Kolumne des Oberbürgermeisters (30. Dezember)

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

der Kalender lässt mal wieder keinerlei Raum für Interpretation: Ein Jahr ist vergangen. Und die Reaktion darauf ist dieselbe wie immer: Man  fragt sich, wo all die Zeit geblieben ist. Sind tatsächlich schon wieder zwölf Monate rum? 52 Wochen? 366 Tage? 8760 Stunden? Ja, kein Zweifel, es ist so. Das persönliche Gefühl sagt uns aber etwas ganz anderes.

Wissenschaftler wundern sich darüber nicht. Denn: Je älter man wird, desto geringer ist der Anteil, den ein Jahr von unserem Leben ausmacht. Im Alter von 10 sind es noch zehn Prozent, mit 20 sind es nur noch fünf – und so weiter. Es ist also gar kein Wunder, dass uns die Jahre immer kürzer erscheinen. Im Verhältnis zu unserer Lebenszeit sind sie das auch! Aber seien Sie unbesorgt, ich will hier keine wahrnehmungstheoretische Abhandlung schreiben. Ich will lieber auf das blicken, was wir hier in Oldenburg tatsächlich erlebt haben. Wobei natürlich jeder seine eigene Sicht auf die Dinge hat. Jeder empfindet etwas anderes als wichtig und bedeutend. Deswegen kann dieser Rückblick gar nicht vollständig sein. Das soll er auch nicht. Er spiegelt nur wider, was mir persönlich in Erinnerung geblieben ist. Und auch davon nur einen Bruchteil.

Global gesehen wird 2008 wahrscheinlich als „schlechtes Jahr“ einsortiert. Vor allem die Finanz- und Wirtschaftskrise wird hängen bleiben. In Oldenburg wird es aber genau anders herum sein. Hier wird man das Jahr 2008 in positiver Erinnerung behalten. Und dafür gibt es viele Gründe.

Das Jahr hat sehr gut angefangen – zumindest wenn man den 28. Februar noch zum Jahresanfang zählt. An diesem Tag ist Oldenburg zur deutschen Stadt der Wissenschaft 2009 ernannt worden. Das war wirklich ein großer Moment. Für die Stadt, aber auch für mich selbst. Das werde ich so schnell nicht vergessen.

Natürlich war die Wissenschaft nach diesem Erfolg das Thema überhaupt. Und erfreulicherweise war der Titel kein Strohfeuer, sondern nur der Auftakt zu vielen weiteren positiven Meldungen: Die Max Planck- und Fraunhofer-Gesellschaften haben ihre Forschergruppen angesiedelt. Unser Umwelttechnologienetzwerk UNO ist vom Bundesforschungsministerium in das Programm „Research in Germany“ aufgenommen worden. Wir sind dreifacher Sieger beim Bundeswettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“. Wir waren bei der Forschungsinitiative Energieeffiziente Stadt erfolgreich. Für diese Quantität und Qualität hätte man früher einige Jahre gebraucht, jetzt ist sie auf wenige Monate verteilt. Oldenburg hat eine ganz neue Bedeutung im Wissenschaftssektor – und die Wissenschaft hat eine ganz neue Bedeutung für Oldenburg.

In diesen Kontext gehört auch das EWE-Energieforschungszentrum „Next Energy“, das im November Richtfest gefeiert hat. Die EWE investiert rund 40 Mio. Euro, damit wir in Zukunft effizienter mit Energie umgehen oder ganz neue Energieformen nutzen können. Das ist ökologisch, wirtschaftlich und wissenschaftlich wertvoll. Überhaupt ist die EWE in diesem Jahr positiv aufgefallen. Zum Beispiel mit ihrer Kindertagesstätte Biberburg, für die sie den „Olly“ bekommen hat – unseren Preis für Familienfreundlichkeit in Unternehmen. Wir sollten wissen und würdigen, was wir an der EWE haben. Sie investiert erhebliche Summen in die Forschung und in Bildung und Betreuung. Das ist absolut vorbildlich, in Qualität und Dimension. Und deswegen will ich das ausdrücklich loben.

Genau wie die EWE hat auch Oldenburg selbst in 2008 eine Internationalisierungsstrategie verfolgt. Insbesondere China war bei uns ein Thema. Allerdings nicht wegen Olympia, sondern wegen unserer China-Initiative. Es wurde zeitweise ja der Eindruck erweckt, als sei das Ganze nur ein Hobby von mir. Aber das ist es nicht. Die China-Initiative ist vorbildlich für moderne internationale Partnerschaften, die für beide Seiten etwas bringen. Viele Städte in Deutschland schauen hierher zu uns, um von uns zu lernen. Oldenburg positioniert sich mit der Initiative als innovative und internationale Stadt. Sowohl für unser Image, als auch für unsere Wirtschaft sind die Beziehungen nach China jeden investierten Cent wert.

Wir haben aber nicht nur nach Osten geschaut, sondern auch nach Westen. Unsere Beziehungen mit Groningen haben eine ganz neue Qualität erreicht. Im April hat sogar eine gemeinsame Ratssitzung stattgefunden. Dazu gab es mit der Hanse Expo und den Promotiedagen auf beiden Seiten der Grenze wichtige Messen, die uns noch enger zusammengebracht haben. Wobei man kaum noch von einer Grenze sprechen kann. Zumindest spürt man sie überhaupt nicht mehr. Ich kann mir ehrlich gesagt kaum eine bessere Partnerschaft als diejenige mit Groningen vorstellen: Innovativ und flexibel, aufrichtig und freundschaftlich, effizient und effektiv.

Ein persönliches Glanzlicht war für mich das 15. Internationale Filmfest im September. Es war in jeder Beziehung ein großer Erfolg: Tolle Filme, spannende Gäste – und wieder mehr als 14.000 Besucher! Hinzu kommt die besondere Atmosphäre: So prominent und international wie an den vier Festival-Tagen ist Oldenburg selten. Das Filmfest gehört eindeutig zu unseren großen kulturellen Aushängeschildern. Von der Eröffnungsgala bis zur Closing-Night ist es ein echtes Erlebnis. Ich würde sogar empfehlen hinzufahren, wenn es in Bremen, Hamburg oder Hannover stattfinden würde. Aber wir haben es hier in unserer Stadt, direkt vor unserer Haustür. Und deshalb lautet mein guter Rat für die 16. Auflage: Hingehen! Es lohnt sich!

Und wo ich gedanklich schon im September bin: Beinahe zeitgleich fand in Oldenburg noch etwas anderes statt. Das war zwar im wahrsten Sinne des Wortes „anders“ als das Filmfest – aber genauso erfolgreich. Ich meine die 900-Jahr-Feier. Vorher hatten wir lange überlegt, in welcher Größenordnung man so ein Jubiläum feiert. Sich auf ein rein regionales Fest für Oldenburg und das Umland zu beschränken, war genau richtig. Teile des Konzepts sind so gut angekommen, dass wir sie nach Möglichkeit wiederholen wollen – „Oldenburg kocht“ zum Beispiel. Ein besseres Kompliment gibt es ja nicht. Aus vergleichsweise wenig haben wir bei unserem Jubiläum sehr viel gemacht. Es muss nicht immer pompös und spektakulär sein – klein und charmant funktioniert häufig genauso gut. Und in diesem Fall sogar besser!

Ich kann mir ehrlich gesagt keinen Jahresrückblick ohne Sport vorstellen. Das muss einfach sein. Also auch hier. 2008 war für meine Begriffe ein tolles Sportjahr. Zwar konnten beim Fußball weder der VfB noch der VfL in die Regionalliga aufsteigen. Dafür lief es aber woanders erheblich besser. Die EWE Baskets haben erstmals in ihrer Vereinsgeschichte das Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft erreicht. Und in dieser Saison sieht es genauso gut aus. Gleiches kann man über die Handball-Damen des VfL sagen. Auch dort stehen die Zeichen auf Erfolg. Das standen sie aber auch in der letzten Saison. Die Mädels hatten zwar eine verkorkste Meisterschaft – aber sie haben mit dem Challenge Cup einen Europapokal nach Oldenburg geholt. Das war sensationell! Darüber hinaus hat zum ersten Mal ein Marathon in Oldenburg stattgefunden. Ich hoffe sehr, dass es nicht der letzte war. Marathon ist eine urbane Sportart, die sehr gut zu Städten passt. Und außerdem sind die Läufe echte Besuchermagneten. Man darf also auch im Sport eine positive Bilanz ziehen. Zumal der VfB ja zur kommenden Saison aufsteigen wird – und dafür hat er den Grundstein in 2008 gelegt.

Ich will an dieser Stelle nicht nur zurück, sondern auch nach vorne schauen. Also, was kommt in 2009? Genau kann das keiner sagen. Aber eines steht fest: Für Oldenburg wird es ein besonderes Jahr. Und zwar ein besonders positives. Wir müssen zwar wie alle anderen durch die Rezession kommen. Abgesehen von der Finanzlage sind die Perspektiven für unsere Stadt aber glänzend. 2009 wird unser Jahr als Stadt der Wissenschaft sein. Der gesamte Kalender wird sich daran orientieren oder darauf ausrichten. Ich hoffe, wir können mit dem kommenden Jahr einen Anstoß für eine gute Zukunft Oldenburgs geben. Wissenschaft spielt eine immer bedeutendere Rolle – in der Wirtschaft genauso wie in unserem Alltag. Es ist äußerst wichtig, in diesem Bereich gut aufgestellt zu sein. Wir sind das glücklicherweise schon heute. Und der Titel gibt uns zusätzlichen Schub.

Wir werden Oldenburg einen modernen Anstrich geben. Als ehemalige Residenzstadt kommen wir jetzt schon gut an. In Zukunft wollen wir aber verstärkt als moderner Forschungsstandort punkten. Das passiert allerdings nicht automatisch, dafür müssen wir einiges tun. Aber: Wir sind schon dabei. Und ich verspreche, dass wir in unseren Bemühungen nicht nachlassen werden. Es geht uns allen um dasselbe: Eine gute Zukunft für unsere Stadt. Und wenn wir alle gemeinsam daran arbeiten – dann werden wir dieses Ziel auch erreichen.

Ich wünsche mir für das nächste Jahr Folgendes: Eine Fortsetzung der guten Nachrichten für unsere Stadt, ein friedliches und einvernehmliches Zusammenleben aller Bürgerinnen und Bürger, eine noch bessere Zusammenarbeit von Politik und Verwaltung für eine noch bessere Zukunft Oldenburgs – und nicht zuletzt alles Gute für Sie, liebe Oldenburgerinnen und liebe Oldenburger. Meine besten Wünsche begleiten Sie das ganze kommende Jahr.

In diesem Sinne: Einen guten Rutsch ins neue Jahr – und ein schönes, erfolgreiches und gesundes 2009.

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister