Kolumne des Oberbürgermeisters (4. Dezember 2013)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

es gibt Jahreszahlen, die viele von uns intuitiv mit bestimmten Ereignissen in unserer Stadt verbinden. 1108 zum Beispiel – für die erste urkundliche Erwähnung. 1345 – für die Verleihung der Stadtrechte. Oder 1785 – für den Amtsantritt Peter Friedrich Ludwigs. Das liegt daran, dass diese Momente von großer Bedeutung waren und lange nachgewirkt haben. Und wenn dieses Prinzip gilt – dann muss man unbedingt eine weitere Zahl in diese Reihe einsortieren: 1973 – für die Gründung der Carl von Ossietzky Universität.

Vier Jahrzehnte mögen im Vergleich zu den anderen Daten – oder im Vergleich zu einigen jahrhundertalten Hochschulen – nicht viel sein. Aber wenn man darauf schaut, was in dieser Zeit passiert ist – innerhalb der Universität und außerhalb davon –  dann kann man durchaus von einer Epoche sprechen. Und davon abgesehen hätten wir in diesem Jahr auch ein 220-jähriges Jubiläum feiern können. Das Lehrerkolleg – als Vorläufer der Pädagogischen Hochschule –  als Vorläufer der Universität – ist schließlich schon 1793 gegründet worden.

Trotz Jubiläum will ich aber gar nicht lang zurückblicken, sondern lieber einmal rundum – und dann nach vorn. Wenn es eine Einrichtung in unserer Stadt gibt, die unser Selbstverständnis im beginnenden dritten Jahrtausend symbolisiert, dann ist es die Universität. Sie steht für unsere drei Handlungsschwerpunkte Bildung, Bildung, Bildung. Sie steht für unsere 4T – Talente, Technologie, Toleranz und Tradition. Und sie steht – mehr als alles andere – für unsere Neudefinition als Übermorgenstadt.

Die Hochschule und ihr Standort haben sich in den vergangenen vier Jahrzehnten gegenseitig ergänzt, verändert und verbessert. Dabei ist die Universität zu einem gesellschaftlichen, kulturellen und ökonomischen Impulsgeber geworden. Sie ist ein Bezugspunkt für junge Menschen, die entweder hierher nach Oldenburg kommen – oder gar nicht erst von hier weg gehen. Sie genießen an der Universität eine exzellente Ausbildung und geben später, nach dem Abschluss, ihrerseits Impulse für unsere Stadt. Nicht selten als Gründer und Entrepreneure, wie am Wachstum des TGO abzulesen ist. Häufig aber auch als qualifizierte Mitarbeiter in unseren Unternehmen.

Die Oldenburger Zukunft braucht viele kreative, innovative, gebildete, aber auch tatkräftige, fleißige und engagierte Menschen. Die Universität fördert all diese Eigenschaften und Kompetenzen bei ihren Studierenden – weil sie kein „Humankapital kreiert“, sondern Menschen ausbildet. Die inhaltlichen Schwerpunkte –  wie Pädagogik, Informatik, Naturwissenschaften, Medizin – lesen sich wie Garantien für Zukunftsfähigkeit. Die tiefe internationale Vernetzung sorgt dafür, dass die Universität und die Stadt viele Impulse aus anderen Ländern und Kulturen erhalten. Umgekehrt transferiert die Uni natürlich auch Wissen und Know-how in die andere Richtung; häufig mit sozialen Akzenten. Was sie zudem für die Forschung und Lehre in ihren Fachbereichen, für die Bildung im Nordwesten und für das Image unserer Stadt leistet, lässt sich kaum in Worte fassen. Wählen Sie einen beliebigen Superlativ. Er wird passen.

40 Jahre Carl von Ossietzky Universität, das sind 40 Jahre Fortschritt, Veränderung, Bewegung, Entwicklung, Offenheit für neue Wege. Davon profitiert längst nicht nur, aber ganz wesentlich, auch unsere Wirtschaft. Der Campus stimuliert Büros, Labore, Werkhallen, Klassenräume, Ateliers – und ist dadurch zu einem substanziellen Standortfaktor geworden. Oldenburg ohne Universität – das ist nicht mehr vorstellbar. Und dieses Bekenntnis der Unverzichtbarkeit ist eines der größten Komplimente, die man ihr machen kann.

Zum Abschluss will ich den Begriff „Glückwunsch“ wörtlich nehmen. Ich will der Universität Glück wünschen – denn das ist das einzige, das sie nicht selbst beeinflussen kann. Tüchtige und talentierte Menschen sind zehntausendfach vorhanden. Die thematischen Schwerpunkte und Kompetenzfelder versprechen langfristig gute Entwicklungschancen. In der akademischen Welt wächst die Anerkennung. Stichwort Stadt der Wissenschaft, Stichwort European Medical School, Stichwort Exzellenzcluster, Stichwort Deutscher Zukunftspreis. Und die Unterstützung der Stadt und der Region könnte kaum größer sein. Kommt jetzt noch das Glück hinzu, dann werden die kommenden Jahrzehnte für die Carl von Ossietzky Universität mindestens so erfolgreich sein wie die letzten. Das wäre die stärkste denkbare Triebfeder für eine erfolgreiche Zukunft des Standorts Oldenburg.

Mein herzlicher Dank geht an alle, die sich vor und nach 1973 für die Universität in Oldenburg eingesetzt haben. Was ihnen gelungen ist, und was die Universität heute für Oldenburg bedeutet, lässt sich kaum in Worte fassen. Fest steht aber, dass mit der Universität und ihren Studierenden auch Oldenburg „offen für neue Wege“ geworden ist. Und das war eine der wichtigsten Entwicklung in der jüngeren Stadtgeschichte. Deshalb bin ich mir sicher, dass wir in Zukunft nicht nur die Jahre 1108, 1345 oder 1785 intuitiv mit bedeutenden historischen Ereignissen verbinden – sondern auch (und gerade) das Jahr 1973.

Ihr Gerd Schwandner