Kolumne des Oberbürgermeisters (16. Juni)

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

in der vergangenen Woche habe ich an dieser Stelle über die Vorfälle beim Aufstiegsspiel des VfB gegen den Goslarer SC geschrieben. Ich habe in dem Text deutlich betont, dass ich die Vorfälle für eine absolute Ausnahme halte und meiner Hoffnung Ausdruck verliehen, dass so etwas nie wieder vorkommt. Dabei bleibe ich nach wie vor. Davon bin ich auch nach wie vor überzeugt. Dennoch ist in unserer Stadt wieder etwas zu beobachten, was niemandem gefallen dürfte.

Tausende Oldenburgerinnen und Oldenburger und auswärtige Gäste freuen sich jedes Jahr auf die Traumgärten in unserer Innenstadt. Leider gehören dazu offensichtlich einige Vandalen, die sich bereits am ersten Wochenende über die frisch angelegten Gärten hermachten und sie beschädigten. Ich gehe zwar davon aus, dass es sich bei den Tätern um Jugendliche handelt, die nicht so recht wussten, was sie taten. Trotzdem: Das geht nicht! Juveniler Tatendrang darf sich nicht gegen das Eigentum anderer richten. Schon gar nicht gegen etwas, das unsere Stadt so bereichert und die Bevölkerung so erfreut. Die Vandalen treffen nicht nur die Gärten, sie treffen auch die Menschen. Und das ist – auch in einer Stadt der Toleranz – nicht zu tolerieren.

Ich thematisiere diese Vorfälle unter anderem deshalb, weil sie mich so überraschen. Ich habe es in der vergangenen Kolumne betont: Oldenburg ist ganz anders. Vor dem offenen, freundlichen und friedlichen Charakter unserer Stadt wirken solche Taten besonders auffällig. Es sind Flecken auf einer ansonsten weißen Weste. Wie Oldenburg eigentlich ist, hat sich in den letzten Wochen – von einer Ausnahme abgesehen – beim Sport und in der Freizeit gezeigt. Dort war positiver Enthusiasmus ebenso präsent wie freiwilliges Engagement und gelebte Toleranz. Also jene Eigenschaften, die man mit Oldenburg viel eher verbindet – und die man hier auch viel eher entdeckt – als jene, mit denen wir uns zuletzt beschäftigen mussten.

Beispiele für diese Thesen gibt es genug. Den Oldenburger Enthusiasmus erlebt man derzeit am besten in der EWE-Arena. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Die EWE Baskets stehen im Finale um die Deutsche Meisterschaft! Kein Wunder, dass Basketball in Oldenburg boomt. Ein (deutliches) Indiz dafür: Für die ersten beiden Heimspiele hätten die Baskets 20.000 Tickets verkaufen können – bei einer Hallenkapazität von 3.148 Plätzen. Leider stimmte im ersten Spiel das Ergebnis knapp nicht. Aber noch ist Zeit, das zu korrigieren. Einen Auswärtssieg brauchen wir – den Rest macht das begeisterte (und begeisternde) Publikum zu Hause. Dieses anzusehen und miterleben zu dürfen ist eine Riesenfreude.

Das großartige freiwillige Engagement in Oldenburg kann man an unzähligen Dingen erkennen. Ein Beispiel dafür wären die Bike- und Inliner-Nights. Die haben längst Kultstatus erreicht. Zuletzt kam ein neues Thema hinzu: Der Marathon. Akteure aus verschiedenen Vereinen haben sich zusammengefunden, um gemeinsam zu schaffen, was allein kaum zu stemmen ist: Einen regelmäßigen Marathon in Oldenburg zu veranstalten. Und zwar so, wie er sein sollte: Mit Voll- und Teildistanzen, Inliner- und Kinderläufen und mit einer attraktiven Strecke mitten durch die Stadt. In diesem Jahr laufen wir uns mit einem reinen Halbmarathon warm, bevor 2010 dann der Oldenburg Marathon an dem Start geht. Das wird ein neues Glanzlicht für unsere Stadt. Eines, das ohne die Hilfe der Bürgerinnen und Bürger niemals glänzen würde.

Ein tolles Beispiel für Toleranz und Fairness im Sport ist das Mädchenfußballprojekt MICK. Es hat sich zum Ziel gesetzt, Mädchen aus anderen Kulturen über den Sport zu fördern und zu integrieren. Das hat gleichzeitig gesellschaftliche und gesundheitliche Vorteile. Und es klappt hervorragend. Als „Ohmsteder Modell“ hat das Projekt bundesweit – und auch schon international – für Aufsehen gesorgt. Ein Beispiel dafür: Im April ließ sich Prinz Charles, immerhin designiertes Staatsoberhaupt der fünfgrößten Volkswirtschaft der Welt, darüber informieren. Positiver kann sich Oldenburg gar nicht nach außen darstellen.

Zu einer positiven Außendarstellung – und damit komme ich auf den Beginn der Kolumne zurück – gehören auch die Reaktionen des VfB Oldenburg auf den „GAU“ am 6. Juni 2009. Dort sind schon wieder deutliche Silberstreifen am Horizont zu erkennen. Die Sponsoren halten dem Verein die Treue. Sie setzen damit ein Zeichen, dass man sich ein mehrjähriges Werk nicht in wenigen Stunden von einigen Chaoten kaputtmachen lässt. Diese Reaktion halte ich für richtig. Wenn der VfB in der kommenden Saison in einer hochattraktiven Oberliga (mit dem VfL, dem SV Meppen, dem BV Cloppenburg, den Kickers Emden) ein schlagkräftiges Team stellt, dann bleiben sicher auch die Fans an Bord. Und ich betone: Die Fans. Nicht die fußballfremden Schläger, die hoffentlich ermittelt werden können und nie wieder ein Stadion betreten.

Also, schauen wir wieder auf die richtigen – weil repräsentativeren – Seiten von Oldenburg. Auf den Enthusiasmus und das Engagement. Auf die Offenheit und Toleranz. Auf die Freundlichkeit und Friedfertigkeit. Und eine Woche noch schauen wir ganz besonders auf die EWE Baskets. Noch ist alles drin! Go Baskets!

Ihr
Gerd Schwandner
Oberbürgermeister