Kolumne des Oberbürgermeisters (14. Mai 2014)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

wenn man das Wort „Demografie“ bei Google eingibt, dann erhält man „ungefähr 13.500.000 Ergebnisse“[1]. Bei allem berechtigten Zweifel an der Qualität solcher Stichproben, ist diese Zahl – für einen Fachbegriff – dennoch beeindruckend. Die Botschaft dahinter lautet: Demografie geht nicht nur Experten an, sie betrifft – und interessiert – die gesamte Bevölkerung, weitgehend unabhängig vom Alter.

Die hohe Präsenz und das wachsende Interesse dürften auch mit einer veränderten Wahrnehmung des demografischen Wandels zu tun haben. Immer mehr Menschen interpretieren ihn richtig: Nicht als ein großes Problem, das gewaltig, unausweichlich und bedrohlich auf uns zukommt, – sondern als eine Herausforderung, die zwar Arbeit mit sich bringt, die aber auch Chancen und Perspektiven eröffnet.

In diese Richtung müssen wir weiterdenken. Alt und schwach sind keine Synonyme. Die heutigen Seniorinnen und Senioren sind die „jüngsten“, die es je gab: vielseitig interessiert, gut gebildet, flexibel und mobil. Außerdem sind sie wichtige Arbeitskräfte – schließlich werden die geburtenschwächeren Jahrgänge den Bedarf in Zukunft nicht abdecken können. Mit anderen Worten: Die „neuen Alten“ sind eine attraktive Zielgruppe.

Umdenken müssen wir aber auch, was die Reichweite des demografischen Wandels angeht. Er betrifft nicht nur die „Generation 50plus“, er betrifft uns alle. Langfristige strategische Lösungen dürfen deshalb nicht eng gefasst sein. Sie sollten einen weiten Betrachtungshorizont haben, damit möglichst alle gesellschaftlichen Prozesse und Wechselbeziehungen berücksichtigt werden können.

Unsere (gemeinsame) Aufgabe ist es, die Stadt auf die speziellen Bedürfnisse verschiedener Altersgruppen anzupassen. Dabei geht es um mehr als Altenheime und Jugendzentren. Es geht um urbane Qualitäten wie bedarfs- und interessengerechte Wohnformen, intelligente Alltagstechnologien, effiziente Strukturen, kulturelle Angebote und so weiter. Die Lösungen für diese Themen liegen mal im „Universal Design“ für alle, mal in speziellen, maßgeschneiderten Angeboten. Das zu diskutieren und zu planen, ist eine spannende Aufgabe – für alle Generationen.

Sicher: Die Alterungsprozesse in der Gesellschaft bedeuten Arbeit und Kosten. Schließlich müssen wir uns auf eine durchschnittlich ältere, also auch betagtere und pflegebedürftigere Gesellschaft einstellen. Es wäre naiv zu glauben, dass dadurch kein Aufwand entsteht – nicht nur im Gesundheitssektor, sondern auch im öffentlichen Leben. Aber: Es geht an dieser Stelle ums Nachdenken, ums Ideeneinbringen, ums Planen und Gestalten. Also nicht um lästige Pflichtaufgaben, sondern um kreative Prozesse, mit denen wir Chancen ermöglichen oder nutzen können.

Und das machen wir – als Verwaltung – nicht allein, dafür holen wir Sie – die Bürgerinnen und Bürger – mit ins Boot. Denn wie gesagt: Demografie geht uns alle an. Sonst gäbe es nicht 13.500.000 Treffer bei Google. Also sollten auch alle mitsprechen dürfen. Außerdem bin ich fest davon überzeugt, dass Ihre Ideen, liebe Bürgerinnen und Bürger, mindestens genauso gut sind wie unsere.

Aus diesem Grunde führen wir am Samstag, 17. Mai 2014, ab 10 Uhr mit Unterstützung der Bertelsmann Stiftung in der Weser-Ems-Halle das „BürgerForum Demografie“ durch. Die Veranstaltung ist als ein großer Treffpunkt gedacht, bei dem man alle wichtigen Themen diskutieren, vor allem aber Ideen und Lösungsvorschläge erarbeiten kann. Wichtig ist, dass man mit Freude dabei ist – weil dieses Forum eine Chance ist, unsere Stadt für alle Generationen attraktiv zu gestalten. Und das ist eine interessante Aufgabe für die gesamte Stadtbevölkerung ab 16 Jahren, ohne Grenze nach oben.

Mehr Informationen und Möglichkeiten zur (erforderlichen!) Anmeldung finden Sie in unter www.oldenburg.buergerforum2014.de »

Dass wir älter werden, ist ein biologischer Prozess. Den können wir nicht verhindern. Wie wir älter werden, ist aber ein sozialer Prozess. Den können wir bestimmen. Ich lade Sie herzlich ein, genau das zu tun. Mit etwas Glück fügen wir der langen Google-Ergebnisliste noch einige Treffer hinzu. Und ich bin sicher: Es werden nicht die Schlechtesten sein.

Ihr
Gerd Schwandner

[1] Bei Bing und Yahoo! sind es lediglich 1.800.000.