Kolumne vom 22. Mai 2007

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

Es war zwar keine Bombe, die vor wenigen Wochen platze – aber eine Nachricht, die aufhorchen ließ, war es auf jeden Fall: Oldenburg bewirbt sich um den Titel „Stadt der Wissenschaft 2009“.

Die ersten Reaktionen auf diese Pläne waren äußerst positiv. Viele Beteiligte zeigten sich überzeugt davon, dass Oldenburg – nach dem vergeblichen Anlauf in 2003 – nun eine echte Chance haben könnte, erfolgreich zu sein. Zu dem Enthusiasmus bei den Fachleuten gesellte sich bei manchem Außenstehenden allerdings auch Achselzucken. Stadt der Wissenschaft – so weit, so gut. Aber was bedeutet das eigentlich? Eine berechtigte Frage.

Wissenschaft ist für viele Menschen ein ziemlich abstraktes Gebilde. Man denkt dabei an komplizierte Dinge, die man nicht so recht versteht – und vielleicht auch gar nicht verstehen will. Auf jeden Fall an irgendetwas, das weit weg ist vom „realen Leben“ und meistens hinter verschlossenen Türen passiert. Genau das soll Wissenschaft aber nicht sein – sondern das Gegenteil. Wissenschaft ist spannend wie kaum etwas anderes. Denken Sie nur an die Physik oder an die Biologie. Täglich wissen wir mehr über das Universum oder über uns Menschen. Und nicht zuletzt ist es die Wissenschaft, die uns das Leben ermöglicht, das wir heute führen. Auto, Fernsehen, Computer – ohne sie wäre all das unvorstellbar. 

Wieso, fragt man sich, genießen Forschung und Entwicklung dann so eine Art Außenseiterstatus in unserer gesellschaftlichen Wahrnehmung? Das ist gleich aus mehreren Gründen schade. Oder sogar ärgerlich. Denn den vielen Menschen, die sich mit diesem Thema nicht beschäftigen mögen, entgeht eine gleichermaßen faszinierende wie bereichernde Erfahrung. Deshalb sollten wir dringend etwas daran ändern. Und das tun wir mit unserer Bewerbung als Stadt der Wissenschaft 2009. 

Oldenburg mag zwar kein bekanntes Max Planck- oder Fraunhofer-Institut haben. Aber darum geht es auch gar nicht. Unser Vorteil lautet: In Oldenburg gibt es keinen Monolithen, kein Forschungsschwergewicht, das wie ein Gravitationsfeld alle Kräfte anzieht. Wissenschaft ist bei uns ein Netz, das sich über weite Teile der Stadt spannt. Unsere junge Universität und unsere FH darf man sicherlich als Motoren bezeichnen. Geforscht wird aber vom Hinterhof bis zum Speziallabor – mit dementsprechend vielfältigen Herangehensweisen und Ergebnissen. Campus Stadtgebiet – so könnte man das nennen.

Es kommt zudem auch gar nicht darauf an, welche Stadt absolut gesehen die stärkste Wissenschaftslandschaft hat. Da wären die großen Metropolen von vornherein im Vorteil. Die bisherigen Preisträger spielen aber eher in der Liga der mittelgroßen Städte. Die Städte der Wissenschaft 2007 (Braunschweig) und 2008 (Jena) belegen in der Rangliste deutscher Großstädte Platz 29 bzw. 80 – während Oldenburg auf 50 liegt. Größe ist also nicht der entscheidende Faktor – sondern statusunabhängige Kriterien wie Kreativität und Engagement. Und was diese Kategorien betrifft, sehe ich Oldenburg in sehr guter Position.

Es wird nun darum gehen, unsere bestehenden Stärken auszubauen und Forschung und Wissenschaft noch weiter mit der Gesellschaft zu vernetzten. Die Hochschulen und Institute also nicht als Elfenbeintürme zu begreifen, sondern als lebendige Bestandteile der Stadtgesellschaft. Erste Schritte sind wir auf diesem Weg schon gegangen – und wir werden noch viele weitere tun. Ganz unabhängig davon, ob wir am Ende den Titel erringen – Oldenburg wird seinen Status als „Stadt der Wissenschaft“ weiter stärken. Und das wird ihr gut tun.

Es ist aber gewiss nicht so, dass wir uns „just for fun“ bewerben. Ich halte das Olympische Motto – „Dabei sein ist alles“ – zwar für ehrenwert. Aber manchmal sollte man seine Ansprüche höher schrauben. Nämlich dann, wenn man sich berechtigte Hoffnungen auf Erfolg machen darf. Und was unsere Bewerbung betrifft, tue ich das. Das mag angesichts der starken Konkurrenz etwas überheblich klingen. Das ist es aber nicht. Selbstbewusst vielleicht – aber nicht überheblich. Und selbstbewusst darf eine Stadt mit den wissenschaftlichen Qualitäten Oldenburgs durchaus sein.

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister