Kolumne vom 15.8.2007

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

leider hat es mit dem WM-Titel für unsere Faustball-Nationalmannschaft nicht ganz geklappt! Immerhin aber hat sie es ihrem Fußballpendant gleichgetan und das Spiel um den 3. Platz für sich entschieden. Ich gratuliere dem Team ganz herzlich zur Bronzemedaille. Einen herzlichen Dank auch an die Organisatoren, an die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer – und nicht zuletzt auch an die vielen Tausend Zuschauer. Sie alle haben die Faustball-WM 2007 überhaupt erst möglich gemacht und zu einem unvergesslichen Erlebnis für den Nordwesten werden lassen.

Wenn zusätzlich ein Titel für die beste Stimmung zu vergeben gewesen wäre – das Marschwegstadion hätte ihn gewonnen. „Das Marschwegstadion?“, werden sich viele fragen. „Dieses weite Rund?“ Ja, ganz genau. Zwei Dinge haben die Defizite nämlich wettgemacht: Erstens: Der Enthusiasmus der Faustball-Fans. Und zweitens: Die „neue Enge“ durch die Zusatztribünen. Die Zuschauer waren viel dichter am Geschehen als es normalerweise der Fall ist. Der Funke sprang über – von den Rängen aufs Feld und vom Feld auf die Ränge. Das war schon ein kleiner Vorgeschmack darauf, was stimmungsmäßig möglich wäre, wenn Oldenburg ein neues Stadion erhielte. Und die Betonung liegt dabei auf „kleiner“ – denn es war ja nur eine Hilfskonstruktion (was sich leider auch anhand eines Sturzes zeigte).

Oldenburg hat viele Facetten, die einzigartig sind. Ganz besonders eindrucksvoll ist aber der große Enthusiasmus, wenn es um den Sport geht. Was beim Oberliga-Aufstieg des VfB los war, hätte so manchen Zweitligameister vor Neid erblassen lassen. Vom Fan-Potenzial ist in Oldenburg viel mehr möglich als „nur“ die 4. Liga. Und ich glaube fest daran, dass wir auch die weiteren notwendigen Voraussetzungen für höherklassigen Fußball schaffen können. Dazu gehört zum Beispiel eine starke Mannschaft mit Potenzial. Die haben wir mit dem VfB. Dazu gehört aber auch eine passende Spielstätte. Die haben wir leider noch nicht.

Die Idealvorstellung wäre ein mittelgroßes Fußballstadion, das Zitate der ehemaligen „Hölle des Nordens“ in Donnerschwee aufnimmt, gleichzeitig aber die Vorzüge einer modernen Multifunktionsarena bietet. Nicht zu groß und nicht zu klein, mit Bewusstsein für das Gestern aber mit Blick auf das Heute und Morgen – genau wie Oldenburg selbst. Und nicht nur die Fußballer hätten etwas davon. Moderne Multifunktionsarenen sind – wie der Name schon sagt – nicht mehr auf Sport limitiert. Kulturelle Ereignisse wie Konzerte könnten dort ebenfalls eine Heimat finden.

Davon abgesehen gibt es hierzulande kaum einen besseren Werbeträger als einen erfolgreichen Fußballverein. Man darf nicht immer nur die Kostendimension sehen, sondern auch den Nutzen einer Investition. Ich habe schon einmal an dieser Stelle Beispiele wie Unterhaching und Burghausen angeführt, die ohne ihre Fußballclubs kaum jemand kennen würde. Wenn der Name einer Stadt in Bundesliga-Tabellen auftaucht, ist das nicht nur sportlich erfreulich, sondern auch wirtschaftlich. Das ist Stadtmarketing vom Feinsten.

Leider verfügen wir nicht über einen Mäzen wie Dietmar Hopp in Hoffenheim, der seinen Dorfverein innerhalb kürzester Zeit auf Profiniveau gehievt hat. Dafür haben wir aber eine tolle Sportstadt – die übrigens größer ist als die Hälfte der Zweitligastädte. Wir haben einen Verein mit großer Tradition, der in Fußballdeutschland einen sehr guten Ruf besitzt. Und wir haben ein positiv fußballverrücktes Publikum, das dem VfB selbst in den Niederungen der Niedersachsenliga die Treue gehalten hat. Das sind ganz andere – glaubwürdigere, bodenständigere, ehrlichere – Voraussetzungen als bei vielen anderen Beispielen der jüngeren Vergangenheit.

Oldenburg geht einen eigenen Weg. Wir kopieren nicht die Systeme anderer – sondern entwickeln unser eigenes Erfolgsrezept. Zutaten: ¾ Vernunft und ¼ Mut zum Risiko. Mit dem Zusammenschluss „GO-OL“ wurde die Stadionidee von einer witzigen Kampagne (vielen Dank nochmal an ashampoo für die Initiative) auf eine neue Stufe gehoben. Wenn man ein Team mit der Kompetenz eines Rudi Assauer, eines Walter Hellmich oder eines Carsten Linke zusammen bekommt, dann muss man die Gelegenheit beim Schopfe packen. Nicht um jeden Preis – aber im Rahmen der Vernunft sollte man das Mögliche tun, um die Pläne Realität werden zu lassen.

Das Projekt Stadion ist kein Selbstgänger. Der größte Teil der Anstrengungen liegt noch vor uns. Die Voraussetzungen sind aber so schlecht nicht. Ich glaube, dass wir die anstehenden Herausforderungen durchaus schultern können – mit Kreativität, mit Engagement und mit der Unterstützung der Bevölkerung. Wenn es uns gelingen sollte, das Stadion zu realisieren, dann wäre das nicht nur großartig für die Fußballstadt Oldenburg – dann wäre es auch ein guter Beweis dafür, was wir gemeinsam bewegen können. Mich würde es aus beiden Gründen freuen, wenn es dazu kommt.

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister