Kolumne des Oberbürgermeisters (20. April 2010)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

haben Sie den Begriff „Corporate Social Responsibility“ schon mal gehört? Was durch diesen Begriff ausgedrückt wird, ist von großer Bedeutung für uns alle. Es geht um die Verantwortung der Wirtschaft für unser gesellschaftliches Zusammenleben.

Es ist ganz einfach: Unternehmen sollen sich nicht mit Scheuklappen auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Sie sollen auch die Allgemeinheit im Blick haben. Vor allem: Die Menschen und die Umwelt. Zum Beispiel sollten Betriebe mit Schadstoffausstoß nicht immer die finanziell günstigsten, sondern ökologisch verträgliche Methoden anwenden. Darüber hinaus sollten Unternehmen sich (freiwillig) gesellschaftlich engagieren. Das heißt: Sie sollten Projekte unterstützen, fördern oder ermöglichen, die sonst nur schwer finanzierbar wären. In Kunst und Kultur, im Sport oder – hoffentlich weiter zunehmend – in der Bildung.

Wie sieht der Blick auf Oldenburg aus? Was machen unsere Betriebe? Kann man ihnen gute Zeugnisse ausstellen? Ja, man kann! Und nicht nur das. Einige bekommen sogar sehr gute Noten. Aus verschiedenen aktuellen Anlässen will ich auf einige von ihnen blicken. Und wenn dabei die „üblichen Verdächtigen“ auftauchen, dann ist das kein Zeichen von Einfallslosigkeit. Dann ist das ein Signal dafür, dass diese Unternehmen eine ganz besondere Rolle für unsere Stadt spielen, für die wir sehr dankbar sein dürfen. Ich bin es jedenfalls. Und ich weiß große Teile der Bevölkerung hinter mir.

Wenn man diese Gedanken denkt, dann kommt man an der EWE AG nicht vorbei. Ihre gesellschaftliche Verantwortung hat sie schon sehr häufig unter Beweis gestellt, zuletzt am 12. April mit der Eröffnung der „Alten Fleiwa“. Mit der Sanierung dieses historischen Gebäudes hat sie ein Industriedenkmal und ein Stück Oldenburger Identität erhalten. Zudem hätte die EWE mit der BTC auch nach Bremen ziehen können. Einige waren dafür. Doch sie tat es nicht. Weil sie sich zum Standort Oldenburg bekennen wollte; auch wenn das sicherlich nicht ganz billig war. Ich schätze dieses Verhalten sehr – und freue mich, dass es bei der EWE fest zur Unternehmensphilosophie gehört. Sie tut grundsätzlich mehr als sie tun müsste. Und sie hat Stadt und Region dabei immer im Blick. Keine Frage: Ohne sie wäre es in Oldenburg auf kultureller, sportlicher, wissenschaftlicher und sozialer Ebene sehr viel leiser, ruhiger und ärmer. All das zeigt, dass die EWE sich ihrer Verantwortung sehr bewusst ist – und dass sie diese Verantwortung gern übernimmt.

In jüngster Vergangenheit hat einer anderer großer Name verstärkt auf sich aufmerksam gemacht: Die CeWe Color AG. Dem Vorsitzenden des Vorstandes, Dr. Rolf Hollander, durfte ich am 15. April den „Oldenburger Bullen“ – unseren Preis für besondere Verdienste in Wirtschaft und Wissenschaft – verleihen. Er bekam ihn für herausragende unternehmerische Leistungen, von denen ein großer Teil auch die Allgemeinheit betraf. Zum Beispiel die Haltung Dr. Hollanders im ersten Halbjahr 2007, als internationale Finanzinvestoren das Unternehmen attackierten. Zum ersten Mal lehnte sich ein deutscher Mittelständler öffentlichkeitswirksam gegen vermeintlich übermächtige Investoren auf. Das hatte es bis dahin – in dieser scharfen Form – nicht gegeben. Mit Rolf Hollander an der Spitze kämpfte CeWe Color dagegen, von den Hedge Fonds ausgesaugt zu werden – und damit für den Erhalt von insgesamt 2.700 Arbeitsplätzen. Hollander hat nicht das getan, was am leichtesten war. Er hat das getan, was für das Unternehmen, für die Gesellschaft und für Oldenburg am besten war. Ich habe Hochachtung davor. Ebenso vor dem weiteren gesellschaftlichen Engagement von CeWe Color, z.B. im Sponsoring oder beim Engagement für den Studiengang „Innovationsmanagement“. Auch dieses Unternehmen ist ein Glücksfall für unsere Stadt.

Mit der EWE und CeWe Color habe ich zwei der größten Oldenburger Firmen genannt. Es kommen aber ständig neue Betriebe nach. Am 16. April zum Beispiel hat die junge Firma De.EnCon GmbH – ein Spezialist für Wasser- und Abwasseraufbereitung – den Umzug in sein neues Geschäftsgebäude gefeiert. Dieses Unternehmen existiert gerade erst acht Jahre. Es ist noch zu klein und zu jung, um als großer Gönner auftreten zu können. Jedoch passen die Philosophie des Unternehmens – und das klare Bekenntnis zum Standort – hervorragend nach Oldenburg. Auch darüber freue ich mich.

Natürlich – und zu unserem Glück – lässt sich die Liste hervorragender Oldenburger Unternehmen noch erweitern. Um die Öffentlichen Versicherungen, die OLB, die LzO, die BLB (nebenbei bemerkt: drei Banken, die die größte Finanzkrise der Geschichte ohne größere Schäden überstanden haben!) und um viele andere. Es geht hier aber nicht um Namen. Es geht hier um unsere Wirtschaftsszene. Und wir dürfen sehr beruhigt – oder besser gesagt: sehr erfreut – feststellen, dass die Oldenburger Unternehmen sich ethisch und moralisch korrekt verhalten und sich – ganz eindeutig – als ein Teil der Gesellschaft verstehen. Sie übernehmen Verantwortung. Und sie tun es gern. Und das macht Oldenburg noch stärker.

Ihr
Gerd Schwandner
Oberbürgermeister