Kolumne des Oberbürgermeisters (28. Januar 2010)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

vielleicht ist es Ihnen auch schon aufgefallen: Unsere Stadt macht – regional und überregional – immer mehr auf sich aufmerksam. Zum Beispiel im „Handelsblatt“. Dort wurde gerade der „Geheimtipp Oldenburg“ vorgestellt. Der Artikel trug die schöne Überschrift „Schweigsame Stadt voller kluger Köpfe“. Ein anderes Indiz für die positive Wahrnehmung Oldenburgs ist die Entwicklung unserer Einwohnerzahl. Schon 2008 haben wir die 160.000 überschritten, im Jahr 2009 die 161.000, nun stehen wir kurz vor der 162.000. Und jeder dieser Zuzüge ist ein Kompliment an unsere Stadt.

Ein Kompliment auch für meine Kolleginnen und Kollegen in der Stadtverwaltung. Schließlich bilden auch sie die Basis für den Erfolg. Und ja: Ihr Image hat sich in den letzten Jahren enorm verbessert. Der Höhepunkt: Die Auszeichnung als wirtschaftsfreundlichste Stadt Deutschlands im Städteranking der Wirtschaftswoche. Auf dem Gilde-Abend der Gesellschaft Union gab es jüngst sogar noch einen Nachschlag. Der Präsident des Steuerzahlerbundes, Karl-Heinz Däke, meinte mit Blick auf die Stadtverwaltung: „Oldenburg ist eine Boomtown, da gibt’s keine Probleme:“ Solche Komplimente fallen nicht vom Himmel. Dafür gibt es gute Gründe. Die Stadtverwaltung hat in den letzten Jahren einen Wandlungsprozess durchlaufen. Die Veränderungen in Schlagworten: Flexibilität statt Bürokratie, Kreativität statt Konformität, Dynamik statt Stagnation, Hemdsärmligkeit statt Ärmelschoner. Oder: Weniger Fett, mehr Muskeln. Diese Metamorphose ist noch nicht abgeschlossen. Sie wird aber immer stärker spürbar. Und das nicht nur in Handelsblatt und Wirtschaftswoche, sondern auch im Alltag. Ich nenne vier Beispiele für die „neue Denke“:

1. Das Verhältnis

Im Bürgerbüro finden die meisten Begegnungen zwischen Bevölkerung und Verwaltung statt. 400 bis 600 pro Tag. Diese hohe Nachfrage geht aber nicht auf Kosten der Qualität. Zwei Drittel aller Anliegen werden in den Bürgerbüros innerhalb von 5 Minuten bearbeitet. In einer Befragung wurde die Fachliche Kompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einer (Schul-)Note von 1,58 im Durchschnitt bewertet, ihre Freundlichkeit mit einer 1,55. Die Gesamtnoten sind kaum schlechter: Sie bewegen sich zwischen 1,95 und 2,00. Das sind starke Werte. Sie zeugen von einem guten Verhältnis. Und darauf kommt es an.

2. Die Sprache

Die Verwaltungssprache wird häufig kritisiert. Völlig zu Recht. Das unverständliche Kauderwelsch schafft unnötige Distanz. Deshalb forsten unsere Auszubildenden das Vokabular durch und formulieren höfliche und verständliche Bescheide. Dieses Projekt kennt nur Gewinner: Die Stadt, weil sie verständlicher kommuniziert. Die Bürgerinnen und Bürger, weil sie freundlicher angesprochen werden und die Bescheide ohne Lexikon lesen können. Und die Azubis, weil sie zeigen können, was sie drauf haben (eine Menge!).

3. Die Kommunikation

Kommunikation hat für unser Zusammenleben eine überragende Bedeutung. Da macht das Verhältnis zwischen Stadt und Bevölkerung keine Ausnahme. Deshalb stärken wir unsere Kommunikationskanäle. Wir haben ein Service Center mit speziell geschulten Mitarbeiterinnnen und Mitarbeiter eingerichtet, das die allermeisten Fragen kurz, knackig und kompetent beantwortet. Zusätzlich nutzen wir die Möglichkeiten des Internets besser aus. Ein gutes Beispiel dafür ist das Ratsinformationssystem, das politische Entscheidungen transparent macht. In diesen Kontext gehören übrigens auch das Corporate Design der Stadt und die Entwicklung der Marke Oldenburg. Sie dienen ebenfalls der Kommunikation nach außen. Dazu in naher Zukunft mehr.

4. Die Beteiligung

Als Bürger hat man häufig das Gefühl, an den Planungen und Prozessen der Stadt nicht beteiligt zu sein. Das wollen wir ändern. Mitdenken, Mitfühlen und Mitmachen soll möglich sein. Deshalb haben wir jetzt den Bürgerhaushalt und „step 2025“ gestartet. Beim Bürgerhaushalt können die Bürgerinnen und Bürger Vorschläge für die Einnahmen und Ausgaben der Stadt machen, die anschließend von der Politik beraten werden. Der „step 2025“ bespielt die strategische Dimension. Hier suchen wir Antworten auf die Frage „Wo wollen wir eigentlich hin?“ Die Bevölkerung ist herzlich eingeladen, sich zum Beispiel über die Stadtbezirkskonferenzen zu beteiligen. Ihre Gedanken sind die Koordinaten für unsere Navigation.

Die neue Bürgernähe gehört zu unserer Philosophie der „Übermorgenstadt“. Sie ist kein Sammelbegriff für nebulöse Versprechungen. Sie ist eine Zielvorstellung für eine dynamische, flexible, fortschrittliche, innovative, intelligente, kreative, moderne, urbane Stadt Oldenburg. Und diese Vorstellung schließt die Stadtverwaltung ausdrücklich mit ein. Für mich steht fest: „Übermorgenfähig“ kann eine Verwaltung nur dann sein, wenn sie sich an ihren Zweck erinnert. Alles, was sie tut oder lässt, dient allein den Bürgerinnen und Bürgern. Sie sind der einzige Grund, warum die Verwaltung überhaupt existiert. Diese Haltung versuchen wir in den Alltag zu übertragen. Dort gehört sie hin. In jeden Tag – und in jede Tat.

Ihr
Gerd Schwandner
Oberbürgermeister