Kolumne des Oberbürgermeisters (14. März 2014)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

viele Dinge in dieser Welt unterliegen der Inflation: Je mehr es davon gibt, desto weniger sind sie (uns) wert. Wir kennen das vor allem vom Geld, aber das Prinzip gilt auch in anderen Bereichen. Selbst Glück kann davon betroffen sein. Nicht umsonst gibt es die Redewendung „Zuviel des Guten“.

Aber wissen Sie, was vom Gesetz der Inflation in keiner Weise tangiert ist? Wovon es niemals ein „Zuviel“ geben kann? Was jedes Mal aufs Neue imponierend und inspirierend ist – unabhängig davon, wie häufig es vorkommt? Ich sag’s Ihnen: das Ehrenamt. Genauer gesagt: das ehrenamtliche Engagement in Oldenburg.

Davon bin ich regelrecht fasziniert. Ich bin ja durchaus etwas rumgekommen in der Welt. Und ich stelle fest, dass freiwilliges Engagement bei uns außergewöhnlich stark ausgeprägt ist. Was die Menschen in unserer Stadt mit Freude (!) für andere leisten, weil es ihnen ein Anliegen ist (!) und weil sie es gerne tun (!), geht über das übliche Maß weit hinaus – sowohl quantitativ als auch qualitativ. Ich bin sehr stolz darauf, dass Ehrenämter in Oldenburgs selten etwas mit Pflichtschuldigkeit oder Karriereoptionen zu tun haben, sondern mit Interesse, Sympathie und Begeisterung. Das Thema ist hier bei uns in einem überaus positiven Sinne selbstverständlich und alltäglich – und deshalb fest in unserer gesellschaftlichen Mitte verankert.

Die Stadt Oldenburg ist sich des enormen Wertes dieses Engagements sehr bewusst. Gerade erst haben wir in Form eines Empfangs in der Exerzierhalle wieder einmal „Danke“ sagen dürfen. In diesem Fall ging der Dank an die Bildungspaten, Integrationslotsen und Stadtteileltern, die einen sehr wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Oldenburg eine herzliche, tolerante, integrative und lebenswerte Stadt ist. Das war eine schöne Veranstaltung, die hoffentlich zum Ausdruck bringen konnte, worum es uns geht: Nämlich um die uneingeschränkte und ungeteilte Wertschätzung dessen, was die Ehrenamtliche leisten.

Ich bin mir aber bewusst, dass wir mit dem Empfang zwar einen wichtigen, aber nur kleinen Teil des ehrenamtlichen Engagements in Oldenburg abdecken konnten. Es gibt so viel mehr Menschen, die so viel mehr tun und die damit so viel mehr erreichen, als wir an einem einzigen Abend angemessen darstellen und würdigen könnten! Sie alle auf einmal zu versammeln, sie ausdrücklich zu erwähnen und ihnen aufrichtig zu danken, würde vermutlich jeden Rahmen sprengen. Ich hoffe aber sehr, dass jedem einzelnen Ehrenamtlichen im Laufe der Zeit die verdiente Anerkennung zuteil wird. Vor allem von jenen, für die sie da sind. Das ist am wichtigsten. Aber auch von der Gesellschaft – vertreten durch die Stadtverwaltung.

Ich für meinen Teil will an dieser Stelle auf Nummer sicher gehen. Ich verlasse mich nicht darauf, dass irgendwann schon irgendwer in meinem Namen – oder im Namen der Stadt – für die Verdienste der Ehrenamtlichen danken wird. Ich will das selber tun. Deshalb möchte ich an dieser Stelle ganz herzlich DANKE sagen – für alles, was Sie für die Gemeinschaft tun, ohne dafür Gegenleistungen zu erwarten. Durch Ihr Engagement, aber auch durch Ihre Haltung, tragen Sie erheblich zur hohen Lebensqualität in Oldenburg bei. Das verdient Respekt, Anerkennung, Würdigung Wertschätzung und Lob. Alles das steckt in diesem Wort: DANKE!

Inflation mag tatsächlich viele Dinge in dieser Welt betreffen. Zum Glück heißt das aber nicht automatisch, dass alles weniger wert wird, je mehr es davon gibt. Ich freue mich sehr, dass für Ehrenämter das Gegenteil gilt – und hoffe, dass wir den Beweis dafür weiterhin so häufig und eindrucksvoll führen wie bisher!

Ihr Gerd Schwandner