Kolumne des Oberbürgermeisters (19. Februar 2014)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

„Fortsetzung folgt“ – diesen Satz kennen viele von uns noch aus alten Fernsehserien. Er kam meistens direkt nach einem dramatischen „Cliffhanger“, also einem Moment am Ende einer Folge, der Spannung auf die nächste erzeugen sollte.

Genau diesen Satz hätte ich auch an das Ende meiner letzten Kolumne stellen können. Sie erinnern sich: Sie beschäftigte sich mit der Einweihung des Minaretts an der Haci-Bayram-Moschee – und sie erschien auf Deutsch und auf Türkisch. Die Kolumne und ihre Zweisprachigkeit erzeugten ein enormes Echo. Ich wurde innerhalb und außerhalb Oldenburgs vielfach darauf angesprochen. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien sogar ein sehr wohlwollender Kommentar zu diesem Thema. Das „oft etwas andere“ Oldenburg, so der Tenor, macht vor, wie’s geht. Keine Proteste, kein Streit, stattdessen Gemeinsamkeit und Zuversicht.

All diese positiven Reaktionen freuen mich natürlich sehr. Nicht weil ich mir gern auf die Schulter klopfen lasse – sondern weil sie zeigen, wie wichtig das Thema ist und dass wir gut damit umgehen. Anders als zum Beispiel der jüngste Volksentscheid in der Schweiz suggeriert, sind Überfremdungsängste in Europa nicht vorherrschend. Sie können in besonderen Konstellationen entstehen. Gar keine Frage. Aber hier bei uns in Oldenburg, mit einem Ausländeranteil von etwa sechs Prozent, ist das (von wenigen Ausnahmen abgesehen) kein Thema.

Der aktuellste Beweis dafür: Am 17. Februar 2014 wurde beim 57. Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten mit Seiner Exzellenz, Botschafter Hüseyin Avni Karslioglu, erstmals ein Türke Oldenburger Kohlkönig (beziehungsweise „Kohlsultan“, wie er selbst sagte). Nachdem dies beim Großen Kurfürsten – mit Murat Yeginer – schon vor einigen Jahren der Fall war, ist nun also auch das höchste Amt der Stadt in türkischer Hand. Das hat für unser Zusammenleben im Alltag zwar nur eine geringe Bedeutung – es ist aber allemal ein schöner Ausdruck unserer guten Beziehungen; und nicht zuletzt auch ein Tribut an die wachsende Bedeutung der Türkei. Zu alledem passte auch die Reaktion des Botschafters: Er empfand die internationale Inthronisierung als eine große Ehre – und gratulierte uns herzlich zu unserer spürbaren Weltoffenheit. Ein Lob, das man gerne hört – erst recht aus dem Munde eines erfahrenen Diplomaten.

Weiter verstärkt wird das gute Verhältnis spätestens ab dem 12. Mai 2014, wenn die „Türkei Begegnungen“ starten. Sie werden uns einen Blick hinter die Kulissen der Klischees gewähren – und ein authentisches Bild der gegenwärtigen, zeitgenössischen Türkei vermitteln. Die Begegnungen werden ein mehrmonatiges kulturelles Glanzlicht darstellen – das uns auch gesellschaftlich bereichern wird. Und unser neuer König/Sultan ist dann natürlich mit dabei.

Fortsetzung folgt – diesen Satz könnte ich auch unter diese Kolumne schreiben. Denn eines steht fest: Moscheen und Minarette werden Bestandteile heterogener und diversifizierter Gesellschaft bleiben. Nicht als Anhängsel, sondern als akzeptierter Bestandteil. Das ist eine überaus gute Nachricht, denn die Vielfalt tut uns gut – und sie verleiht uns auch zusätzliche Entwicklungsoptionen, von denen wir alle profitieren werden. Das haben die richtigstellenden Berichte im Kontext zur unsäglichen „Wer betrügt, fliegt!“-Kampagne der CSU und zum Referendum in der Schweiz eindeutig gezeigt. Zuwanderung und Integration sind größtenteils auch für die Sozialsysteme und Wirtschaftskraft positiv. Für Kultur und Gesellschaft sind sie es sowieso.

Die Geschichte der Türken in Oldenburg ist noch lange nicht auserzählt. Wäre es eine Serie, dann würden noch viele weitere Episoden, Staffeln und Spin-Offs kommen. Für positive Spannung ist gesorgt – auch ohne dramatische Cliffhanger.

In diesem Sinne: Fortsetzung folgt.

Ihr Gerd Schwandner