Kolumne des Oberbürgermeisters (27. Juni 2013)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

endlich ist es soweit: die Herbstferien sind da, der Kulturherbst beginnt! Und das alles bei feinstem Novemberwetter!

Nein, ich übertreibe. Ganz so schlimm ist es zum Glück nicht. Wir haben zwar schon bessere Starts in den Sommer erlebt, aber wir lassen uns doch nicht vom Wetter entmutigen! Rein stochastisch muss nach diesem Winter und diesem Frühjahr irgendwann die Wärme einsetzen. Und spätestens dann kommt auch die entsprechende Stimmung, die gute Laune, die Leichtigkeit. Und das ist mehr als ein wiederkehrendes Sommerlochthema. Ich hätte heute beispielsweise auch über den EU-Beitritt der Türkei und unsere Position dazu schreiben können (was durchaus zur Debatte stand). Aber ich habe es nicht getan und mich bewusst für das Sommerthema entschieden, weil ich es für wichtig halte.

Warum? – Weil sich nicht immer alles um Kennziffern, Statistiken und Bilanzen drehen darf. Wir alle stehen im Alltag zeitweise unter großer Belastung. Die konsequente Ökonomisierung unserer Arbeitsumgebungen hat dazu geführt, dass der Erwartungs- und Leistungsdruck auf den Einzelnen zugenommen hat. Das muss nicht mit Vorgaben der Führungspersonen zu tun haben; wir machen uns diesen Druck auch selbst. Das immer höhere Tempo und die immer schnellere Taktung der Welt haben Auswirkungen auf (fast) jeden von uns. Das können wir nur bis zu einem gewissen Grad beeinflussen, ganz abstellen können wir das nicht. Umso wichtiger sind persönliche Reservoirs und Refugien, in die wir uns zurückziehen, in denen wir durchatmen und wo wir den Kopf freikriegen können. Umso wichtiger sind Urlaub, Freizeit, Erholung. Und dafür ist der Sommer da.

Egal, ob Sie die Ferien in wärmeren Gegenden verbringen oder ob Sie hier bleiben und sich mit dem Kultursommer in Stimmung bringen – genießen Sie die Zeit! Machen Sie bewusst weniger (oder mal gar nichts), seien Sie nicht effizient oder produktiv, vergleichen Sie sich nicht mit anderen, checken Sie nicht (oder seltener) Ihre E-Mails, verfolgen Sie nicht alles so intensiv wie sonst. Schonen Sie sich stattdessen und tun Sie, was Ihnen gefällt. Sie werden sehen, nach ein paar Tagen spüren Sie förmlich, wie sich Ihre Akkus aufladen.

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie die kommenden Wochen auf Ihre persönliche Weise genießen können. Die einen lassen die Seele baumeln, die anderen stürzen sich genussvoll in den Freizeitstress. Jeder tickt da anders. Wichtig ist, dass Sie Ihre Zeit auf eine Weise nutzen, die Sie (noch) zufriedener und glücklicher macht als der größtenteils fremdbestimmte Alltag.

Was auch immer Sie in den Ferien tun – tun sie es gern. Der Rest kommt von allein.

Ihr
Gerd Schwandner