Kolumne des Oberbürgermeisters (15. Juli)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

kann man etwas über den Kultursommer sagen, das nicht irgendjemand irgendwann schon mal ausgesprochen hat? Immerhin gibt es ihn seit über 30 Jahren. Das ist viel Zeit für viele Gedanken. Bevor ich mich aber in den Untiefen der Philosophie verirre, beantworte ich die Frage lieber kurz und bündig: Ja, man kann!

Erst Recht gilt das in diesem Jahr, in dem es einige Neuerungen gibt. Dazu zählt zum Beispiel die Kooperation mit der Stadt der Wissenschaft, die ihren Ausdruck besonders in der Wissenschaftsgeisterbahn findet. Das ist schon aufgrund des Veranstaltungsortes – einem ehemaligen Hilfskrankenhaus (aus der Zeit des Kalten Krieges) unter dem Flötenteich – ein spektakuläres Projekt. Meine Empfehlung: Hingehen!

Noch auffälliger waren die Veränderungen allerdings bei den Live-Konzerten. Sie mussten wegen der Bauarbeiten auf dem Schlossplatz auf das Areal hinter dem Prinzenpalais ausweichen. Mein Gott, dachten viele im Vorfeld. Wie das schon klingt: Hinter dem Prinzenpalais. Wie abgeschoben. Es gab Befürchtungen, wir könnten den Kultursommer beschädigen.

Umso schöner war es, als die Konzerte tatsächlich begannen. Das Wetter spielte meistens mit (manchmal auch nicht, aber das kennen wir ja) und tausende Oldenburgerinnen und Oldenburger kamen, um sich persönlich vom neuen Spielort zu überzeugen. Und was entdeckten sie dabei? Dass die Notlösung besser funktionierte als viele zunächst erwartet (oder befürchtet) hatten. Das Areal, das ebenso wie der Schlossplatz von alten Gebäuden eingefasst ist, war ein schöner und würdiger Rahmen für tolle Konzerte. Die Resonanz war durchweg positiv. Eine Notlösung sollte das sein? Nein. Der Platz hinter dem Prinzenpalais hat seinen eigenen Charme bewiesen.

Ich finde, aus dieser Geschichte lässt sich einiges herauslesen und auf andere Dinge in unserer Stadt übertragen. Wenn eine etablierte und beliebte Sache verändert wird oder verändert werden soll, dann sind die Reaktionen zunächst immer gemischt. Das ist ganz normal. Und das ist verständlich. Manchmal – wie auch beim Kultursommer – erweisen sich Befürchtungen dann aber als unnötig. Etabliertes und Beliebtes zu verändern, das kann auch neuen Reiz verleihen. Etwas Neues zu wagen, eröffnet eben nicht nur Risken – sondern auch Chancen.

Ich erhoffe mir, dass wir dieses Prinzip auch auf unsere Stadtentwicklung übertragen können. Schließlich stehen einige (hoch)attraktive Projekte auf der Agenda, die uns große Chancen eröffnen – wenn wir den Mut aufbringen, sie umzusetzen. Das gilt für die Um- und Ausbauten bei der Weser-Ems-Halle ebenso wie für das Schlaue Haus. In beiden Fällen gibt es teils berechtigte Bedenken und Einwände. In beiden Fällen überwiegen die Chancen die Risiken jedoch deutlich. Ich bin sicher: Auch hier wird es Veränderungen geben, über deren Resultate wir uns freuen werden.

Übertragen lassen sich solche Gedanken auch auf das aktuelle Thema der Pekol-Ausstellung. Ich meine nicht, dass irgendjemand in unserer Stadt den Sinn der Sammlung in Frage stellt. Ein Erhalt und eine angemessene Präsentation der als Denkmal anerkannten Fahrzeuge sind absolut wünschenswert. Ich bin für jede praktikable Lösung offen. Und die kann, muss aber nicht auf dem jetzigen Gelände liegen. Wenn wir das Problem (sofern man es als solches bezeichnen will) ohne Scheuklappen betrachten, dann fallen uns vielleicht noch ganz neue Lösungen ein, die bisher noch gar nicht zur Diskussion stehen? Mich würde es freuen, wenn wir eine Variante umsetzen würden, mit der alle zufrieden sind. Wie auch immer sie aussehen wird.

Kleine Veränderungen und Neuerungen tun jeder Stadt gut. Da macht Oldenburg keine Ausnahme. Gewiss brauchen wir keine Revolutionen. Aber eine konstante, behutsame Evolution würde unsere schöne Stadt noch attraktiver machen. Egal, ob es um den Ortswechsel einer Veranstaltung geht oder um ein ambitioniertes Bauprojekt: Gelegentliche Impulse und Innovationen machen das Leben in unserer Stadt spannender und vielfältiger. Mit einem Wort: Besser. Deshalb hoffe ich, die Mentalität des Probierens und Wagens wird ein fester Bestandteil unseres Weges nach übermorgen sein. Dann werden wir in Topform dort ankommen.


Ihr
Gerd Schwandner
Oberbürgermeister