Kolumne des Oberbürgermeisters (16. September)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

im September ist traditionell viel los in Oldenburg. Das ist ein tolles Beispiel dafür, wie vielfältig und lebendig unsere Stadt ist. Obwohl alle Veranstaltungen ihren Reiz haben und ihr Publikum finden, ragt eine heraus: Das Internationale Filmfest. Ich habe es in meiner Kolumne schon mehrmals thematisiert. Hier und hier und hier. Da stellt sich irgendwann zwangsläufig die Frage: Gibt es überhaupt etwas Neues zu sagen?

(dramatische Pause)

Aber sicher! Denn das Filmfest steht niemals still. Das heißt: Ich schreibe nicht alljährlich über das gleiche „Produkt“, sondern über eine ständig neue Generation Filmfest, die immer ein wenig besser ist als die letzte. Ich habe großen Respekt vor dieser Entwicklung. Es ist eine enorme Leistung, ein anspruchsvolles Filmfest zu etablieren – und das von einem Standort aus zu tun, der nicht die Strahlkraft von Berlin, Venedig oder Cannes besitzt. Und so ehrlich müssen wir sein: Das trifft auf Oldenburg zu. Aus dieser „Not“ hat das Filmfest eine Tugend gemacht: Es hat eine Nische besetzt, die hervorragend zu seinem Standort passt und die zudem immer größere Aufmerksamkeit gewinnt, weil die Filmkunst längst dort – und nicht im Mainstream – zuhause ist: das Independent-Kino.

Mit diesem Prinzip folgt es dem US-Vorbild Sundance, das ebenfalls nicht in den Metropolen der Ost- und Westküste stattfindet, sondern genau dazwischen, irgendwo im nirgendwo. Damit hat es gezeigt: Wenn das Produkt stark genug ist, dann kompensiert es vermeintliche Standortnachteile. Darüber hinaus fühlt sich der alternative Film in „1B-Lagen“ sehr viel wohler als in den üblichen Metropolen; und er passt dort auch besser hin. Ich bin zwar realistisch genug zu erkennen, dass der Name unserer Stadt auf internationale Kinogrößen nicht als zusätzlicher Magnet wirkt. Ich weiß aber auch, dass sich das ganz schnell ändert, wenn die Gäste erstmal hier sind. Dann wirkt Oldenburg sehr wohl „magnetisch“ – und viele kommen gerne wieder.

Das Internationale Filmfest ist ein Glücksfall für unsere Stadt. Es ist ein popkulturelles Aushängeschild, ein Ausdruck von Zeitgeist und Weltläufigkeit und ein internationaler Werbe- und Imageträger. Ich bin froh und stolz, dass wir ein Festival beheimaten dürfen, das nicht nur cineastische Qualitäten besitzt, sondern auch eine Authentizität, die vielen populären Spektakeln abgeht. Deshalb werde ich mich weiterhin dafür einsetzen, dass wir – als Stadt – das Filmfest in einem Umfang fördern, der es auf seinem bisherigen Niveau stabilisiert.

Ich hoffe dabei auch auf Ihre Unterstützung, liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger. Bis zu 15.000 Besucher hatte das Filmfest in den letzten Jahren; knapp 700 waren in diesem Jahr allein schon bei der „hollywoodreifen Eröffnung“ („Die Welt“) auf dem Fliegerhorst. Das wäre als Zeichen theoretisch schon stark genug. Doch da geht noch mehr! Noch nie war es so einfach und angenehm, sich für eine Sache einzusetzen, die vielen Menschen eine Menge bedeutet: Sie müssen nur ins Kino gehen! Lassen Sie sich die exzellenten Filme der Independent-Reihe, der Retrospektive und des Tributs oder die Nominierungen für den German Independence Award nicht entgehen. Das ist ausnahmslos (künstlerisch) großes Kino! Ganz nebenbei geben Sie mit Ihrem Besuch ein kulturpolitisches Signal für den Wert des Filmfestes.

Mein Tipp deshalb: Hingehen! Dabei sein! Miterleben! Und den Schlaf nächste Woche nachholen …

Ihr
Gerd Schwandner
Oberbürgermeister