Kolumne des Oberbürgermeisters (24. August)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

am 31. August 2009 tagt der Rat der Stadt Oldenburg nicht im PFL, sondern an der Carl von Ossietzky Universität. Der Tagungort symbolisiert die große Verbundenheit zwischen Oldenburg und seiner Universität. Ich hoffe allerdings, dass es nicht bei Symbolik bleibt. Schließlich steht unter Tagesordnungspunkt 8.1 eine Entscheidung an, die unseren Wissenschaftsstandort bereichern und ein Gewinn für alle Bürgerinnen und Bürger sein kann. Es geht um das Schlaue Haus.

Der Name steht für die intelligenten Inhalte des geplanten Wissenschaftshauses. Über die Grundzüge des Projekts habe ich schon ausführlich berichtet. Kolumnen zu diesem Thema finden Sie hier und hier. An dieser Stelle noch einmal die Essenz: Das Schlaue Haus könnte inhaltlich und architektonisch ein Wahrzeichen mit Symbolcharakter für unsere Stadt werden.

Seit längerer Zeit wird über das Haus öffentlich diskutiert. Viele Menschen nehmen auf diese Weise an seinem Entstehungsprozess teil. Die Meinungen sind kontrovers, aber genau das ist für die Entwicklung eines solchen Projektes durchaus hilfreich.

Schon jetzt findet das „Schlaue Haus“ eine große und breite Unterstützung: Beide Hochschulen und andere wissenschaftliche Einrichtungen stützen es, ebenso wie viele Sponsoren aus der Wirtschaft. Bei diesen Unterstützern möchte ich mich herzlich bedanken.
Allen voran aber bei den Kolleginnen und Kollegen aus der Politik, die das Schlaue Haus bislang wohlwollend-kritisch oder durchweg positiv begleitet haben. FDP und WFO haben die Idee des Kompetenzzentrums Alter eingebracht und so das Profil des Hauses geschärft. Die SPD hat Ende Mai eine Ratsvorlage entwickelt und so den Weg für die aktuellen Planungen geebnet. Die CDU hat das Projekt von Beginn an unterstützt. Die Grünen und die Linken setzen sich intensiv mit dem Vorhaben auseinander. Ich hoffe, dass im Abwägungsprozess die Vorteile überwiegen werden. Es wäre ein gutes Signal für unsere hiesige Wissenschaft, wenn wir das „Schlaue Haus“ gemeinsam beschließen würden.

Die Finanzierung will ich offen ansprechen. Während beim Bau des Hauses (Kosten ca. 3,5 Millionen Euro) für die Stadt keine zusätzlichen Kosten hinzu kommen, da das Land und Sponsoren unterstützen, müsste die öffentliche Hand einen Teil der laufenden Kosten übernehmen. Ich bin aber der Meinung, dass man gerade in einer Krise in die Zukunft investieren sollte. Das heißt aber nicht, dass Geldausgeben per se eine gute Idee ist. Jede Investition gehört auf den Prüfstand, auch das Schlaue Haus. Die Kosten, die der Stadt Oldenburg entstünden, minimierten sich in den vergangenen Tagen, weil immer mehr Unterstützer eingestiegen sind. Von der Universität und Fachhochschule über Sponsoren bis zum neu gegründeten Freundeskreis für das Schlaue Haus (in dem sich kleinere und mittlere Unternehmen und Privatleute engagieren) reicht mittlerweile der Kreis der Förderer. In Relation zur Größe und Bedeutung des Objekts bekommt die öffentliche Hand das Schlaue Haus zu sehr günstigen Konditionen. Ein jährlicher Zuschuss von 34.000 Euro für einen Ort des gesellschaftlichen Diskurses, für einen Kristallisationspunkt der Zukunft in der Gegenwart, für ein architektonisches Glanzlicht, für ein neues Identifikationsobjekt Oldenburgs und für eine Fortschreibung unseres (ebenfalls gemeinsam erzielten) Erfolgs als Stadt der Wissenschaft. Das sind 0,01 Prozent des jährlichen Verwaltungshaushaltes der Stadt Oldenburg – oder etwa so viel wie uns 15 Meter Straßenbau kosten.

Das Schlaue Haus ist ein Projekt der gesamten Stadt – für die gesamte Stadt. Hier deuten Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Politik an, zu was Oldenburg imstande ist, wenn man gemeinsam an einer Sache arbeitet. Politisch wäre es ein umso stärkeres Zeichen für unsere Stadt, wenn es uns so kurz vor der Bundestagswahl gelingen würde, dieses zukunftsweisende Projekt gemeinsam zu verabschieden, um unseren Bürgerinnen und Bürgern die Themen Wissenschaft und Zukunft dauerhaft näher zu bringen.

Ihr
Gerd Schwandner

Oberbürgermeister