Kolumne vom 27. Juli 2012

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

die Sommerferien haben begonnen. Endlich ausschlafen, ausruhen, entspannen, erholen. Aber gilt das auch für die Politik? Ja – und nein. In den Ferien schaltet der gesamte Politik- und Verwaltungsbetrieb zwar einen Gang zurück. Die Termine werden weniger, der Arbeitsdruck nimmt etwas ab. Zum Glück, muss man vor allem mit Blick auf die ehrenamtlichen Ratsmitglieder sagen. Aber gibt es tatsächlich eine Pause? Schließt jemand das Rathaus ab und macht es in sechs Wochen wieder auf? Nein, natürlich nicht. So etwas können und wollen wir uns nicht erlauben. Die erfolgreiche Oldenburger Entwicklung soll im Sommer keinen Dämpfer erhalten. Wir wollen den Spannungsbogen aufrechterhalten. Und dafür müssen wir aktiv bleiben, Pläne und Vorhaben weiterentwickeln – und natürlich Fragen klären und Probleme lösen, die Sie, unsere Bürgerinnen und Bürger, beschäftigen.

In Sachen Bahn zum Beispiel wurde mit dem Vergleich ein wichtiger Schritt getan. Viele Haushalte entlang der Strecke erhalten nun vorgezogenen passiven Lärmschutz. Dadurch konnten wir das größte Konflikt- und Störungspotenzial entschärfen. Das ist sehr wichtig mit Blick auf die Inbetriebnahme des Jade-Weser-Ports Ende September. Gut, dass dies vor den Ferien gelungen ist. Aber das heißt nicht gleichzeitig, dass wir nun die Füße hochnehmen können. Dieser Vergleich war nur ein Etappenziel auf einem längeren Weg – der uns vielleicht irgendwann zu einer „großen Lösung“ führt. Auch die Beteiligten an diesem Prozess haben sich Ruhe verdient. Aber wir müssen gleichzeitig wachsam bleiben und den Druck hoch halten. Denn eines ist sicher: Uns schenkt niemand was. Wenn wir etwas wollen, dann müssen wir es uns erarbeiten. Auch im Sommer.

Ähnlich sieht es bei der Wohnraumfrage aus. Es ist viel Kreativität gefragt, um diese Herausforderung zu meistern. Fest steht: Oldenburg braucht mehr Wohnraum. Gerade erst haben wir bei der Einwohnerzahl die 165.000er-Marke (!) geknackt. Vor zwanzig Jahren hat sie noch bei 146.000 gelegen. Das ist ein Zuwachs von 13 Prozent. Fest steht auch: Besonderer Bedarf besteht an günstigem Wohnraum. Die einfachste Reaktion darauf würde die der 60er- und 70er Jahre sein: Wohnblocks am Stadtrand. Aber das wollen wir nicht, da sind wir uns einig. Eine andere Variante ist die Nachverdichtung der bestehenden Substanz. Diese Möglichkeit sollten wir grundsätzlich in Betracht ziehen. Die Diskussionen über die Klävemann-Siedlung und das Gelände der ehemaligen Netzfabrik an der Ammerländer Heerstraße haben aber gezeigt, dass wir sensibel agieren müssen. Und das heißt: gemeinsam mit den Betroffenen/Beteiligten. Letztlich wird es um Vereinbarkeit gehen – von Attraktivität und Bezahlbarkeit, von Erhaltung und Entwicklung der bestehenden Strukturen und Substanz. Und daran werden wir selbstverständlich auch in den Ferien arbeiten.

Das waren nur zwei besonders präsente Beispiele. Grundsätzlich wollen wir – Politik und Verwaltung – den Betrieb in den Ferien so weit wie möglich aufrechterhalten. Das sind wir Ihnen schuldig. Dennoch werden in den kommenden Wochen einige Dinge vielleicht einen Hauch länger dauern als gewohnt. Die Stadtverwaltung ist keine Maschine, die kontinuierlich Entscheidungen und Bescheide produziert. Sie ist die Summe ihrer Mitarbeiter. Und die freuen sich – wie wir alle – auf erholsame freie Tage, um danach im Alltag wieder mit voller Kraft ihren Job tun zu können. Auch wenn ich kein Mensch bin, der im Sommer lange ausspannt, freue ich mich, dass es diese Zeit gibt, in der sich der Pulsschlag der Stadt spürbar verlangsamt. Es fühlt sich an wie eine große Übereinkunft aller Menschen, für einige Wochen gemeinsam aus dem Hamsterrad des Alltags auszusteigen – oder zumindest langsamer zu laufen. Ich freue mich für alle, die in den kommenden Wochen freie Tage haben und vielleicht sogar eine schöne Reise machen. Dafür nehme ich es gern in Kauf, wenn es hier und da mal etwas länger dauert.

Also: Lassen Sie die Seele baumeln, zelebrieren Sie den Müßiggang. Tun Sie das, wozu Sie Lust haben – und tun Sie es mit Gelassenheit und Genuss. Hier im Rathaus läuft der Betrieb derweil weiter – damit die Entwicklung weiterhin stimmt, wenn Sie aus dem Urlaub zurückkehren. Ich wünsche schöne Ferien!

Ihr
Gerd Schwandner
Oberbürgermeister