Kolumne des Oberbürgermeisters (20. Februar)

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

vielleicht haben Sie es beim letzten Bummel durch die Innenstadt gesehen: Die Beschicker des Wochenmarktes haben eine Unterschriftenaktion gestartet, um die zeitweise Verlegung des Marktes an zwei Tagen im September zu verhindern. Zu diesem Zeitpunkt würde auf dem Platz die Veranstaltung „Oldenburg kocht“ stattfinden. Ist der Markt wirklich in Gefahr? Oder sogar die Existenz der Marktleute? Und hätte die Stadt das zu verantworten?

Eins vorweg: Der Wochenmarkt am Rathaus gehört zu Oldenburg wie Lappan und Lamberti. Er könnte kaum besser sein, als er ist: Zentral, atmosphärisch, belebt und beliebt. Niemand würde ihn ohne Not in Frage stellen. Auch die Stadtverwaltung nicht. Wir begreifen den Markt als eine große Bereicherung. Dieses Plus an Lebensqualität wird nicht angetastet. Da sind Marktbeschicker und Verwaltung ganz auf einer Linie.

Bei aller Wertschätzung darf man allerdings externe Faktoren nicht ignorieren. Dann würde man Gefahr laufen, in großer Harmonie das Falsche zu tun – bzw. das Richtige zu unterlassen. In diesem Fall betreffen diese Gedanken den Schlossplatz. Er wird uns die kommenden Jahre wegen Bauarbeiten nicht als Raum für Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Das ist ein herber Verlust, den wir irgendwie kompensieren müssen. Als Ersatz in ähnlicher Größe und Lage kommt allerdings nur eine Alternative in Betracht: Der Rathausmarkt. Und das bedeutet zwangsläufig, dass die Nachfrage nach Nutzungsterminen zunimmt.

Werfen wir mal einen Blick auf die Fakten: Der städtische Wochenmarkt ist auf dem Rathausmarkt seit vielen Jahren etabliert. Es ist ja kein Zufall, dass der Platz heißt, wie er heißt. Er ist für den Zweck – im wahrsten Sinne des Wortes – wie geschaffen. Der Markt findet dienstags, donnerstags und samstags statt. Das sind rund 155 Tage im Jahr. Auch anhand dieser Zahl kann man seine besondere Bedeutung erkennen.

Allerdings darf man den Begriff Marktplatz nicht zu eng verstehen. Er erfüllt darüber hinaus eine wichtige Funktion im Veranstaltungskalender der Stadt. Für manche Ereignisse mit überregionaler Bedeutung und hohen Besucherzahlen ist er unverzichtbar. Ein Beispiel dafür ist der Lambertimarkt. Durch den Wegfall des Schlossplatzes wird der Bedarf natürlich noch größer. Man denke nur an die vielen Veranstaltungen, die dort stattgefunden haben: Die Konzerte des Kultursommers, die Internationalen Keramiktage – oder „Oldenburg kocht“. Irgendwo müssen sie hin.

Zur Premiere von „Oldenburg kocht“ zum Beispiel kamen im letzten Jahr rund 25.000 Besucher. Das war ein fast schon sensationeller Erfolg. Zumal von diesem Besucheraufkommen nicht allein die Veranstaltung profitiert, sondern auch die Kaufmannschaft der Innenstadt. Viele Gäste haben den Besuch zu einem ausführlichen Bummel genutzt. Deswegen stand frühzeitig fest: Wir würden „Oldenburg kocht“ gerne wiederholen. Das wäre allerdings nur auf dem Rathausmarkt möglich.

An dieser Stelle ist nun abzuwägen. Natürlich soll der Wochenmarkt nach Möglichkeit unangetastet bleiben. Allerdings würden wir ungern auf eine so schöne und erfolgreiche Veranstaltung wie „Oldenburg kocht“ verzichten. Wir müssen dabei auch an die vielen tausend begeisterten Besucher denken. Es gibt also zwei Veranstaltungen, die beide unverzichtbar sind – terminlich aber leider kollidieren. Die Lösung kann deshalb nur in einem Kompromiss liegen.

Unsere Idee: „Oldenburg kocht“ zieht auf den Rathausmarkt – und der Wochenmarkt wandert für ein paar Tage auf eine unmittelbar benachbarte Ersatzfläche: Auf den Kasinoplatz einschließlich des Taxenstandes und des Kirchganges. So wäre sichergestellt, dass Besucher die Verkaufsstände zu den üblichen Marktzeiten mühelos finden können. Der Wochenmarkt würde auch auf der Ersatzfläche in gewohntem Umfang stattfinden können. Nicht ganz so atmosphärisch – aber deswegen noch lange nicht schlecht.

Außerdem wäre die Verlagerung zeitlich eng begrenzt. Von der Veranstaltung "Oldenburg kocht" wären nur zwei der insgesamt 155 Wochenmarkttage betroffen. Das wären weniger als zwei Prozent. Und an diesen würde der Markt ja keineswegs abgesagt, sondern lediglich um einige Meter verlegt. Er bliebe sozusagen in "Sicht- und Riechweite".

Der Lösungsvorschlag ist für den Wochenmarkt sicherlich nicht perfekt. Das liegt in der Natur eines Kompromisses. Er zeigt jedoch einen gangbaren Weg auf. Wir wollen ihn allerdings nicht gegen die Marktleute durchsetzen – sondern mit ihnen umsetzen. Die Stadt will kein Vorgehen „bestimmen“, sondern um Verständnis dafür werben, dass ein so zentraler Platz auch anderen Nutzungen offen stehen muss. Vor allem, wenn uns ein anderer Bereich durch Baumaßnahmen verloren geht. Und wir hoffen, dass die Marktbeschicker uns in dieser Situation verstehen und unterstützen. Auch wenn sie nicht rundum glücklich mit der Planung sind.

Bleibt die Frage: Warum überhaupt die Missverständnisse, die Unzufriedenheit, die Unterschriftenaktion? Das Problem an der Sache ist vielleicht die kalte Verwaltungssprache. Wenn kommuniziert wird, dass die Stadt sich vorbehält, den Platz für andere Veranstaltungen zu vergeben, dann klingt das, als wäre der Markt von untergeordnetem Interesse. Das ist aber nicht so. Seine Bedeutung wird er nie verlieren. Deswegen wird er von den bedeutenden Veränderungen in der Nachbarschaft kaum betroffen sein. Und wenn doch – wie in diesem Fall – dann versuchen wir, die Folgen so gering wie möglich ausfallen zu lassen.

Halten wir fest: Es gibt keinen inhaltlichen Streit zwischen den Marktleuten und der Stadtverwaltung. Wir verfolgen dieselben Ziele. Wir möchten eine attraktive Innenstadt mit einem schönen Markt. Und wir möchten eine verträgliche Lösung für die Zeit, in denen uns der Schlossplatz nicht zur Verfügung steht. Mit etwas gutem Willen lässt die temporäre Alternative auf dem Kasinoplatz bestimmt umsetzen. Für Oldenburg wäre das die beste Lösung.

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister