Kolumne vom 20. März 2008

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

dass die Menschen in unserer Stadt ein besonderes Verhältnis zu ihren Jahrmärkten haben, ist kein Geheimnis. Der Kramermarkt zum Beispiel hätte im letzten Jahr kaum seine 400. Auflage feiern dürfen, wenn es in der Bevölkerung keine breite Unterstützung für ihn gäbe. Wobei das noch zurückhaltend formuliert ist. Man könnte durchaus auch von Begeisterung sprechen.

Mit etwas Fantasie lässt sich sogar ausrechnen, dass der Kramermarkt zu den anziehungskräftigsten Volksfesten in Deutschland zählt. Er lockt mit 1,6 Mio. Besuchern nämlich das Zehnfache unserer Einwohnerzahl an. Das schafft selbst das Oktoberfest in München nicht! Dort kommen „nur“ 6,5 Mio. Besucher auf 1,2 Mio. Einwohner. Das ist gerade mal das Fünffache. Darüber können wir Oldenburgerinnen und Oldenburger eigentlich nur schmunzeln.

Kein Wunder, dass sich mit unseren Markttraditionen mühelos ganze Bücher füllen lassen. Und das nicht nur sprichwörtlich, sondern sogar tatsächlich. So erschien im letzten Jahr mit „Spektakel, Schau & Hightech-Power“ von Michael Hopp und Peter Parnicke eine umfangreiche Publikation zu vier Jahrhunderten Kramermarkt. Darüber hinaus gibt es mit „Oldenburger Jahrmarktstraditionen“, ebenfalls von Parnicke, eine Art „Standardwerk“, das all unsere Märkte und ihre Geschichte(n) umfassend beleuchtet. Es lohnt sich in beiden Fällen, mal hineinzuschauen.

Man kann sich damit auch hervorragend auf den Frühlingsmarkt einstimmen, der vom 22. bis zum 30. März auf dem Gelände an der Weser-Ems-Halle stattfindet. Wie bitte, Frühlingsmarkt? An der Weser-Ems-Halle? Ja, genau richtig! Der ehemalige Ostermarkt wurde in diesem Jahr umbenannt – und findet nun zum zweiten Mal nicht mehr in der Innenstadt, sondern in Donnerschwee statt.

Ich erwähne das deshalb noch einmal, weil ich glaube, dass dieser Markt besondere Unterstützung verdient. Er hat als erster Markt im Jahr zwar manchmal mit dem Wetter und mit Ausläufern des Winterschlafs zu kämpfen. Aber das heißt ja nicht, dass es in diesem Jahr auch so sein muss. Ich gehe fest davon aus, dass viele Oldenburgerinnen und Oldenburger der Aufforderung in den Flyern („Raus aus dem Sessel – rein ins Vergnügen“) folgen und den Markt besuchen – ganz egal, ob die Sonne nun strahlt oder nicht. Das Leben ist schließlich, was man draus macht! Und ich verspreche Ihnen: Der Frühlingsmarkt ist spannender, abwechslungsreicher und aufregender als alle Sessel dieser Welt!

Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, mich einmal herzlich bei den Schaustellerinnen und Schaustellern zu bedanken. Seit vielen Jahren und Jahrzehnten, teilweise seit Jahrhunderten, organisieren sie unsere Oldenburger Märkte – und das machen sie sehr gut. Natürlich ist das einerseits ihr Geschäft. Andererseits bereichern sie damit aber das Leben und die Freizeit in unserer Stadt ganz wesentlich. Man sollte das nicht unterschätzen. Ich freue mich jedenfalls sehr, dass wir eine so aktive Schaustellerszene – und deshalb auch so schöne Märkte – in Oldenburg haben. Und für das Image unserer Stadt ist das sicherlich auch nicht schlecht.

Es sei an dieser Stelle noch jemand anderem gedankt: Nämlich Ihnen! Denn eins ist klar: Ohne die Besucherinnen und Besucher könnte kein Markt bestehen, so attraktiv er theoretisch auch sein mag. Dass die Oldenburgerinnen und Oldenburger ihre Märkte immer wieder zu Erfolgen werden lassen, ist einerseits ein Kompliment für die Veranstaltungen, andererseits aber auch ein Ausdruck der besonderen Verbundenheit, die ich eingangs erwähnte – und die ich für äußerst sympathisch halte.

Ich hoffe, dass diese Regel so – oder so ähnlich – auch für den Frühlingsmarkt gilt und dass er in seiner neuen Form ebenfalls zu einem dieser Erfolge wird. Was bleibt, ist der bange Blick zum Himmel. Der verheißt zwar momentan noch nichts Gutes – aber ich bin der letzte, der die Hoffnung auf einen Umschwung aufgibt!

Allen Jahrmarktfans wünsche ich bei ihren Besuchen viel Spaß und Vergnügen!
Und darüber hinaus allen Oldenburgerinnen und Oldenburgern frohe Ostern!

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister