Die Jahre 2006 – 2014

Schlosshöfe und IKEA

Um diese beiden Projekte gab es in den Jahren 2006 und 2007 erhebliche politische Diskussion. Ein Junktim der Oldenburgischen IHK („Ohne Schlosshöfe kein IKEA“) führte letztlich dazu, dass beides realisiert wurde. Eine befriedende Wirkung hatte dies nicht, rein strukturell bedeutete diese Entscheidung aber eine erhebliche Aufwertung für den Standort Oldenburg und vergrößerte seine Magnetwirkung auf das umgebende Einzugsgebiet noch einmal deutlich.

Strategische Neuausrichtung

Ab 2007 wurde die Entwicklung Oldenburgs strategisch neu ausgerichtet. Unter der neuen Marke „Übermorgenstadt“ sollte der Weg von der bekannten, gemütlichen Großstadt zu einer „Neuen Urbanität“ gehen. Zeitgemäße, zukunftsorientierte Themen und Bereiche wie Wissenschaft und Kreativität rückten stärker in den Mittelpunkt. Als Dachbegriffe für die Strategie dienten die 4T für Talente, Toleranz, Technologie und Tradition. Sie stellten vereinfacht dar, welche Bereiche als zukünftige Stärken entwickelt werden sollten.

Stadt der Wissenschaft 2009

Der Titel war der Katalysator für die Entwicklung Oldenburgs in den Folgejahren. Innerhalb der Stadt sorgte er für ein neues Selbstbewusstsein, Kooperationskultur und Netzwerkstrukturen, außerhalb der Stadt für eine neue, verbesserte Wahrnehmung als Kompetenzzentrum für Bildung und Forschung. Der Imagegewinn auf beiden Seiten der Stadtgrenze war groß. Oldenburg profitiert dauerhaft davon.

Dynamische Großstadt

Dreimal in Folge holte Oldenburg beim großen Städte-Test der Wirtschaftswoche im Dynamik-Ranking einen Platz in den Top Ten. Nach den Plätzen 4 und 2 in den Jahren 2011 und 2012 folgt im Jahr 2013 noch einmal Rang 10. Ähnlich gute Ergebnisse erzielte Oldenburg in vergleichbaren Erhebungen von Handelsblatt und Capital.

160.000 Einwohner-Marke

Diese Schallmauer in der Bevölkerungsentwicklung durchbrach Oldenburg gleich zweimal. Zunächst im  März 2009 – und es folgte ein weiterer Anstieg bis über 163.000. Der Zensus 2011 korrigierte die absoluten Zahlen im Nachhinein aber wieder nach unten, im Falle Oldenburg auf 157.267 im Mai 2011. Doch diese Delle wurde schnell kompensiert. Zum 31. Dezember 2013 hatte Oldenburg bereits wieder 160.272 Einwohnerinnen und Einwohner – und durchbrach die Marke ein zweites Mal. Nebenbei war Oldenburg durch den Zensus zur drittgrößten Stadt Niedersachsens geworden, da „Konkurrent“ Osnabrück stärker abgewertet wurde.

Internationalität: Von Groningen bis Xi‘an

Internationalität war eines der Leitthemen in den Jahren 2007 bis 2014. Das betraf einerseits die Innendimension. Oldenburg positionierte sich stärker als vielfältige, multiethnische Stadt. Erwähnenswert ist vor allem das Minarett der Haci Bayram Moschee, das – im Gegensatz zu anderen Städten – völlig ohne Proteste realisiert werden konnte. Die Außendimension wurde erheblich ausgeweitet, Kontakte beschränkten sich nicht länger auf die geographische Nachbarschaft, sondern gingen weiter, vor allem nach China und Südafrika, zuletzt aber auch in die Türkei. Gleichzeitig wurden aber auch europäische Kontakte verstärkt. Vor allem betraf das die Kernpartnerschaft mit Groningen, die weiter intensiviert wurde. Zudem schloss Oldenburg im Jahr 2012 seine siebte traditionelle Städtepartnerschaft mit Kingston upon Thames in Greater London, England. Damit hat Oldenburg nun offizielle Beziehungen zu einem sehr attraktiven, gut erreichbaren Ziel im englischen Sprachraum.

European Medical School Oldenburg-Groningen

Die European Medical School ist ein wegweisendes Projekt – für die Universität und für die Stadt. Es handelt sich dabei nicht nur um die erste neue medizinische Fakultät in Deutschland seit Anfang der Neunziger Jahre. Es ist gleichzeitig die erste internationale Kooperation in diesem Bereich mit deutscher Beteiligung überhaupt. Die Forschungsschwerpunkte Neurologie und Versorgungsforschung versprechen dauerhafte Relevanz. Die Ansiedlung von medizinischen und medizinnahen Unternehmen und Instituten ist zu erwarten. Die Gründung fußt zwar auf einer jahrzehntelangen Vorarbeit, bekam aber in den Jahren ab 2009 den entscheidenden Schub zur Realisierung.

Stadtentwicklung: Donnerschwee-Kaserne, Fliegerhorst, Stadthafen

Die konstant wachsende Stadt verlangte nach Entwicklungsräumen. Eine gute städtebauliche Lösung dafür ist die Konversion von ehemals militärisch oder industriell genutzten Arealen; und sie wurde auch in Oldenburg angewendet. Für die Donnerschwee-Kaserne fand man einen Investor, der bereit war, die weitreichenden sozialen Vorgaben (unter anderem preisgünstiger Wohnraum, Unterkünfte für Flüchtlinge, Barrierefreies Wohnen) mitzutragen. Das Gesamtvolumen von circa 400 Wohneinheiten bedeutet ein enormes Potential für den Wohnungsmarkt. Das gilt auch für den Alten Stadthafen, der lange Zeit suboptimal genutzt wurde. Dort entstehen an einer neuen Promenade hochwertige Wohneinheiten in dreistelliger Zahl. Etwas weiter in der Zukunft liegt die Entwicklung des Fliegerhorstes, der Ende 2013 von der Stadt angekauft wurde und langfristig zu einem neuen Stadtteil entwickelt wird.

Größter Solarpark Niedersachsens

Ein Teilbereich des Fliegerhorstes wird bereits seit Dezember 2011 nach(haltig) genutzt: Ein Teil des größten Solarparks Niedersachsens steht auf Oldenburger Boden. Die ehemalige Start- und Landebahn, die sich bis ins Ammerland erstreckt, wurde von der Oldenburger Firma IFE Eriksen mit Solarzellen bestückt. Die 13,9-Megawatt-Anlage kostete 28 Millionen Euro, produziert jährlich 13 Millionen Kilowattstunden und liefert damit Strom für 3.200 Vier-Personen-Haushalte.

Neue Weser-Ems-Hallen

Das Hallenensemble der Weser-Ems-Halle verlor seit Jahren immer weiter an Attraktivität. Unaufschiebbare energetische und brandschutztechnische Sanierungen führten in einer Kosten-Nutzen-Analyse schließlich zur Entscheidung für einen Neubau. Die im Frühjahr 2013 eingeweihte „große EWE-Arena“ ist als Heimspielstätte der EWE Baskets und als zeitgemäße Kongress-, Tagungs- und Veranstaltungshalle innerhalb kürzester Zeit zu einem neuen Markenzeichen Oldenburgs geworden.

BBS III

In Nachbarschaft zur Weser-Ems-Halle entstand zudem der Neubau der BBS III. Mit einem Investitionsvolumen von 27,4 Millionen Euro handelt es sich um den größten Schulneubau der Stadtgeschichte. Er hebt die Berufsbildung strukturell auf ein neues Niveau. Der Bau ist ein klares Bekenntnis zur betrieblichen Ausbildung als Alternative zum Studium und zum bildungspolitischen Anspruch Oldenburgs insgesamt.