Kolumne des Oberbürgermeisters (20. März)

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

erinnern Sie sich noch an die Schlagzeilen des Jahres 1995? Nein? Macht nichts. Es ist nicht sehr viel Weltbewegendes passiert. Außer einer Sache vielleicht: Oldenburg begrüßte den 150.000. Einwohner! 14 Jahre ist das her. Jetzt durften wir den nächsten großen Schritt tun – und Einwohner Nummer 160.000 begrüßen! Ein toller Erfolg – der hervorragend zur guten Entwicklung unserer Stadt passt!

Vielleicht fragt sich jemand: Warum ist die Einwohnerzahl so wichtig? Ist es nicht egal, ob wir 159.999 (wie am 31. Januar) oder 160.023 (wie am 28. Februar) haben? Theoretisch ja. Praktisch nein. Zum einen ist das Knacken der 160.000er Marke ein schönes Signal dafür, dass Oldenburg sich kontinuierlich weiterentwickelt. Zum anderen ist jeder einzelne Zuzug ein Kompliment an unsere Stadt. Dass Oldenburg immer weiter wächst, ist schließlich kein Naturgesetz. Eigentlich müsste das Gegenteil der Fall sein. Die deutsche Bevölkerung schrumpft – und viele deutsche Großstädte schrumpfen ebenfalls. Hamburg zum Beispiel liegt 130.000 Einwohner unter dem historischen Höchstwert, Bremen immerhin 60.000. Nur Oldenburg bricht Jahr für Jahr neue Rekorde. Die Frage ist: Woran liegt das?

Sind es biologische Gründe? Gibt es mehr Geburten als Sterbefälle? Nein, leider nicht. Wir können uns dem bundesweiten Trend nicht widersetzen. Auch unser Saldo ist negativ. Wir arbeiten aber daran, diesen Trend zu stoppen – zum Beispiel, indem wir das Konzept „Familienfreundliche Stadt“ umsetzen, indem wir die soziale Integration stärken, indem wir attraktive Baugebiete ausweisen oder indem wir unsere Schulen und Kindertagesstätten aufwerten. Was wir tun können, das tun wir. Den „Rest“ müssen allerdings unsere Bürgerinnen und Bürger übernehmen.

Dass nicht biologische Gründe ausschlaggebend sind, könnte man übrigens auch positiv werten. Denn das bedeutet: Wir verdanken unser Wachstum dem Zuzug von außerhalb. Also bewussten Entscheidungen zugunsten von Oldenburg. Das führt uns allerdings zur nächsten Frage: Warum ziehen die Menschen denn hierher? Darauf gibt es mehrere Antworten. Ganz allgemein könnte man die „Renaissance der Stadt“ ins Feld führen. Der Trend zur Suburbanisierung – der Wegzug in die Vororte – ist weitgehend gestoppt. Davon profitiert auch Oldenburg – auch wenn wir keine typische Metropole sind. Wir entwickeln uns in Sachen Urbanität langsam aber sicher weiter. Die Architektur wird selbstbewusster und hochwertiger. Das ist wichtig – denn städtebauliche Glanzlichter werten Oldenburg weiter auf und signalisieren Modernität und Zukunftsfähigkeit. Darüber hinaus werden sich einige Stadtgebiete insgesamt sehr positiv entwickeln: Das Bahnhofsviertel und der Stadthafen zum Beispiel – aber auch das Kennedy-Viertel und Kreyenbrück-Nord. Oldenburg ist – was das Stadtbild angeht – also längst noch nicht am Limit. Wir haben noch viele Pfeile im Köcher.

Von Bedeutung ist übrigens auch die wirtschaftliche Entwicklung. Ein Standort kann  so schön aussehen, wie er will – wenn es keine Arbeitsplätze gibt, ist er nicht viel mehr als ein Museumsdorf. Deshalb freue ich mich darüber, dass Oldenburg sich auch ökonomisch entwickelt – und dass diese Entwicklung auf viele Schultern verteilt ist. Wir haben das Glück, dass wir weder stark industriell geprägt sind, noch von einem Großunternehmen abhängig sind. Früher wurde das mal als Malus empfunden. Heute ist das ein klarer Vorteil.

Unberührt davon bleibt eine weitere Eigenschaft, die maßgeblich verantwortlich für unsere große Anziehungskraft ist: Die hohe Lebensqualität. Vom attraktiven Stadtbild über die charakteristische Atmosphäre bis zum gesellschaftlichen Miteinander stimmt die Mischung. Man weiß zwar: Hier ist nicht der Nabel der Welt. Aber: Dafür gibt es eine Herzlichkeit und Verbindlichkeit, die man in den Metropolen vergeblich sucht. Oldenburg vermittelt sowohl optisch als auch persönlich das Gefühl, eine Heimat und ein Zuhause zu sein. Das ist unbezahlbar. Und es wird in einer zunehmend globalisierten und anonymisierten Welt immer wichtiger.

Oldenburg kombiniert also zwei wesentliche Stärken. In unserer Stadt vereint sich eine historische gewachsene (und außerordentlich hohe) Lebensqualität mit einer unverkennbaren Entwicklung in Richtung vielversprechende Zukunft. Während das Stadtbild für sich spricht (und erst kürzlich Jörg Pilawa in seiner Quizshow zum Schwärmen veranlasste), konnten wir letzteres spätestens mit dem Titel „Stadt der Wissenschaft“ ausdrucksstark nach außen transportieren. Eins steht fest: Man muss lange suchen, bis man eine Stadt findet, die alle zukunftsrelevanten Felder so umfassend abdeckt wie Oldenburg. Und „zukunftsrelevant“ schließt sowohl Forschung, Wissenschaft und Wirtschaft, als auch Lebensqualität mit ein. Wir punkten auf allen Feldern.

Allerdings sollten wir uns auf der guten Nachricht nicht ausruhen. Wir sollten sie in zwei Richtungen interpretieren. Erstens als ein Kompliment an die Stadt und als Zeugnis für unsere gute Arbeit. So selbstbewusst dürfen wir ruhig mal sein. Zweitens sollten wir den Erfolg auch als Ansporn verstehen, in unseren Anstrengungen nicht nachzulassen. Wenn uns das gelingt, dann werden wir irgendwann auch unseren 170.000. Einwohner begrüßen dürfen – und zwar noch vor dem Jahr 2023!

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister