Kolumne des Oberbürgermeisters (30. März 2011)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

bestimmt haben Sie davon gehört, dass sich unsere Suche nach einer neuen Frau oder einem neuen Mann an der Spitze des Baudezernats etwas schwierig gestaltet. Bisher konnte sich niemand aus dem Kreis der Kandidatinnen und Kandidaten durchsetzen. Ich gehe aber fest davon aus, dass wir die Suche erfolgreich abschließen werden. Immerhin geht es um das Gestalten einer der schönsten Städte in unserem Land. Attraktiver kann eine Aufgabe kaum sein. Deshalb konnten wir an anderer Stelle auch schon Vollzug melden. Die Spitze des Sozialdezernats haben wir hochwertig (und sympathisch) besetzt. Diesen Erfolg möchte ich hervorheben! Er ist nämlich genauso wichtig für unsere Stadt wie jener im Baubereich es sein wird.

Denn: Was ist Oldenburg eigentlich?
a) Eine Ansammlung von Individualisten?
b) Eine Gemeinschaft von Menschen, die zusammenhält?

Sie haben b) gewählt? Gut, ich auch. Aber warum haben wir das getan? Auf Basis eines Gefühls? Oder weil es tatsächlich handfeste Gründe dafür gibt? Ein Blick auf das bisherige Organigramm der Stadt Oldenburg könnte auf ersteres hindeuten. Dort fand sich bislang nämlich kein „reines“ Sozialdezernat. Das mag Ihnen ungewöhnlich erscheinen. Immerhin vereint dieser Bereich – wenn man darunter Soziales, Gesundheit, Jugend und Bildung versteht – knapp 60 Prozent der Ausgabenseite unseres Etats auf sich. Anders ausgedrückt: 217 Millionen Euro pro Jahr. Jedoch waren die negativen Auswirkungen der Struktur ohne Sozialdezernat nicht so dramatisch, wie man befürchten könnte. Die betroffenen Bereiche haben auf Fachebene sehr gute Arbeit geleistet. Ein Kompliment dafür an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie haben dafür gesorgt, dass Oldenburg trotz der Vakanz nicht nur gefühlt sondern tatsächlich eine soziale Stadt ist.

Klar war aber auch, dass diese Konstellation nicht ideal ist. Zwangsläufig zu kurz kamen die strategischen Impulse. Die grundlegenden Weichenstellungen. Die kreativen Lösungskonzepte. Deshalb hatte ich schon früh (sogar schon vor meiner Wahl) ein Sozialdezernat gefordert. Aber Realpolitik bedeutet manchmal auch, auf den richtigen Zeitpunkt warten zu müssen. Und am 28. Februar war es soweit. Der Rat der Stadt Oldenburg wählte die Diplom-Sozialwirtin Dagmar Sachse zum 1. Juni 2011 zur neuen Sozialdezernentin. Ich freue mich sehr über diese Wahl. Zum einen, weil wir eine exzellente Kandidatin gefunden haben, die ihre Fähigkeiten bereits in der wesentlich größeren Schleswig-Holsteinischen Landeshauptstadt Kiel unter Beweis gestellt hat. Und zum anderen, weil wir jetzt auch personell und organisatorisch wieder ein starkes Zeichen nach außen geben, welche Bedeutung das Soziale bei uns hat.

Gemeinsam mit Dagmar Sachse und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern möchte ich unsere Arbeit in diesem Bereich auf hohem Niveau weiterentwickeln. Das umfasst zwei Ebenen. Zum einen das ganz wichtige Tagesgeschäft, das heißt die konkrete Hilfe für die Betroffenen und Bedürftigen. Das genießt einen hohen Stellenwert; auch wenn uns das finanziell belastet. Zum anderen – und das ist vergleichbar wichtig – wollen wir auch Strategien entwickeln. Auf kommunaler Ebene sind uns im Handeln zwar Grenzen gesetzt. Aus Perspektive von Bund und Land sind wir eher als Zahler denn als Gestalter gefragt. Wir möchten uns von dieser Gesetzmäßigkeit allerdings abheben. Mit einem eigenen Dezernat – und einer eigenen Dezernentin – stehen die Chancen dafür bald noch besser als in den letzten Jahren. Zudem haben wir mit dem Handlungsschwerpunkt Integration bereits bewiesen, dass wir im sozialen Bereich eigene inhaltliche Akzente setzen können, die nicht zwangsläufig viel Geld kosten. In diesem Bereich genießen wir mittlerweile bundesweit (!) eine Vorbildrolle. Ähnliches gilt schon seit vielen Jahren für das Thema Prävention. Das heißt: Man kann durchaus Fortschritte erzielen, wenn man personell entsprechend aufgestellt ist. Das wird die Sozialdezernentin ebenso beweisen wie es die Integrationsbeauftragte getan hat.

Ich freue mich darauf, dass Oldenburg in Zukunft neben den positiven Entwicklungen bei Wirtschaft und Wissenschaft oder im Bevölkerungswachstum auch durch positive Schlagzeilen im Sozialbereich auf sich aufmerksam macht. Denn letztlich soll Oldenburg vor allem eines sein: eine Gemeinschaft von Menschen, die zusammenhält. Und damit: ein angenehmer Ort zum Leben. Für alle.

Und eine/-n Baudezernentin/-en finden wir auch noch …

Ihr
Gerd Schwandner
Oberbürgermeister