Kolumne des Oberbürgermeisters (26. November)

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

ich habe kurz überlegt, dieses Mal eine Kolumne zum Lambertimarkt zu schreiben. Schließlich hat er am 25. November begonnen – und wird uns durch die Vorweihnachtszeit begleiten. Allerdings hielt mich letztlich etwas davon ab: Ich habe das nämlich schon im vergangenen Jahr getan. Wer Interesse daran hat, kann den entsprechenden Text noch im Archiv finden – oder über diesen Link ». Und ansonsten gilt wie in 2007: Hingehen! Genießen! Und dabei das Shoppen in der City nicht vergessen!

Statt um den Lambertimarkt soll es in dieser Kolumne um etwas anderes gehen. Dabei nehme ich wieder mal Bezug auf einen Artikel aus der NWZ. Sie haben es sicher schon bemerkt: Ich habe das an dieser Stelle schon öfter getan. Das liegt nicht unbedingt daran, dass ich keine andere Tageszeitung lesen würde. Die Financial Times Deutschland zum Beispiel gefällt mir auch ganz gut. Die NWZ ist aber nun mal „unser“ tägliches Oldenburger Zeitungsmedium.

So, jetzt aber zur Sache: Ich denke bei besagtem Artikel an den Bericht über die Pläne für das Areal an der Weser-Ems-Halle. Vielleicht haben Sie ihn gesehen oder davon gehört. Was dort geplant ist, klingt spektakulär: Ein Stadion, eine Kulturhalle, eine Beachvolleyball-Arena und eine überdachte Surfanlage. Noch dazu ein großer See mit Wasserski und Wakeboard, einer künstlichen Kajakstrecke und einem Sandstrand. Wer beobachtet, wie viele Oldenburgerinnen und Oldenburger im Sommer nach Nethen fahren, kann leicht erahnen, welches Potenzial das hätte. Wobei Oldenburg noch eins draufsetzen könnte: Eine Freizeitmeile mitten in der Stadt hätte einen ganz eigenen Reiz.

Also, wann geht’s los, wann rollen die Bagger an? Ich sage es nur ungern – aber das weiß derzeit noch niemand. Ich will kein Spielverderber sein, aber ich möchte die Pläne ein bisschen „erden“. Es gibt nämlich einen Haken an der Sache: Das Investitionsvolumen liegt bei zirka 50 Millionen Euro. Natürlich gibt es Investoren, die über solche Mittel verfügen. Doch die muss man erstmal finden – und dann von einem Investment überzeugen. Das ist nicht so einfach, wie es klingt. Deshalb registriere ich die (übrigens nicht ganz neuen) Pläne zwar mit großem Interesse – aber auch mit Zurückhaltung.

Trotzdem freue ich mich sehr über die gemeinsame Initiative des Büros Iven & Feeken und der Firma flyerheaven. Es geht nämlich gar nicht nur darum, dieses Projekt unbedingt in vollem Umfang zu realisieren. Genauso wichtig ist das Signal, das von ihm ausgeht: Es gibt Menschen in unserer Stadt, die sich Gedanken über den Standort Oldenburg machen – und damit auch an die Öffentlichkeit gehen, Denkanstöße liefern und zur Diskussion anregen. Das halte ich für wichtig. Eine Stadt lebt von der Vielfalt ihrer Ideen und von ihrer Kreativität. Wenn es um schiere Größe oder finanzielle Kraft geht, hat Oldenburg im Vergleich mit einigen anderen Städten sicherlich Nachsehen. Solche Nachteile lassen sich aber wettmachen – und dafür sind originelle Einfälle eine Schlüsselgröße. Mit guten Ideen (und Geld) lassen sich Standortfaktoren schaffen, die eine mittelgroße Stadt wie Oldenburg deutlich aufwerten können.

Wenn ein Projekt einmal nicht umsetzbar sein sollte, dann bedeutet das überhaupt nichts Schlechtes. Das heißt nur: Okay, in diese Richtung geht es jetzt (erstmal) nicht weiter. Aber immerhin wurde ein Denkprozess in Gang gesetzt, der zu Abwägungen, zu Entscheidungen und am Ende zu anderen Prioritäten geführt hat. Um herauszubekommen, wohin mal will, ist es oftmals ein erster Schritt zu wissen, wohin man nicht will. Wobei ich diesen Einschub nicht auf das angesprochene Projekt beziehen möchte. Da ist derzeit noch alles möglich!

Als gutes Beispiel dient es allemal. Ich wünsche mir unsere Stadt als einen großen „Think Tank“. Als einen Ort, an dem man sich Gedanken über morgen und übermorgen macht, diese Gedanken artikuliert und diskutiert und damit an der Gestaltung unserer Stadt teilnimmt. Stadtentwicklung braucht zwar eine Strategie, die eine sinnvolle Richtung und wichtige Themen vorgibt. Diese Funktion übernimmt bei uns die Vision der Übermorgenstadt. Doch darunter befindet sich ein Tummelplatz für Einfälle und Ideen. Denkverbote gibt es nicht. Natürlich zerschellen manche Träume an der harten Wand der (finanziellen) Realität. Ab und zu gelingt es aber, einen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Und dafür lohnt es sich zu denken, zu überlegen und zu planen.

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister