Kolumne des Oberbürgermeisters (20. August)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

der August ist der wahre April. Zumindest gibt er sich sehr viel Mühe, diesen Eindruck zu erwecken. Warm, kalt, nass, trocken, nass, nass, nass. So in etwa fühlten sich die letzte 3 Wochen an. Die letzten 3 Stunden übrigens auch. Keine Frage: Die Wetterlage muss stabiler werden. Und zwar schnell. Denn bald ist Stadtfest!

Dieser Begriff weckt in Oldenburg eine Menge positiver Assoziationen. Die allermeisten Oldenburgerinnen und Oldenburger wissen irgendeine schöne Anekdote im Zusammenhang mit dem Stadtfest zu erzählen. Viele auch mehrere. Und für echte Stadtfestfans besteht das Jahr sowieso nur aus zwei Teilen: 3 Tage Stadtfest – und 362 Tage Vorfreude. In diesem Jahr reicht die Strahlkraft sogar noch weiter als üblich. Genauer gesagt: Bis nach Berlin. Zur Eröffnung wird nämlich unser Kohlkönig Karl-Theodor zu Guttenberg zu Gast sein. Ich hätte ihn zwar noch lieber mit seinem Kumpel Tom Cruise auf dem Filmfest gesehen. Aber das wäre möglicherweise am Budget gescheitert. Deshalb freue ich mich sehr, dass er beim Stadtfest dabei ist und mit seinem Kohlvolk ein Bierchen trinkt. Oder zwei.

Der Besuch unseres Kohlkönigs rückt ein Thema in den Mittelpunkt, das in Zusammenhang mit dem Stadtfest bisher selten öffentlich diskutiert wurde, obwohl es – bei einer Ansammlung von mehreren Zehntausend Menschen pro Abend – durchaus Anlass dazu gäbe: Die Sicherheit. Für „KT“ ist natürlich bestens gesorgt; schließlich genießt ein Verteidigungsminister einen hohen Sicherheitsstatus. Aber was ist eigentlich mit den anderen Gästen? Mit den „ganz normalen“ Leuten? Sind sie sicher? Fragen wie diese haben sich bei den Vorbereitungen schon immer gestellt; seit der Loveparade haben sie aber eine ganz neue Beachtung gefunden. Der tragische Tod von 21 überwiegend jungen Menschen hat uns wieder einmal vor Augen geführt, welch große Verantwortung die Organisatoren von Großveranstaltungen tragen. Ich begrüße die entsprechende Diskussion sehr.

Vielfach hieß es, wir alle müssten unsere Lehren aus dem Unglück ziehen. In Oldenburg sind wir dazu gerne bereit. Unsere lokalen Veranstalter agieren erfahrungsgemäß zwar sehr zuverlässig und natürlich achtet auch die Stadt als Genehmigungsbehörde auf ein Höchstmaß an Sicherheit. Dennoch nehmen wir aus den Geschehnissen eine Selbstverpflichtung zu noch höherer Aufmerksamkeit und noch größerer Gewissenhaftigkeit mit. Allerdings bewegen wir uns bereits auf einem sehr hohen Niveau. Veranstalter, Polizei und Verwaltung arbeiten seit vielen Jahren vertrauensvoll zusammen. Für das Stadtfest zum Beispiel existiert ein gemeinsames Sicherheitskonzept, das in über 30 Jahren für addiert 10 Millionen (!) Menschen eine sichere Feier gewährleistet hat. Wir wissen: Das Verhältnis von Spaß und Sicherheit ist proportional: Je lockerer und unbeschwerter eine Party wirken soll, desto akribischer müssen die Vorbereitung und die Organisation sein. Das gilt ganz besonders Veranstaltungen wie das Stadtfest, die betont „gesellig“ sind. Doch zum Glück muss ich das keinem Beteiligten erklären. Dieses Prinzip kennen alle. Schließlich steht das Thema Sicherheit bei unserer größten Party nicht erst seit 2010 auf der Agenda, sondern seit 1975. Dem Jahr, in dem sie erstmals stattfand.

Die gute Bilanz der vergangenen Jahrzehnte zeigt, dass Sicherheit auf dem Stadtfest ein Leitthema ist. Zwar gab es auch hier immer wieder kleinere Unfälle; auch mal heikle Situationen. Das ist niemals auszuschließen, wenn so viele Menschen zusammen feiern. Dass es dennoch nie zu größeren Schäden oder gar Unglücken gekommen ist, verrät einiges über die hohe Qualität des Sicherheitskonzeptes. Ich freue mich sehr darüber, dass alle Beteiligten in Oldenburg so gewissenhaft zusammenarbeiten – und es mit der jüngsten Mahnung aus Duisburg auch weiterhin tun werden. Deshalb können Sie in diesem Jahr wieder einmal völlig beruhigt zum Stadtfest gehen – in der Gewissheit, dass alles Menschenmögliche getan wird, damit Sie sicher sind und sicher bleiben.

Jetzt müsste der August nur noch seine April-Allüren ablegen. Das können wir im Gegensatz zur Sicherheit leider nicht beeinflussen. Aber ich bin trotzdem guter Dinge. Schließlich ist Stadtfest! Da wird Petrus schon ein Einsehen haben. Also: Wir sehen uns – wohl behütet und trockenen Fußes – an den Bühnen, Ständen und Buden in der Innenstadt!

Ihr
Gerd Schwandner
Oberbürgermeister