Kolumne des Oberbürgermeisters (12. September 2009)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

endlich ist der Sommer vorbei!

Das ist ein Satz, den man äußerst selten hört. Eigentlich empfinde ich das auch gar nicht so. Ich mag den Sommer. Es gibt aber dennoch einen Grund, diesen Gedanken zu denken. Denn: Wenn der Sommer vorbei ist, dann beginnt der Herbst – und damit das Filmfest!

Es gibt nur wenige Städte, in denen das Ende des Sommers so leicht zu verschmerzen ist wie in Oldenburg. Für mich gehören diese Tage zwischen der Wärme und der Kälte zu den schönsten des Jahres. Oldenburg zeigt sich dann von seiner allerbesten Seite. Die Stadt strahlt in einem besonderen Glanz. Ich weiß, das klingt wie aus irgendeinem Marketingprospekt. Aber ich meine das wortwörtlich so! Achten sie mal auf das Licht! Das habe ich noch nirgendwo sonst so erlebt. Wenn man im Herbst die Augen offen hält und die Momente genießt, dann ahnt man, warum man in Oldenburg – und nirgendwo sonst – lebt. Kein Wunder, dass der Film „Schlaflos in Oldenburg“ (Ausstrahlungstermin: offensichtlich am St. Nimmerleinstag) ebenfalls in den Herbstmonaten gedreht wurde.

Apropos Film: Aus dem prallgefüllten frühherbstlichen Terminkalender ragen die fünf Filmfest-Tage Mitte September weit heraus. Warum? Dafür muss man nur den Namen in seine Bestandteile zerlegen: Internationales Filmfest Oldenburg.

Internationales: Oldenburg liegt zwar mitten in Europa und gehörte im Laufe seiner Geschichte zu vier verschiedenen Nationen – die Kontakte ins Ausland halten sich aber dennoch in Grenzen. Umso wichtiger sind Events, die Gäste aus anderen Kontinenten und Kulturen zu uns führen. Das Filmfest ist eines von ihnen. Jedes Jahr kommen viele – berühmte, interessante, kreative und manchmal ganz schön schräge – Gäste aus dem Ausland nach Oldenburg. Es kommen Menschen in unsere Stadt, die sonst niemals den Weg hierher gefunden hätten. Sie bringen gänzlich andere Blickwinkel und Perspektiven mit als diejenigen, die wir gewohnt sind. Vor allem auf unsere eigene Stadt, die sie mit ganz anderen Augen wahrnehmen. Diese Einsichten von außerhalb sind höchst erfrischend. Wer in das Filmfest eintaucht und mit unseren Gästen spricht, sieht Oldenburg anschließend vielleicht selbst mit anderen – nämlich geweiteten – Augen. Was ein schöner Effekt wäre.

Filmfest: Der Begriff hat zwei Ebenen. Die wichtigere ist zweifellos die erste: der Film. Er ist – neben dem Internet – das populärste Medium der Gegenwart. Geschätzte 80 Prozent aller popkulturellen Referenzen beziehen sich auf das Kino. Früher hatten die Menschen Sätze von Goethe parat – heute von Drehbuchschreibern. Ein Grund für diese Entwicklung liegt in der enormen Breitenwirkung des Films. Er kennt keine gesellschaftlichen Grenzen. Deshalb können mit dem Angebot, das man nicht ablehnen kann (Der Pate), ebenso viele Menschen etwas anfangen wie mit dem großen Wort, das man gelassen ausspricht (Iphigenie auf Tauris). Der Film gewinnt seine Bedeutung durch die intensive Verbindung visueller, dramaturgischer und inhaltlicher Elemente – weswegen ich ihn als wesentlichen Teil unserer Kulturlandschaft begreife. Solange er so gut gemacht ist, wie es die Beiträge des Filmfestes in aller Regel sind.

Die zweite Ebene ist der Festivalcharakter. Der ist an den fünf Filmfesttagen deutlich erkennbar. Rote Teppiche, Blitzlichtgewitter und VIP-Bändchen mögen nicht jedermanns Sache sein – sie bereichern unsere Stadt aber um eine Facette, die nicht alltäglich – somit also besonders – ist. Mir gefällt das. Je bunter und vielfältiger Oldenburg ist, desto interessanter ist die Stadt. Und das ist ein positiver Mehrwert.

Oldenburg: Dass unsere Stadt das Filmfest beherbergen darf, ist ein Glücksfall. Es gibt aber auch eine Gegenperspektive. Ein cooles Independent-Festival muss nicht unbedingt nach Hamburg oder Berlin (um dort in der Masse unterzugehen). Ich glaube, dass Oldenburg der ideale Standort für das Filmfest ist. Nicht umsonst wird unsere Stadt selbstironisch in den Trailern aufgenommen. Das kleinteilige Oldenburg bildet einen starken Kontrast zur coolen/smarten Filmwelt. Und Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Deswegen funktioniert die Kombination Filmfest – Oldenburg hervorragend.

Ich freue mich auf die 16. Auflage des Internationalen Filmfests Oldenburg. Ich freue mich auf starke Beiträge, auf sympathische Schauspieler und Regisseure (die man hier wirklich noch hautnah miterleben kann) und nicht zuletzt auch auf vier Tage internationale Festivalstimmung.

Ihr
Gerd Schwandner

Oberbürgermeister