Kolumne des Oberbürgermeisters (11. August)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

eine Stadt sollte niemals nur in die Zukunft schauen. Sie sollte sich ebenso ihrer Geschichte und ihrer Traditionen bewusst sein. Das ist ein schwieriger Spagat. In Oldenburg gelingt er aber ganz hervorragend. Wir positionieren uns bundesweit als Übermorgenstadt – finden aber dennoch die Zeit, über eine historische Fahrzeugsammlung zu diskutieren. Gut so! In unserer Stadt muss Raum für beides sein: Für Vorgestern und Übermorgen.

Keine Frage: Theodor Pekol hat von Oldenburg aus Großes geleistet. An seiner Bedeutung für die Verkehrsgeschichte zweifelt niemand. Diese Einschätzung teilt auch das Niedersächsische Landesamt für Denkmalschutz (NLD). Ein Indiz dafür: Kürzlich hat es einige der sogenannten „Pekol-Busse“ aus der Sammlung von Hans-Joachim Luckau als erhaltenswert eingestuft. Ich freue mich über dieses fachliche Urteil. Es hebt mit dem Verwirrspiel über die Qualitäten der Exponate auf. Nun wissen wir: Es sind nur 12 Fahrzeuge erhaltens- und schützenswert – alle anderen nicht. Mit dieser klaren Festlegung durch das NLD lässt sich arbeiten.

Für die Präsentation der schutzwürdigen Fahrzeuge erhält Herr Luckau unsere Unterstützung. Schließlich haben sie eine enge Verbindung zur Stadt und besitzen großen Erinnerungswert für viele Menschen. Allerdings betrifft diese Unterstützung eben nur die verkehrlichen Denkmäler – nicht die anderen Objekte seiner Sammlung. Diese klare Abgrenzung muss sein. Oldenburg kann es sich nicht erlauben, eine private Leidenschaft mit Steuergeldern zu fördern. So sehr ich die automobilen Veteranen schätze – eine Kommune hat Wichtigeres zu tun. Von der Daseinsfürsorge bis zur Wirtschaftsförderung.

Das Interesse, die schutzwürdigen Fahrzeuge angemessen zu präsentieren, besteht innerhalb des Rathauses genauso wie außerhalb davon. Die Frage ist nur, ob die Präsentation unbedingt an jenem Ort erfolgen muss, an dem dies derzeit geschieht. Ich weiß um die historische Verbindung. Jedoch war es noch nie so, dass zeigenswerte Exponate zwangsläufig exakt an jenem Ort präsentiert werden müssen, zu dem sie eine enge Beziehung haben.

Wenn wir eine wohlhabende Stadt wären, die auf Einnahmen verzichten könnte, dann wäre vieles vorstellbar. Allerdings sind wir das nicht. Schon gar nicht in diesem Jahr. Wir werden uns sicher nicht kaputt sparen – denn gerade in schlechten Zeiten können Investitionen sinnvoll sein, wie zum Beispiel das Schlaue Haus. Wir sind jedoch verpflichtet Einnahmen zu erzielen, um die Auswirkungen der Krise abzumildern und handlungsfähig zu bleiben. Schließlich müssen unsere Straßen befahrbar und unsere Kindergärten – trotz der Mehrkosten durch den Tarifabschluss – bezahlbar bleiben. Wir genießen in dieser Hinsicht eine Spitzenstellung. Das ist ein tolles Zeugnis für unsere Familienfreundlichkeit. Ich möchte diesen Status nicht aufgeben, um einer Privatperson die Möglichkeit zu finanzieren, ihre eigene Sammlung von Fahrzeugen angemessen präsentieren zu können.

Was das miteinander zu tun hat? Ganz einfach: Das Areal an der Alexanderstraße könnte der Stadt Einnahmen im siebenstelligen Bereich bescheren. Das würde unsere Finanzlage erheblich entspannen. Ein Verkauf kann allerdings nur dann gelingen, wenn wir das Gelände „frei“ übergeben. Also ohne ein Gebäude, das für die Pekol-Sammlung reserviert bleibt. Das würde die Investoren abschrecken – und die Vermarktung massiv erschweren.

Das heißt aber nicht – und das betone ich ausdrücklich – dass wir die Existenz des historischen Fahrzeugkonvoluts in Frage stellen. Das stand nie zur Diskussion. Im Gegenteil, die Stadt bietet Herrn Luckau einen Alternativstandort in Donnerschwee zu günstigen Konditionen an. Darüber hinaus bin ich für weitere Lösungsmöglichkeiten, die vielleicht noch gar nicht diskutiert wurden, offen und jederzeit gesprächsbereit. Eine Einigung setzt lediglich etwas guten Willen auf beiden Seiten voraus. Und ich gehe fest davon aus, dass davon reichlich vorhanden ist. Schließlich geht es uns um dasselbe: Ein attraktives Oldenburg, das bei aller Zukunftsgewandtheit seine lieb gewonnenen Traditionen nicht vergisst.

Ich fasse zusammen: Wichtig ist, dass die schützenswerten Busse gezeigt werden können und nicht so sehr, wo. Erst Recht nicht, wenn die Stadt durch eine Verlagerung erhebliche finanzielle Vorteile gewinnt. Wenn es gelingt, eine dauerhafte Heimat für die denkmalgeschützten Fahrzeuge zu finden und gleichzeitig Einnahmen durch den Verkauf des Geländes an der Alexanderstraße zu erzielen, dürfen wir – alle gemeinsam – einen großen Erfolg feiern. Ich finde, diese Chance sollten wir uns nicht entgehen lassen. Also: Ziehen wir einfach am selben Strang und schaffen wir eine gute Zukunft! Für die Bussammlung – und für die Stadt!

Ihr
Gerd Schwandner

Oberbürgermeister

 

PS: In einem Pressebericht wurde erwähnt, ich hätte beim NLD nachgefragt, ob man die Unterschutzstellung der mobilen Kulturgüter nicht aufheben könne. Das ist nicht der Fall. Ich wollte lediglich in Erfahrung bringen, wie viele Objekte tatsächlich schützenswert sind, damit endlich Klarheit herrscht, worüber man eigentlich spricht. Die Meinungen reichten ja von sechs über acht bis zwölf oder zwanzig Fahrzeuge. Eine präzise Benennung war wichtig, um fundiert urteilen zu können.

Gegen die Unterschutzstellung selbst habe ich überhaupt nichts. Im Gegenteil, ich freue mich darüber. Deswegen gibt es für mich überhaupt keinen Grund, an der Einschätzung des NLD zu zweifeln. Nochmal die klare Position der Stadt: Steuergelder nur für offiziell geschützte Objekte - für alles andere nicht. Dafür sollte jeder Verständnis haben.