichen. Begleitet von einem Pfeiffer oder Trommler ging ein Offizier durch die Gaststuben und schlug mit seinem Stock auf die Zapfen der Fässer.

Zapfenstreich heute
Die heute übliche Zapfenstreich-Zeremonie führt in die Zeit des frühen 19. Jahrhunderts zurück. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen ordnete 1813 – während der Befreiungskriege – die Ausweitung des Zapfenstreichs um ein Abendgebet an. Er orientierte sich dabei an der russischen Armee. Diese Zeremonie wurde am 12. Mai 1838 in Berlin zu Ehren des russischen Zaren Nikolaus I. zum ersten Mal aufgeführt.

Der Große Zapfenstreich
Der Große Zapfenstreich gilt heute neben dem feierlichen Gelöbnis als das bedeutendste militärische Zeremoniell. Er darf nur zu besonderen Anlässen vorgenommen werden, zum Beispiel zu besonderen militärischen Jubiläen. Auch zur Ehrung von Persönlichkeiten, wie der Verabschiedung des Bundespräsidenten, des Bundeskanzlers oder Bundesverteidigungsministers aus ihrem Amt, erfolgt der Große Zapfenstreich.

Der Große Zapfenstreich beginnt mit dem Aufmarsch der Ehrenformation. Nach der Meldung an die zu ehrende Persönlichkeit folgt eine Serenade (Abendlied) aus bis zu vier Musikstücken. Anschließend folgt der eigentliche Zapfenstreich, „Locken“ zum Großen Zapfenstreich (Übergang zum nächsten Musikstück), der Zapfenstreichmarsch sowie „Retraite“ (Rückzug) mit drei Fanfarenrufen und anschließend das Zeichen zum Gebet. Nach dem Gebet wird seit 1922 der Große Zapfenstreich mit der Nationalhymne abgeschlossen.