Kolumne des Oberbürgermeisters (16.5.2008)

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

mal gibt es an dieser Stelle mehr, mal gibt es weniger zu sagen. Heute ist eindeutig ersteres der Fall. Es geht nämlich um… unsere Baustellen!

Bestimmt haben Sie es schon festgestellt: Es wird mal wieder gebuddelt in Oldenburg. Das kann man negativ und positiv sehen. Negativ wären zum Beispiel verkehrliche Behinderungen. Doch obwohl derzeit an vielen neuralgischen Punkten gearbeitet wird, sind große Staus bisher ausgeblieben. Der Dank dafür geht zum einen an die Verkehrsteilnehmer, die mit Verständnis und Umsicht reagieren. Zum anderen aber auch an unsere Planer, die frühzeitig informiert haben.

Und damit bin ich schon bei der positiven Betrachtungsweise, die ich sowieso favorisiere. Ich finde: Man sollte in so einer Sache das Gute sehen, selbst wenn sie eine gewisse Zeit lang Beschwerlichkeiten mit sich bringt. Und unsere Baustellen tragen sehr viel Gutes in sich, wie die Zukunft beweisen wird.

Bei allem, was wir dieses Jahr aushalten müssen, bei allen Umwegen, bei allem Dreck und Staub, geht es ja um die Resultate der Bauarbeiten. Es ist ärgerlich, wenn wir nun gelegentlich im Stau stehen müssen - so wir nicht sowieso Fahrrad fahren -, doch wir stehen dort ja zu einem guten Zweck. Wir nehmen kurzfristig Behinderungen in Kauf, weil wir langfristig ein schöneres und besseres Oldenburg erhalten. Was vor allem in den kommenden Monaten gilt, in denen wir mehrere „heiße Eisen“ des Straßenbaus anpacken. Sowohl die vordere Alexanderstraße als auch Lappan und Heiligengeistwall sind sensible Verkehrsadern, die gleichzeitig das Stadtbild prägen. Deshalb müssen wir doppelt vorsichtig sein. Zum einen müssen wir infrastrukturelle Verbesserungen schaffen und zum anderen wollen wir diese Plätze und Straßen schöner gestalten, als sie es bisher waren. Versprochen!

Ich gehe einfach mal der Reihe nach vor: Die vordere Alexanderstraße war in den letzten Jahr(zehnt)en geprägt von einer gewissen Unordnung. Spätestens seit dem Abriss des ehemaligen „Renaissance“ wurde das Areal seiner besonderen Lage nicht mehr ganz gerecht. Der Bereich hat durchaus Potenzial – er schlief aber einen langen Dornröschenschlaf. Jetzt wecken wir ihn auf. Und ich bin sicher, dass er nach den Umbauten in neuem Glanz erstrahlt. Aufgeräumter, strukturierter – und mit ganz neuen Möglichkeiten. Man darf gespannt auf das Ergebnis sein.

Ganz ähnlich ist es beim Lappan. Größenordnung und Lage machen diese Baumaßnahme zu einem besonderen Projekt. Hier steht zwar eindeutig die Aufwertung der Verkehrssituation im Vordergrund. Doch es wäre töricht gewesen, wenn wir dabei nicht auch darauf geachtet hätten, den ganzen Bereich freundlicher zu gestalten. Wenn die Maßnahmen abgeschlossen sind, wird auch hier die Unordnung verschwunden sein. Das allein wäre schon viel wert. Aber auch optisch wird sich einiges ändern – und besser aussehen als zuvor.

Was ich mir auch vom Heiligengeistwall erhoffe. Dort hat es ja zunächst Kritik gegeben, als die jungen Linden gefällt wurden. Ich bin bei solchen Eingriffen ebenfalls eher skeptisch – meine aber, dass er an dieser Stelle richtig war. Schon bald – wenn auf der anderen Straßenseite die neuen Bäume gepflanzt sein werden – könnte ein echter Boulevardcharakter entstehen. Dass zudem auch die Straße besser befahrbar wird und die Geschäfte besser zu erreichen sein werden, macht die Sache richtig rund.

Ich könnte noch lange so fortfahren – schließlich wird in Oldenburg an vielen weiteren Stellen gebaut. Man denke nur an die Lange Straße, deren Pflasterung nun endlich abgeschlossen wird. Diese Kolumne ist aber sowieso schon arg lang, deswegen verzichte ich lieber darauf. Betonen möchte ich allerdings noch einmal, dass all diese Maßnahmen Oldenburg deutlich aufwerten werden.

Außerdem sind große Staus bislang ja ausgeblieben. Es ist vielmehr das Gegenteil der Fall: die Straßen sind vergleichsweise leer. Zumindest in den Augen von Ortsfremden. Erst kürzlich rieben sich einige Gäste aus Groningen erstaunt die Augen, weil bei uns so wenig Verkehr herrschte. Sie schienen geradezu melancholisch zu werden, weil ihnen die vertrauten Blechkarawanen fehlten. Ganz nach dem Motto: Kein Stau – keine Großstadt. Also: Selbst wenn der Verkehr um die Baustellen herum mal etwas haken sollte, dürfen wir uns immer noch glücklich schätzen – anderswo ist es schlimmer.

Freuen wir uns stattdessen lieber auf die Ergebnisse der Baumaßnahmen. Ich bin gerne bereit, dafür ein paar Nachteile in Kauf zu nehmen. Und ich hoffe, Sie sind das auch. Dieses Verständnis würde mich sehr freuen – und zum positiven Image Oldenburgs als eine moderne und flexible Großstadt beitragen. Ich wünsche Ihnen allzeit gute und möglichst freie Fahrt mit Rad, Bus, Motorrad oder Auto in unserer (bald noch schöneren) Stadt!

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister