Kolumne des Oberbürgermeisters (3. Mai 2012)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

an was denken Sie intuitiv, wenn Sie das Wort „Südafrika“ hören? Tafelberg, Kalahari, Kruger-Nationalpark, Kap der Guten Hoffnung, Stellenbosch, Garden Route und Blyde River Canyon? An Zulu, Xhosa und Basotho? Oder an exotische Flora und Fauna? Es gibt unzählige Möglichkeiten. Südafrika ist mehr als „nur“ ein Land. Es steht – aus unserer Perspektive – auch für einen anderen Kontinent, für eine andere Kultur und für eine in weiten Teilen nach wie vor fremde Welt.

Das Land am Kap gehört zu den wirtschaftlich stärksten Volkswirtschaften südlich der Sahara und es zählt zu denjenigen Nationen Afrikas, über die wir am meisten wissen. Aber was wissen wir eigentlich genau? Meistens geraten wir schon ins Schleudern, wenn wir die Hauptstadt nennen sollen. Kapstadt? Johannesburg? Oder doch Pretoria? Sehen Sie, gar nicht so einfach.

Obwohl wir Südafrika relativ gut kennen bzw. zu kennen glauben, sind die Wissenslücken immer noch größer als die Wissensinseln. Dadurch entgeht uns einiges, denn das Land hat sehr viel zu bieten. Ein Indiz dafür sind die Begriffe in der Aufzählung dort oben: Sie üben eine große Faszination auf uns aus, sie deuten die ungeheure Vielfalt Südafrikas aber lediglich an. Doch so groß der kulturelle Reichtum auch ist, ich möchte das Land nicht darauf reduzieren. Südafrika bietet auch Chancen für wirtschaftliche und wissenschaftliche Zusammenarbeit, zum Beispiel in der Energieforschung. Längst ist das Land zu einer kontinentalen Wirtschaftsmacht gereift, die bei globalen Ökonomen und Investoren größere Aufmerksamkeit genießt.

Kurz gesagt: Südafrika ist all das, wofür es bekannt und berühmt ist – und noch viel, viel mehr. Grund genug, sich einmal genauer mit der faszinierenden Region am Kap der Guten Hoffnung zu beschäftigen. Das bedeutet nicht nur, einen Wein zu entdecken, der von dort kommt und den Namen unserer Stadt trägt. Das ist eine charmante Geschichte, letztlich aber nur ein Beispiel für die Möglichkeiten, die sich dort eröffnen. Wir wollen Südafrika aber noch besser kennen lernen. Und deshalb bildet das Land den Mittelpunkt des zweiten Teils unserer „Begegnungen“-Reihe.

Mit einem Veranstaltungs-Dreiklang sind die „Südafrika-Begegnungen“ am 3. Mai gestartet. Die Fotoausstellung „Eastern Cape From Above“, das Gastronomie-Festival „Oldenburg kocht“ und das Konzert des Sam Tshabalala Quartetts lassen uns Südafrika sehen, schmecken und hören. Das ist ein Auftakt nach Maß. Aber wie die Aufzählung am Beginn dieses Textes sind diese Angebote nur ein Vorgeschmack auf das, was noch kommt: Musik, Literatur, Malerei, Keramik, Fotografie, Filme, Vorträge, Diskussionen – und sogar Sport.

Nach der überaus erfolgreichen Premiere mit den „China-Begegnungen“ im Jahr 2010 folgt in den kommenden Monaten die zweite intensive Auseinandersetzung mit einer aufstrebenden Nation, die auf ganz unterschiedlichen Ebenen zu faszinieren vermag. Der Gedanke, ein einzelnes Land über einen größeren Zeitraum hinweg vorzustellen und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist im Grunde ganz einfach – aber trotzdem (oder gerade deswegen) genial. Das Konzept erlaubt mehr als einen flüchtigen Blick. Man darf tatsächlich von „Begegnungen“ sprechen.

Von Oldenburg nach Kapstadt sind es in diesem Jahr nur wenige Meter, für authentische Eindrücke von Südafrika müssen wir die Stadt nicht mal verlassen. Das ist ein modernes großstädtisches Kulturangebot, das hoffentlich auf ebenso große Resonanz stößt wie die Premiere – und das sicherlich noch viele Fortsetzungen erleben wird. Schließlich zählt die UNO 193 Staaten. Ein uninteressanter ist nicht dabei, denn langweilige Länder gibt es nicht. Freuen wir uns jetzt schon mal auf die Dschibuti-, Tadschikistan- und Kiribati-Begegnungen. Zunächst aber: auf Südafrika. Viel Vergnügen!

Ihr
Gerd Schwandner
Oberbürgermeister