Kolumne des Oberbürgermeisters (23. Dezember 2013)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

wenn man den obligatorischen Jahresrückblicken im TV glauben darf, dann hat ein Jahr nicht mehr zwölf, sondern nur noch elf Monate. Die laufen nämlich seit Ende November. Und wenn diese Rückblicke halbwegs repräsentativ waren, dann war 2013 ein überraschend oberflächliches Jahr.

Allerdings sind sie genau das nicht: repräsentativ. Das können sie nicht sein, dafür ist einfach zu viel passiert. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass 2013 wie gewohnt zwölf Monate hatte – und dass sehr viel mehr passiert ist, das denk-/diskussionswürdig und erinnernswert war, als dort gezeigt wurde. Es gab mehr als einen breiten Boulevard mit Gangnam Style und Grumpy Cat. Es gab auch Mali, Obama, Weil, Wanka, Xi Jinping, Franziskus, Boston, Dhaka, Hoeneß, Taksim, NSU, Zensus, Hochwasser, Snowden, NSA, Rohani, Mursi, Berlusconi, Ghuta, Sichuan, Tebartz-van Elst, Merkel, FDP, Government Shutdown, Lampedusa, Alltime-High, OPCW, Haiyan, Xaver, Mandela, GroKo, Yutu – um mal nur das Nötigste zu nennen.

Vieles von dem geht auch uns Oldenburgerinnen und Oldenburger etwas an, manches betrifft uns sogar direkt. Aber natürlich hatten wir im Jahr 2013 auch unsere eigene Geschichte – die ebenso denk-/diskussionswürdig und erinnernswert war wie die globalen Themen. Und weil es uns so unmittelbar betrifft, thematisiere ich das etwas ausführlicher als nur im Schlagwortstakkato. Allerdings wirklich nur „etwas“. Wenn ich alle wichtigen Ereignisse und Entwicklungen angemessen beschreiben und bewerten wollte, dann säße ich im Januar noch hier. Deshalb: Kurz und knackig, ohne Anspruch auf Vollständigkeit – nur als kurze Erinnerung daran, was alles war. Zum Beispiel…

…Indienststellung der Korvette „Oldenburg“, Wirtschaftswoche-Jahrestagung „Neustart Kommune“: Oldenburg als Vorbild, Baubeginn Diakonie-Suchtklinik: Startschuss Weißer Campus, 100. Geburtstag Leo Trepp: Erinnerung an den Rabbiner und Ehrenbürger, Baustart Alter Stadthafen: Aussichtsreiche Lage, Einweihung der großen EWE-Arena: Höhere Qualität – doppelte Kapazität, Eröffnung „De Duitse Ambassade“ in Groningen: Oldenburgs erste Auslandsvertretung, Deutscher Entwicklungstag 2013: Oldenburg ist offizieller Standort, Zensus 2011: Oldenburg drittgrößte Stadt Niedersachsens, VCÖ-Studie: Oldenburg ist deutsche Fahrradhauptstadt, CSD Nordwest: 9.500 Teilnehmer und Besucher, Kultursommer: Verdichtet aber unverzichtbar, 1. Freifeld Festival: Kunst – Kultur – Kaserne, 38. Stadtfest: Party für alle, 20. Internationales Filmfest: Besucherrekord zum Jubiläum, Großes Stadtsiegel für Seymour Cassel: Oldenburgs Mann in Hollywood, Erster Spatenstich Technologiepark: Mehr Platz für Entrepreneure, 10 Jahre Technologie- und Gründerzentrum: Zukunft hat ein Zuhause, Ausstellung Marc Chagall: Großer Name – große Kunst, Medizinische Partnerschaft mit Dalian (China): Zusammenarbeit auf Augenhöhe, Kooperationsvereinbarung „Weltoffene Oldenburger Wirtschaft“: Integration in Unternehmen, 406. Kramermarkt: Die fünfte Jahreszeit, Demographie-Tagung „Neue Urbanität“: Positive Impulse, Gutachten Straßennamen: Geschichte auf dem Prüfstand, Oldenburg Marathon: Schlechtes Wetter, beste Stimmung, Baubeginn Donnerschwee-Kaserne: 139 neue Wohnungen im Thomasblock, Preis für Zivilcourage: Lob für Vorbilder, Ankauf des Fliegerhorstes: Eine neuer Stadtteil, KIBUM und Kinder- und Jugendbuchpreis: Bildungs- und Leseförderung vom Feinsten, Einweihung Gedenkwand für Jüdische Opfer: Eindringliche Erinnerung, Prognos-Zukunftsatlas: Oldenburg mit Zukunftschancen, 20. Kontaktpunkt Wirtschaft: Ideales Format für unternehmerische Kommunikation, Klimapartnerschaft Buffalo Metropolitan Municipality (Südafrika): Umwelttechnologie & Internationalität, Lambertimarkt: Viel mehr als ein Zipfelmützenverkaufsverbot, 40 Jahre Carl von Ossietzky Universität: Der wichtigste Standortfaktor Oldenburgs feiert, IW Consult Städteranking: Oldenburg zehnt-dynamischste Großstadt Deutschlands und mit bundesweit bester Kita-Platz-Versorgung, 4. Integrationspreis: Zwei Sportvereine machen’s vor, Einigung mit der Wagenburg: Umzug – keine Räumung, Haushaltsdebatte: Große Einigkeit und ein kleines Plus, Richtfest StudierendenServiceCenter: Uni noch attraktiver, Erster Spatenstich Bahnhaltepunkt Wechloy: Ein Hauch von S-Bahn, Fertigstellung Minarett der Haci Bayram Moschee: Symbol für kulturelle Vielfalt, Rückzahlung Kassenkredite: Meilenstein für den Haushalt, diese Kolumne: Der Schlussstrich unters Jahr.

Diese Liste ist natürlich alles andere als vollständig. Viele wichtige Momente fehlen. Gerne hätte ich mir deshalb noch mehr Zeit für den Rückblick genommen. Ich habe aber das Gefühl, dass immer etwas fehlen würde – ganz egal, wie lange man nachdenkt. Und das ist keine Ungenauigkeit, das ist ein Kompliment für unsere Stadt. Sie ist lebendig und dynamisch, vielfältig und abwechslungsreich, attraktiv und lebenswert. Wir sind einfach auf dem richtigen Weg – und diesen Weg wollen wir nächstes Jahr gemeinsam weitergehen. Auch wenn die Jahresendkolumne dadurch nicht einfacher wird.

Zunächst aber steht der Jahresabschluss im Vordergrund. Damit meine ich nicht nur das Bilanzieren, sondern auch das Runterfahrern, das Gangrausnehmen, das Innehalten, Ausruhen, Kraftschöpfen. All das ist hoffentlich auch für Sie möglich, wenn nun die alljährliche Besinnlichkeit einkehrt. Ich wünsche Ihnen schöne Weihnachtstage und einen angenehmen Jahresausklang – wie auch immer Sie ihn gestalten. Und danach geht es mit voller Kraft voraus, in einen weiteres spannendes Jahr für Oldenburg – das ziemlich sicher wieder zwölf Monate haben wird.

Ihr Gerd Schwandner