Kolumne des Oberbürgermeisters (25. Mai)

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

in den vergangenen Wochen war in unserer Stadt immer wieder die Rede von einem Schlauen Haus. Der Gedanke dahinter: Eines der ältesten Gebäude der Stadt soll durch einen architektonisch ambitionierten Neubau ergänzt werden – und danach als ein „Blick in die Zukunft“ dienen. Es wäre ein optischer und inhaltlicher Brückenschlag zwischen dem 16. und dem 21. Jahrhundert. Ein halbes Jahrtausend in einem Bau – das wäre spektakulär.

Aber treten wir kurz auf die Bremse. Ein Schlaues Haus? Was soll das eigentlich sein? Kann ein Haus – diese Mischung aus Steinen, Mörtel und Zement – überhaupt schlau sein? Es kommt ganz darauf an, was man sich darunter vorstellt. Wenn man in einem Gebäude nur vier Wände und ein Dach sieht – dann eher nicht. Wenn man ein Haus dagegen als einen Ort der Begegnung und des Austauschs begreift – dann eindeutig ja.

Genau das soll unser Schlaues Haus sein. Wobei es sogar in doppeltem Sinn schlau sein würde. Zum einen deshalb, weil es bautechnisch und energetisch die Standards von Übermorgen erfüllen soll. Das Ziel heißt Nullenergie. Zum anderen deshalb, weil es auch der Rolle als Forum und Treffpunkt gerecht wird. Das Schlaue Haus soll derjenige Ort sein, an dem Oldenburg die Zukunft thematisiert und diskutiert. Auf populärwissenschaftlicher Ebene – und darüber hinaus. Damit könnte es zu einem Instrument der Stadtentwicklung und der Bürgerbeteiligung werden.

Es ist gut für Oldenburg, dass sich dieses Projekt auf dem Weg befindet. Das Schlaue Haus würde unsere Stadt bereichern. Erst recht, wenn es so umgesetzt wird, wie es jetzt angedacht ist. Die vorliegenden Entwürfe des international so renommierten Architekturbüros Behnisch sind exzellent – sowohl optisch als auch funktional. Ich wiederhole mich gerne: Ich bin sehr, sehr, sehr glücklich mit diesen Entwürfen. Wer sich dafür interessiert: Eine Powerpoint-Präsentation finden Sie hier » (PDF 2,9 MB)

Eine Frage ist allerdings noch offen. Eine Frage, die sich in der Stadtentwicklung immer wieder stellt: Sind wir lieber vorsichtig – oder wagen wir was? Ich will keine dieser beiden Positionen prinzipiell als die bessere bezeichnen. In diesem Fall aber schon. Hier sollten wir was wagen! Wir haben am Schlossplatz 16 die große Chance, an einem zentralen Ort in unserer Stadt ein architektonisches Glanzlicht zu setzen. Etwas, das zu einem Markenzeichen taugt. Etwas, das optisches Symbol der Übermorgenstadt sein kann. Und das noch dazu Alt und Neu auf faszinierende Weise kombiniert.

Momentan gucken wir oft nach Groningen, wenn wir gute Architektur sehen wollen. Man darf durchaus mal fragen warum. Groningen ist eine Stadt ähnlicher Größe, ähnlicher Lage und ähnlicher Mentalität. Trotzdem sind uns die Groninger in Sachen Architektur deutlich voraus. Weil sie mehr können? Nein. Das sicher nicht. Weil Sie mehr Mut haben? Das schon eher. Und wenn es tatsächlich am Mut liegt, dann sollten wir auch mal mutig sein. Es gibt schließlich kein Naturgesetz, dass die besonderen Projekte immer nur andere machen dürfen. Das geht auch hier in Oldenburg. Und das Schlaue Haus ist eine exzellente Gelegenheit dafür.

Das Besondere in diesem Fall: Wir würden die Akzente nicht nur äußerlich, sondern auch inhaltlich setzen. Das Schlaue Haus soll ein Ort des zukunftsorientierten Dialogs sein. Genau darum geht es: Um den Dialog. Die Besucher sollen keine Konsumenten sein. Das Schlaue Haus soll dazu einladen, sich ernsthaft mit der Zukunft auseinanderzusetzen. Mit ihren Möglichkeiten – aber auch mit ihren Risiken. Deshalb würde das Haus auch keine reine Technikschau sein. Es soll für alle zukunftsrelevanten Themen sensibilisieren. Das betrifft globale Inhalte ebenso wie individuelle Angelegenheiten. Klima und Energie ebenso wie Wohnen und Leben - und dort besonders das Alter.

Mit dem Schlauen Haus bekäme Oldenburg einen Ort, an dem wir gemeinsam über unsere Zukunft diskutieren können. Ganz offen und ganz direkt. Damit führte dieses Haus die Entwicklung fort, die wir in diesem Jahr mit dem Titel Stadt der Wissenschaft begonnen haben. Die große Resonanz und die positiven Reaktionen auf unsere Veranstaltungen zeigen ganz deutlich, dass wir mit dem Vorhaben, Wissenschaft zugänglicher und populärer zu machen, genau richtig liegen. Wir haben damit einen Funken geschlagen. Ich finde, wir sollten das so angefachte Feuer nicht wieder ausgehen lassen.

Über dem Eingang des Alten Rathauses steht der Satz: „Erst wäg’s – dann wag’s“. Den ersten Teil haben wir getan. Den zweiten sollten wir jetzt folgen lassen.

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister