Kolumne des Oberbürgermeisters (18. April 2013)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

haben Sie schon mal von LeBron James gehört? Bei Basketballfans erntet man mit  dieser Frage ein müdes Lächeln. Das ist ungefähr so, als würde man Fußballer fragen, ob sie Lionel Messi kennen. Na klar! Der Forward der Miami Heat gilt als einer der besten Spieler der Welt. In den letzten vier Jahren war er dreimal wertvollster Spieler der NBA. Und dieser Superstar erklärte kürzlich, dass er einem deutschen Team für die anstehenden Playoffs besonders die Daumen drückt: den EWE Baskets Oldenburg!

Klingt nach einer erfundenen Geschichte? Ja – aber es ist keine. LeBron James hat das tatsächlich gesagt. Natürlich in erster Linie deshalb, weil der Oldenburger Spielmacher Dru Joyce ein alter Kumpel von ihm ist. Aber trotzdem: Basketball-Deutschland hat aufgehorcht. Erst recht, weil die Aufmerksamkeit zuletzt sowieso schon groß war. In den letzten Wochen sind die Baskets immer mehr in den Fokus gerückt. Bis zum Spiel in Bayreuth hatten sie sechs Partien in Folge gewonnen und belegen knapp hinter den ewigen Platzhirschen aus Bamberg den zweiten Platz in der Basketball Bundesliga. Nebenbei hat sich das Team für das Final Four-Turnier in der Euro Challenge qualifiziert. Diese Dichte an Erfolgen konnte nicht unbemerkt bleiben.

Was viele (auch mich) besonders fasziniert: Die Baskets sind kein lieblos zusammengestellter Haufen großer Namen. Das Team ist ein Team – im allerbesten Sinne. Es macht Freude (und das meine ich wortwörtlich so) zu sehen, wie die Jungs zusammenspielen und miteinander umgehen. Da stimmt die Chemie, der Teamgeist, der Zusammenhalt. Jeder ist für den anderen da und kämpft bis zum Umfallen. Und dieses Lob schließt den Trainer mit ein. Sebastian Machowski hat das Team hervorragend entwickelt und eingestellt. Folgerichtig hat die BBL ihn zum „Coach of the Year“ ernannt.

Seit Wochen zu den besten – nicht nur im Team, sondern in der gesamten Liga – zählt auch Rickey Paulding. Gerade erst wurde er ins BBL All-Star Team gewählt. Dass wir in Oldenburg so einen Spieler haben, ist ein wirklicher Glücksfall. Der Mann aus Detroit, Michigan ist durch und durch Oldenburger; und zudem ein besonders sympathischer. Er ist das beste Beispiel dafür, dass Basketball trotz der internationalen Prägung ein Sport mit Lokalkolorit sein kann.

Man könnte ja denken, es kann kaum besser kommen – aber es kommt besser. Der – im wahrsten Sinne des Wortes – Last-Minute-Sieg gegen den FC Bayern München am 10. April war das letzte Bundesliga-Spiel der Baskets in der alten Halle. Von nun an ist die gerade fertiggestellte große EWE Arena die Heimat der Donnervögel. Statt 3.148 können jetzt 6.000 Fans bei den Spielen dabei sein und werden wahrscheinlich für noch mehr Stimmung, noch mehr Krach sorgen (auch wenn das schwer vorstellbar ist). Ich freue mich sehr, dass das „Projekt 2014“ der Weser-Ems Halle uns nicht nur im Event- und Veranstaltungsbereich auf ein neues Niveau hievt, sondern auch den EWE Baskets neue Möglichkeiten eröffnet. Die Arena ist ein Meilenstein, den wir auf dem Weg in die Zukunft unbedingt passieren mussten (und auch wollten). Nicht zuletzt bedeutet sie auch neue Möglichkeiten für uns, die Fans. Denn im Gegensatz zu früher hat man nun auch die Gelegenheit, einmal spontan zum Basketball zu gehen. Obwohl ich mich während der Playoffs eher nicht darauf verlassen würde ...

Ist Ihnen etwas aufgefallen? Ich schreibe über eines unserer beiden Top-Teams im Sport und ich schreibe über eine der bedeutendsten Neubauten der letzten Jahre – und in beiden Fällen taucht dasselbe Kürzel auf: EWE. Man kann zu den Entwicklungen  der Strom- und Gaspreise stehen, wie man will. Eines steht fest: Das Unternehmen engagiert sich vorbildlich in und für Oldenburg. Das nehmen manche als selbstverständlich hin, doch das ist es nicht. Ich bedanke mich jedenfalls herzlich dafür – und bin sicher, dass ich damit für viele Bürgerinnen und Bürger spreche.

Basketball hat in Oldenburg eine große Tradition und war immer erfolgreich. In den letzten Jahren – und den letzten Monaten – war die Entwicklung aber rasanter als wir uns vorstellen konnten oder zu hoffen gewagt haben. Ich freue mich darüber und bin stolz darauf. Meine Glückwünsche und mein Dank dafür gehen – ganz bewusst schon jetzt, bevor endgültige Resultate feststehen – an das Team der Baskets und an alle Unterstützer, Sponsoren und Fans. In Oldenburg entsteht gerade eine Basketball-Dynastie – und wir sind ein Teil davon. Mit Blick auf die Zukunft – in der dieser Sport sicher nicht unbedeutender wird – ist das eine starke Entwicklung, von der Oldenburg dauerhaft profitieren wird.

Wer weiß? Vielleicht darf LeBron James in ein paar Wochen ein Glückwunsch-Tweet – oder sogar zwei? – an Dru Joyce rausschicken. Ich sehe in der Bundesliga und in der Euro Challenge jedenfalls keine Über-Mannschaft, gegen die wir keine Chance hätten. Doch ganz egal, wie’s kommt: Schon die bisherige Saison war großartig. Vielen Dank dafür – und auf viele spannende und erfolgreiche Spiele im neuen Zuhause!

Ihr
Gerd Schwandner