Kolumne des Oberbürgermeisters (26. Februar 2010)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

eine Bevölkerungsgruppe ist mir zurzeit besonders sympathisch: Die Meteorologen. Warum? Ganz einfach: Während Astronomen den Frühlingsbeginn auf den 20. März datieren und Pflanzenkundler auf den Blühbeginn der Schneeglöckchen warten, nennen die Meteorologen klipp und klar den 1. März. Wie immer. Können wir die Mäntel also wieder einmotten?

Wohl nicht. Es ist eindeutig zu früh, um diesen Winter für beendet zu erklären. Niemand weiß, wie lange er uns noch begleitet. Wahrscheinlich bis Anfang Juni. Sobald es einige Tage taut, erlebt der Winter ein Comeback und man blickt morgens – mal wieder – auf ein schneeweißes Oldenburg. Das sieht zwar immer noch wunderbar aus. Aber man kann sich bekanntlich auch an den schönsten Dingen satt sehen. Zumal es in diesem Fall nicht bei der Optik bleibt.

Der Winter wurde in diesem Jahr zu einem Ärgernis. Man erinnere sich nur an das Hickhack um die Schulöffnungen. Da hat die Stadt zeitweise kein gutes Bild abgegeben. Ich werbe aber für Verständnis. Es ist nicht leicht (bzw. unmöglich), es allen recht zu machen. Was die einen Wetterchaos nennen, bezeichnen die anderen als normalen Winter. Zudem war Petrus in diesem Jahr ein extrem unsicherer Kantonist. In vielen Fällen waren die Entwicklungen für niemanden absehbar. Ich finde: Angesichts dieser Umstände haben wir uns akzeptabel geschlagen. Und deswegen danke ich den zuständigen Mitarbeitern herzlich für ihre gute Arbeit.

Mit Lob kann ich gleich fortfahren. Und zwar mit Lob für die Autofahrer. Wir erleben für Oldenburger Verhältnisse einen sehr strengen und damit gefährlichen Winter. Und was passiert auf unseren Straßen? Gemessen an den Verhältnissen nur wenig. Es ist der Umsicht und der Vorsicht der Autofahrer und der weiteren Verkehrsteilnehmer (und auch der Vorbildfunktion der VWG) zu verdanken, dass kaum schlimme Unfälle passiert sind und die verkehrlichen Folgen des Winters glimpflich verliefen. Ich freue mich sehr über dieses Verhalten. Denn es zeugt von Vernunft – und von Rücksicht.

Dass verhältnismäßig wenig passierte, haben wir zwei weiteren Faktoren zu verdanken: Erstens der exzellenten Arbeit der Straßenreinigung. Was die Mitarbeiter des AWB in diesem Winter geleistet haben, ist kaum in Worte zu fassen. Sie haben bei schlechtestem Wetter, zu unmöglichsten Zeiten und zudem ohne das notwendige Streugut für uns geschuftet. Sie haben tatsächlich geschuftet. Ein anderes Wort passt einfach nicht. Und deswegen danke ich im Namen der Oldenburgerinnen und Oldenburger herzlich dafür! Zweitens haben auch die Anwohner zur Entspannung der Lage beigetragen. Tausende fleißige Schneeschipper haben – häufig mehrmals am Tag – dafür gesorgt, dass die Wege vor ihrem Haus zumindest zeitweise frei blieben. Auch Frauen und sogar Kinder haben die Schaufel in die Hand genommen. Das bewundere ich. Und dafür danke ich

Eine andere Aufgabe müssen allerdings Fachleute übernehmen. Wir stehen in diesem Jahr vor der besonders großen Anforderung, unsere Straßen wieder sicher befahrbar zu machen. Sie haben die zahlreichen Schäden sicherlich bemerkt. Die Löcher ziehen sich durch das gesamte Stadtgebiet. Am besten wär’s, wir würden die betroffenen Straßen gleich ganz ausbauen. Das würde Schäden in Zukunft verhindern. Allerdings ist das derzeit kaum zu finanzieren. Der Winterdienst verursacht schon jetzt erhebliche Mehrkosten. Normalerweise kommen wir mit 50.000 Euro aus. In diesem Jahr hat sich der Betrag verfünffacht. Und die Straßenschäden kommen noch hinzu. Sie machen eine noch größere Summe aus. Der Winter kann die Stadt insgesamt gut und gerne 1 Million Euro (!) kosten. Das ist ein hoher Preis, erst recht angesichts unserer kritischen Haushaltslage.  Dennoch hoffe ich, dass die Löcher in unseren Straßen die Akzeptanz für Straßenbaumaßnahmen in Zukunft erhöhen werden. Schließlich sieht unsere Stadt dadurch nicht nur besser aus. Sie wird auch sicherer. Und das sollte uns etwas wert sein.

Ich hoffe aber, dass wir diese Fragen in den kommenden Monaten in aller Ruhe klären können. Richten wir unseren Blick erstmal darauf, dass die kalte Jahreszeit bald vorbei sein dürfte. Vielleicht haben die Meteorologen ja Recht mit dem 1. März? Das wäre fantastisch. Und falls nicht, starten Sie doch auch – wie viele andere – mit der Blumenschau in den Frühling. Sie beginnt am 4. März. Und dort sind zwei Dinge garantiert: Ganz viel Grün und noch mehr Buntes!

Ihr
Gerd Schwandner
Oberbürgermeister