Kolumne des Oberbürgermeisters (30. November 2012)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

eigentlich wollte ich heute noch gar keine neue Kolumne schreiben. Die letzte ist gerade erst eine Woche alt. Aber es kribbelt in den Fingern. Aus zwei, nein drei guten Gründen.

Ich hab an dieser Stelle schon oft über Oldenburgs Qualitäten als Wissenschaftsstandort geschrieben. Sie waren der Grund, warum wir uns um den Titel „Stadt der Wissenschaft“ beworben haben – und warum er uns auch verliehen wurde. Trotzdem stieß man auch danach immer wieder auf Skepsis. Oldenburg, die Übermorgenstadt – das klang für viele immer noch ungewöhnlich. Wir sehen einfach nicht nach Science Fiction aus. Aber: Das ist kein Widerspruch. Das zeigt vielmehr unser großes Talent, verschiedene Stärken zu vereinen. In diesem Fall: Hightech-Standort zu sein – und dabei so zu wirken, als wären wir ein beschauliches Städtchen.

Dennoch kann man eindeutig feststellen: Der Zweifel an der eigenen Stärke schwindet langsam. Immer mehr Menschen gewöhnen sich an den Gedanken, dass Oldenburg nicht mehr „nur“ eine gemütliche Großstadt ist, sondern – zusätzlich – ein modernes Oberzentrum mit herausragenden Kompetenzen bei Forschung und Entwicklung. Spätestens der große Erfolg der European Medical School hat vielen Menschen die Augen eröffnet. Wir sind keine akademische Provinz, sondern ein zwar junger und kleiner, dafür aber dynamischer und innovativer Hochschulstandort.

Wenn es dafür weitere Beweise gebraucht hätte, dann wären sie in der 48. Kalenderwoche erbracht worden. Am 28. November verlieh Bundespräsent Joachim Gauck den „Deutschen Zukunftspreis“ an die Oldenburger Hörforscher um Prof. Dr. Birger Kollmeier. Ich gratuliere herzlich dazu! Dass dieser Bereich seit vielen Jahren allerhöchstes internationales Niveau und Renommee hat, wissen wir längst. Dass dies nun aber auch auf höchster gesellschaftlicher und politischer Ebene wahrgenommen und anerkannt wird, ist eine neue Qualität. Das wird sehr dabei helfen, die Marke Oldenburg noch besser zu kommunizieren und inszenieren. Nebenbei sei daran erinnert, dass im November auch der Exzellenzcluster „Hearing4all“ an den Start ging, mit dem die Oldenburger Hörforscher bei der Exzellenzinitiative des BMBF erfolgreich waren. Mehr Erfolg geht fast nicht …

… könnte man denken, aber es geht doch. Eine Nummer kleiner, aber kaum weniger erfreulich war die Auszeichnung der Carl von Ossietzky Universität mit dem „Norddeutschen Wissenschaftspreis 2012“ am 29. November – also nur einen Tag später. Das Projekt „BioGeoChemie des Watts“ untersuchte in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut Bremen physikalische, biologische und chemische Prozesse im Ökosystem Wattenmeer, dem Weltnaturerbe vor unserer Haustür. Der Preis ist ein starker Beleg für die hohe Qualität der Oldenburger Meeresforschung – die ebenso wie der Schwerpunkt Hören in Zukunft sicher nicht unwichtiger wird.

Ich bin sehr stolz auf diese Erfolge – und ich gratuliere und danke allen, die dazu beigetragen haben. Genauso schön wie die Erfolge selbst ist aber auch die Botschaft, die zwischen den Zeilen zu lesen ist: Oldenburgs Wissenschaftsszene entwickelt sich dynamisch. Quantität und Qualität der positiven Meldungen der letzten fünf bis zehn Jahre sind imponierend. Von einem Energieforschungszentrum, von Max-Planck- und Fraunhofer-Forschergruppen und von einer medizinischen Fakultät konnten wir jahrzehntelang nur träumen – jetzt ist all das da. Und mit Blick auf die EMS dürfte sicherlich noch die eine oder andere positive Nachricht folgen.

Kein Zweifel: Oldenburg ist eine Stadt der Wissenschaft. Nicht nur für ein Jahr und nicht nur auf lokaler Ebene – sondern dauerhaft und bundesweit. Und wenn das so deutlich kommuniziert wird mit den beiden Preisen in der 48. Kalenderwoche – dann schreib ich gerne eine Kolumne, obwohl gar keine ansteht.

Ihr
Gerd Schwandner

Oberbürgermeister

PS: Und es kommt noch besser. Jetzt gerade, während ich noch schreibe, erhalte ich die Pressemeldung zum Städteranking 2012 der Wirtschaftswoche. Die Headline: „Magdeburg und Oldenburg sind die Dynamik-Champions“. Oldenburg ist zwar offiziell Zweiter. Der Abstand zum Ersten ist mit 0,3 Punkten aber „so klein, dass man hier eigentlich von zwei Dynamiksiegern sprechen kann“, so INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr bei der Vorstellung. So oder so: ein großartiges Ergebnis. Erst recht, wenn man das „Kleingedruckte“ liest:

„Um ein Haar wäre Oldenburg Dynamiksieger geworden. Die Stadt profiliert sich als Kompetenzzentrum im Bereich Erneuerbare Energien. Die Zahl der Arbeitsplätze stieg hier in der Zeit von 2006 bis 2011 um 16,2 Prozent – Rang 3 bei einem Mittelwert von 9,4 Prozent. Der Anteil Hochqualifizierter wuchs um 2,1 Prozentpunkte – Platz 5. Nirgendwo verbesserte sich der Wohlstand so stark. Überdurchschnittlich positiv beurteilen Unternehmen in einer Befragung des Umfragezentrums Bonn die Wirtschaftsfreundlichkeit der Stadtverwaltung (Rang 12). Mit einem günstigen Gewerbesteuerhebesatz (Rang 7) lockt Oldenburg Unternehmen.“

Wow. Dieser Erfolg hätte im Grunde eine eigene Kolumne verdient. Aber da mir jetzt die Zeit fehlt, genießen wir den Moment einfach ohne begleitenden Text. Das hat auch letztes Jahr prima funktioniert.