Kolumne des Oberbürgermeisters (11. Januar 2011)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

Sie erinnern sich bestimmt noch gut an den Jahreswechsel: In der ganzen Stadt schossen Raketen in den Himmel, überall knallten Böller und Kracher. Das Feuerwerk zum Jahreswechsel ist ein Ausdruck von Freude und Vorfreude. Wir feiern den Abschluss des alten und den Beginn des neuen Jahres. So weit, so schön. Aber warum tun wir das eigentlich? Nur aus Gewohnheit? Oder gibt es dafür einen konkreten Grund?

Ja, den gibt es. Wir freuen uns, weil der Jahreswechsel uns von gedanklichem Ballast befreit und spannende Möglichkeiten eröffnet. Es gibt Anlass dazu, Altes zu verändern und Neues zu beginnen. Wer es lyrisch mag, zitiert Hermann Hesse: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“. Ich würde es anders formulieren, die Botschaft stimmt aber. Es ist motivierend und inspirierend, etwas Neues zu beginnen und zu gestalten, ganz egal, ob es sich um eine kleine Veränderung oder ein großes Projekt handelt. Und das spüren wir vor allem im Januar, wenn das neue Jahr wie ein weißes Blatt Papier vor uns liegt und darauf wartet, von uns beschrieben zu werden.

So ein weißes Blatt soll zwar schon Schreibblockaden verursacht haben; ich gehe aber davon aus, dass jeder und jedem von uns viele schöne „Geschichten“ einfallen werden. Die Summe aller persönlichen Ideen und Entscheidungen ergibt schließlich die Entwicklung der Stadt Oldenburg. Und die erwarte ich positiv. Vieles spricht dafür, dass wir die gute Entwicklung der letzten Jahre fortsetzen. Vor gesamtwirtschaftlichen Risiken sind wir zwar nicht gefeit. Das ist keine Kommune der Welt. Doch einerseits ist der Aufwärtstrend nach wie vor intakt – und andererseits überstand die Stadt auch die letzte Rezession sehr gut. Und das war immerhin keine Feld-, Wald- und Wiesen-Krise, sondern die stärkste des letzten Dreivierteljahrhunderts. Stark ist nun aber etwas anderes, nämlich das genaue Gegenteil der Krise: der Boom. Zwar wird man die starken Wachstumszahlen einordnen müssen: Sie fallen unter anderem deshalb so stark aus, weil wir vorher jäh gebremst wurden. Dennoch war die Entwicklung nach dem Absturz spektakulär – und sie ist es weiterhin. Auch in Oldenburg.

Neben der Flut an guten Nachrichten gibt es eine zweite Ebene, die mir ebenfalls wichtig ist: das Ausbleiben schlechter Nachrichten. Man könnte denken, das ist das Gleiche, doch das ist es nicht. Selbst in den besten Zeiten können negative Erscheinungen alle guten Eindrücke zunichte machen. Doch das war zuletzt nicht der Fall. Die Entwicklungsdynamik zieht sich durch alle Bereiche der Gesellschaft. Fast jeder profitiert davon. Und das ist ein Grund zur Freude.

Und was genau passiert 2011? Kurz gesagt: so einiges. Ich will mich aber nicht in einer endlosen Auflistung einzelner Projekte verlieren. Darum geht es an dieser Stelle nicht. Mir ist wichtig, dass wir mit Vorfreude und Zuversicht auf das neue Jahr schauen. Schließlich hatte Hesse Recht: Tatsächlich wohnt jedem Anfang ein Zauber inne. Auch – und gerade – dem Anfang eines Jahres. Davon abgesehen hat unsere Stadt ungeheuer viel Potenzial. Wir sind eine attraktive und lebendige Großstadt, die viele Stärken besitzt – und die immer besser versteht, diese Stärken auch für sich und ihre Bevölkerung zu nutzen. Daran werden wir weiter arbeiten. Und wenn wir das mit dem gleichen Engagement wie bisher tun, dann werden wir der Geschichte unserer Stadt noch viele weitere spannende, interessante und inspirierende Kapitel anfügen. Und das ist ein Grund mehr, sich über den Jahresanfang zu freuen!

Ihr
Gerd Schwandner
Oberbürgermeister