Kolumne des Oberbürgermeisters (5. September 2008)

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

ich muss Sie vorwarnen: Diese Kolumne ist viel, viel, viel zu lang.

Eigentlich wollte ich nur ein paar Zeilen über die ersten beiden September-Wochenenden schreiben. Nichts besonderes. Aber wir leben nun mal in Oldenburg – einer Großstadt mit fast 160.000 Einwohnern, dem Oberzentrum einer Region mit über 2 Millionen Menschen, der Stadt der Wissenschaft 2009. Und das heißt: Hier ist was los! Anderswo hätten für mein Vorhaben vielleicht ein paar Zeilen ausgereicht. Hier allerdings nicht. Und so wurde aus einem kleinen Text über ein paar Herbsttage eine große Liebeserklärung an unsere Stadt.

Womit fange ich an? Das ist gar nicht so leicht angesichts der Flut an Terminen. Am besten halte ich mich einfach an die Chronologie. Also: Am Freitag, dem 5. September 2008, um 18.00 Uhr beginnt unsere 900-Jahr-Feier! Und das tut sie spektakulär – mit einer großen Party auf dem Schlossplatz. Keine Sorge, das wird nicht der übliche Redemarathon, sondern eine ganz lockere Angelegenheit. Und es ist nur der Auftakt zu neun Tagen, in denen wir unsere neun Jahrhunderte seit der ersten urkundlichen Erwähnung feiern wollen. Und zwar in jeder Beziehung.

Es gibt Geschichte zu entdecken – zum Beispiel durch 19 im Boden eingelassene Vitrinen in der Innenstadt. Treten Sie unsere Geschichte ruhig mal mit Füßen, das ist ausdrücklich erwünscht! Und wenn Sie schon durch die Innenstadt bummeln, schauen Sie mal genauer auf die Schaufenster. Einige Geschäfte präsentieren auch dort unsere eigene Vergangenheit – in Szene gesetzt von Schülerinnen und Schülern Oldenburger Schulen. Was für ein wunderbarer Geschichtsunterricht.

Natürlich gibt es auch Feste zu feiern. Neben der großen Eröffnungsfeier und der Abschlussparty zum Beispiel die Straßenfeste am 13. September. Das ist eine wunderbare Aktion. Wir haben gefragt: Muss immer alles zentral organisiert werden? Die Antwort aus der Bevölkerung: Wir uns auch! Das war eine klare Bestätigung für unsere Idee. Wer immer Lust hatte, durfte eine ganz eigene 900-Jahr-Feier auf die Beine stellen – und dieser Einladung sind viele gefolgt. Die ganze Stadt wird an diesem Tag das Jubiläum feiern. Jeder so wie er mag.

Und was wäre eine Stadt, die 900 Jahre lang besteht, ohne eigene KULTUR? Nur eine Ansammlung von Häusern. Oldenburg ist aber mehr als das. Viel mehr. KULTUR wurde hier schon immer groß geschrieben – deswegen mache ich das an dieser Stelle auch. Und es wird auch im Rahmen der 900-Jahr-Feier so sein. Das Motto „KULTUR erleben“ ist absolut zutreffend – denn die Begegnung beschränkt sich nicht auf bloßes Anschauen oder Zuhören. Man kann über verschiedene Wege ganz direkt in die Oldenburger Geschichte eintauchen. Über Ausstellungen, über Konzerte – oder über eine waschechte Zeitreise in Form einer szenischen Stadtführung. Warum nur Geschichtsbücher lesen, wenn man Vergangenheit auch live erleben kann?

Man könnte meinen, dass all das ausreicht, um eine Stadt wochenlang zu beschäftigen. Und damit läge man gar nicht so falsch. Allerdings haben wir viele Geschmäcker. Und es soll einige unter ihnen geben, die chinesischer Kultur etwas abgewinnen können. Sogar außerhalb des Rathauses. Und die sollen auch auf ihre Kosten kommen.

Am Samstag, dem 6. September 2008, ab 19.30 Uhr findet im Staatstheater die einmalige Aufführung des Projekts „Bach und der chinesische Drachen“ statt. Ich freue mich sehr darauf. Diese Aufführung ist das internationale Glanzlicht unserer 900-Jahr-Feier. Schon die Kombination lässt einiges erhoffen: Musik von Johann Sebastian Bach wird mit traditionellem und modernem chinesischem Tanz in Szene gesetzt. Dargestellt wird dabei das Leben am Hofe von Kaiser Kang-Xi – einem Zeitgenossen Bachs. Vergangenheit und Gegenwart verweben sich dabei ebenso wie Ost und West.

Die Musik wäre schon für sich genommen einzigartig und faszinierend. In der Kombination mit chinesischem Tanz wird aus ihr ein Dialog der Kulturen, ein übergreifendes Ereignis von besonderem Rang. Erleben auch Sie diese spannende Begegnung von Abendland und Fernost.

Sie haben immer noch Lücken in Ihrem Kalender? Kein Problem! Denn am Mittwoch, dem 10. September, um 19.30 Uhr beginnt das 15. Internationale Filmfest Oldenburg – und damit eines der größten kulturellen Aushängeschilder unserer Stadt. Auf den ersten Blick passt dieser Ausdruck nicht ganz zu einem Festival, das sich selbst als „das Flegel unter den Filmfesten“ bezeichnet. Aber trotzdem ist es genau das. Das Filmfest ist weit (sehr weit!) über die Grenzen unserer Stadt hinaus bekannt. Über welche unserer Veranstaltungen spricht man schon in den USA?

Und auch in Oldenburg ist das Filmfest fantastisch angekommen. Die Zahl der Fans nimmt von Jahr zu Jahr zu. Im vergangenen Jahr waren 16.000 Zuschauer in den Kinos. Das sind 10 Prozent unserer Bevölkerung. Und auch das „Drumherum“ wird immer stärker wahrgenommen. Die roten Teppiche, die tollen Partys, die spannenden Gespräche mit Regisseuren und Schauspielern – all das macht (neben den tollen Filmen) das Oldenburger Filmfest aus.

In diesem Jahr gibt es sogar einen besonderen Leckerbissen: „Schlaflos in Oldenburg“. Das ist der Film, der im Herbst letzten Jahres in Oldenburg gedreht wurde. Er feiert nun seine Weltpremiere. Die geplanten Vorstellungen waren allerdings im Handumdrehen ausverkauft. Mein Vorschlag war daher: Den Film in einem Kino die ganze Nacht in Endlosschleife laufen lassen. Dann hätten hunderte Oldenburger die Chance, ihn zu sehen – nicht nur einige wenige. Und nebenbei würde der Film seinem Namen alle Ehre machen. Mal sehen, ob’s klappt!

Ob man diesen speziellen Film nun sieht oder nicht: Das Filmfest gehört ganz eindeutig zu den Terminen in Oldenburg, die man nicht verpassen sollte. Und aus der Perspektive eines großen Filmfans würde ich sogar sagen: Nicht verpassen darf!

Es ist wirklich faszinierend, was in den kommenden Tagen in Oldenburg los sein wird. Es gäbe noch so viel mehr zu empfehlen oder anzukündigen. Den Marathon zum Beispiel. Oder das Weinfest. Die Veranstaltung „Rund ums Pferd“ ebenso. Ich führe das aber lieber nicht weiter, sonst muss ich diese Kolumne am Ende noch als Buch veröffentlichen. Stattdessen lieber folgender Satz: Oldenburg ist eine großartige Stadt – und in dem kommenden Tagen beweist sie auf ganz besondere Weise, warum sie das ist.

Wie heißt noch das Motto des Filmfestes? „The City that never sleeps”. Zumindest in den nächsten zwei Wochen werden wir diesem Titel alle Ehre machen. Oder, um es auf Deutsch zu sagen: Wir werden „schlaflos in Oldenburg“ sein. Zumindest sehr viele von uns. Und das ist ausnahmsweise ein Grund zur Freude.

Viel Spaß beim Feiern und Zeitreisen, beim Erleben und Staunen.
Viel Spaß in dieser wunderbaren Stadt!

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister