Kolumne des Oberbürgermeisters (10. August)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

der August gehört – zumindest tendenziell – zu den ruhigeren Monaten des Jahres. Millionen Menschen haben Ferien oder genießen ihren Urlaub. Deutschland hat einen Gang zurückgeschaltet. Eine entspannte Zeit also.

Allerdings nicht für alle. Für viele junge Menschen begann im August nämlich ein völlig neuer Lebensabschnitt: Bundesweit starteten 227.760 Azubis in das Berufsleben. Und die meisten von ihnen dürften die Tage davor nicht gerade als eine „entspannte Zeit“ empfunden haben. Das ist aber völlig in Ordnung. Respekt gehört dazu. In Ehrfurcht muss man jedoch nicht erstarren. Man sollte Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten haben. Wer sich interessiert und engagiert zeigt und wer bereit ist dazuzulernen, hat eine gute Zukunft vor sich. Erst recht in einer Übermorgenstadt.

Wichtig ist dieser Schritt aber nicht nur für die Azubis, sondern auch für die Unternehmen. Die Ausbildung ist eine wechselseitige Beziehung: Die Betriebe bieten den Berufsanfängern eine berufliche Perspektive. Die Azubis wiederum sind junges Blut für alte Venen und bringen neue Ideen, kreative Denkansätze und zusätzliches Wissen mit. Ohne Nachwuchskräfte wären Unternehmen gar nicht überlebensfähig. Deshalb ist die Ausbildung eine klassische Win-Win-Situation.

Dieses Prinzip trifft auch auf die Stadt Oldenburg zu. Wir haben in diesem Jahr 23 Auszubildende eingestellt. Da wir die Bevölkerung in der Verwaltung bestmöglich abbilden wollen, freuen wir uns über den hohen Frauenanteil von 60 Prozent und über drei junge Talente mit Migrationshintergrund. Der erste Wert ist sehr erfreulich, da der Frauenanteil in der dualen Ausbildung durchschnittlich nur bei 40 Prozent liegt. Der zweite Wert ist verbesserungsfähig, weil noch mehr Oldenburgerinnen und Oldenburger – nämlich ein Sechstel – einen Migrationshintergrund besitzen. Insgesamt sind wir aber hochzufrieden mit unseren Kandidaten und freuen uns auf ihre Entwicklung. Wie wichtig wir die Ausbildung nehmen, ist übrigens auch an unserer Übernahmequote zu erkennen: Sie liegt derzeit bei 80 Prozent – während der Bundesschnitt bei 61 Prozent liegt.

Neben den Auszubildenden und den Betrieben gibt es noch eine dritte Gruppe, die sich in diesen Tagen freuen darf – und das ist die gesamte Bevölkerung. Denn was könnte inspirierender sein als junge Menschen, die mit Hoffnung und Zuversicht in eine berufliche Zukunft starten? Diese jungen Menschen sind es, die morgen und übermorgen das Rückgrat unserer Gesellschaft bilden. Man könnte zur Not auch damit argumentieren, dass sie von nun an die Renten der Älteren zahlen. Aber diese Sichtweise ist mir zu materialistisch.

Ich freue mich für jeden Schulabgänger, der eine Ausbildungsstelle gefunden hat, die ihn interessiert und inspiriert. Nicht wegen seiner Funktion in unserem Umlagesystem; sondern weil ich hoffe, dass er auf diese Weise sein Glück findet. Denn darum geht’s doch im Leben: sein Glück zu finden.Übrigens freue ich mich auch mit all jenen, die statt einer Ausbildung ein Studium beginnen, die sich für ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr entschieden haben, die ihren Wehr- oder Zivildienst ableisten oder die auf Reisen ihren persönlichen Horizont erweitern. Ganz besonders denke ich aber an jene, denen es noch nicht gelungen ist, das Richtige für sich zu finden oder die mit ihren Bewerbungen bisher nicht erfolgreich waren. Bitte nicht aufgeben! Die Chancen, dass sich daran noch etwas ändert, sind in diesem Jahr sehr gut. Es gibt noch genügend „Leerstellen bei den Lehrstellen“. Da könnte also durchaus noch etwas passieren. Deshalb: Nur nicht den Mut verlieren!

Das muss man auch deshalb nicht, weil sich der Arbeitsmarkt in der Region Oldenburg insgesamt sehr gut entwickelt; erst recht, wenn man bedenkt, dass eine Wirtschaftskrise gerade erst hinter uns liegt. Die Quoten liegen zwar traditionell über dem Bundesschnitt und damit eindeutig zu hoch. Zudem gab es Ende Juli einen kleinen saisonbedingten Rückschlag. Jedoch stimmt der Trend positiv. Immerhin lagen die Arbeitslosenzahlen Anfang 2006 noch bei 13,6 Prozent. Nun pendeln die Werte um 9 Prozent. Diese gute Entwicklung spiegelt die spürbare Aufwärtsbewegung der gesamten Stadt wider.

Der August mag zwar zu den ruhigeren Monaten des Jahres zählen. Als traditioneller Startmonat des Ausbildungsjahres besitzt er aber eine hohe Bedeutung. Und mit Blick auf die engagierten Betriebe, die talentierten jungen Menschen und die hohe Zahl an Ausbildungsverhältnissen ist er auch ein Grund zur Freude. Man muss sich das nur mal vergegenwärtigen. Was mir hiermit hoffentlich gelungen ist.

Ihr
Gerd Schwandner
Oberbürgermeister