Kolumne des Oberbürgermeisters (31. Januar 2011)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

ich steige mal kurz und schmerzlos ein: In Oldenburg haben jüngst einige Berichte zur Demographie für Irritationen gesorgt. So hieß es, Oldenburg sei demnächst die älteste Stadt Niedersachsens. 40.000 Menschen würden zusätzlich in Rente gehen. Und so weiter. Wir haben schon mit einer entsprechenden Pressemitteilung » darauf reagiert. Diese Kolumne ist eine Ergänzung.

Eins vorweg: Es ist gut, dass sich die Medien mit diesem Thema beschäftigen. Ich habe mich darüber gefreut. Jedoch waren einige Schlussfolgerungen nicht ganz korrekt. Die vorliegenden statistischen Daten lassen sie jedenfalls nicht zu. Auf keinen Fall droht ausgerechnet Oldenburg die älteste Stadt des Landes zu werden. Es ist eher das Gegenteil der Fall. Ein Beispiel dafür: Unter allen niedersächsischen Großstädten haben wir mit einem „Hochbetagten-Anteil“ (so werden die Menschen über 80 bezeichnet) von 5,0 Prozent den zweitniedrigsten Wert. Damit nicht genug: Für 2020 erwartet man lediglich einen Anstieg auf 5,8 Prozent. Das wäre die geringste Quote von allen – und läge anderthalb Prozent unter dem Landesdurchschnitt!

Auch stehen wir vor keiner „Rentnerschwemme“. Es ist zwar möglich, dass bis 2020 rund 40.000 Menschen in Rente gehen. Aber doch nicht zusätzlich. Der Vollständigkeit halber müsste man erwähnen, dass in Oldenburg pro Jahr auch zirka 1.500 Menschen sterben. Macht in zwanzig Jahren summa summarum 30.000 Personen. Der Saldo daraus beträgt gerade mal 10.000. Und auch dieser Wert ist sehr theoretisch und geht von zahlreichen Annahmen aus, die so nicht eintreten müssen. Aber selbst wenn man von diesem Fall ausgeht, kann eine Großstadt mit 162.000 Einwohnern das durchaus verkraften. Wenn sie sich darauf vorbereitet. Was wir natürlich tun.

Im Rathaus ist das Thema Alter jederzeit und bei fast allen Entscheidungen präsent. Und das schon seit langer Zeit. Dass in Oldenburg weniger Menschen geboren werden als sterben ist nämlich keine neue Nachricht. Das ist von einigen Ausnahmen abgesehen schon seit Jahrzehnten so. Wir kompensieren diesen „negativen Geburtensaldo“ mit einem hohen Zuzug von außen. Dabei spielt natürlich die Universität eine Rolle. Mindestens genauso wichtig ist Oldenburgs guter Ruf als Arbeitsplatz und Wohnort. Unsere Stadt ist ganz einfach attraktiv für Menschen von außerhalb. Immer wieder hört man: Genau die richtige Größe, irgendwo zwischen Kleinstadt und Metropole, vielleicht mit dem Besten von beiden Seiten. Deshalb ziehen immer wieder Leute von außerhalb zu uns, halten uns jung und lebendig. Und das finde ich genauso gut wie einen Geburtenüberschuss innerhalb der Stadt.

Aber jetzt das Wichtigste: Wir sollten bei der Demographie die Akzentuierung in der Thematisierung ändern. Wir „müssen“ auf die Entwicklungen nicht reagieren. Wir „dürfen“! Es ist doch eine inspirierende Aufgabe, den Menschen in Oldenburg ein erfülltes Leben im hohen Alter zu ermöglichen. Unser Ministerpräsident David McAllister forderte beim IHK-Neujahrsempfang eine Dafür-Mentalität. Das gilt auch – und ganz besonders – für das Thema Demographie. Es ist kein Problem und keine Last! Es ist eine interessante und attraktive Herausforderung, der wir – die Stadt Oldenburg – uns sehr gerne stellen.

Es ist ein großes Glück, dass demographische Entwicklungen nicht von heute auf morgen vonstatten gehen. Wir können die Entwicklungen auf Jahre im Voraus absehen – und darauf reagieren. Dabei brauchen wir weder Hektik noch Panik. Wir können stattdessen ganz konzentriert – und dementsprechend seriös – arbeiten. Ich freue mich jedenfalls darauf, Oldenburg fit für die Zukunft zu machen. Und das betrifft jede Altergruppe. Vom Kleinkind bis zum Senior. Ganz egal, wie groß die Gruppe ist: In Oldenburg sollen sich alle Menschen wohl fühlen.

Ihr
Gerd Schwandner
Oberbürgermeister