Kolumne des Oberbürgermeisters (5. Dezember)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

es gibt globale Strömungen, denen sich keine Stadt der Welt entziehen kann. Dazu gehört definitiv die Internationalisierung. Sie mag zwar Schattenseiten haben. Sie bietet jedoch auch große Chancen und Vorteile. So oder so: Die Entwicklung läuft und ist nicht aufzuhalten. Auch Oldenburg ist kein gallisches Dorf – und will es auch nicht sein. Die Internationalisierung ist von ihrem Wesen her eine positive Entwicklung, die wir nicht mit Argwohn sehen, sondern die wir gerne mitmachen. Und das lieber an der Spitze der Bewegung – statt am Ende.

Fragen zu diesem Prozess sind erlaubt und erwünscht. Zum Beispiel: Was bedeuten zunehmende internationale Kontakte für unsere regionalen Bezüge? Können wir uns nur für das eine oder das andere entscheiden? Und falls ja – wofür?

Der Reihe nach. Internationalisierung schließt Regionalität nicht aus. Im Gegenteil: Beides befruchtet sich gegenseitig. Es tut gut, Oldenburg mal von außen zu betrachten. Aus größerer Entfernung. Zum Beispiel von China aus. In asiatischen Dimensionen ist eine Stadt mit 161.195 Einwohnern – trotz langer Geschichte, trotz starken Bevölkerungswachstums, trotz des Titels Stadt der Wissenschaft – eher vernachlässigbar. Interessant wird Oldenburg in regionalen Bezügen. Durch die zwei Millionen Menschen in näherer Umgebung. Durch den Bezug zur Nordsee. Und durch die Nachbarschaft zu den Niederlanden. Deshalb stelle ich Oldenburg im Ausland immer zweifach dar: Als Stadt – und als Region.

Wenn wir international erfolgreich sein wollen, wenn wir wahrnehmbar sein wollen, dann müssen wir in der Welt verstärkt als Region und weniger als einzelne Kommunen auftreten. Auch – aber nicht nur – deshalb halte ich regionale Netzwerke für außerordentlich wichtig. Sie haben sowohl in europäischen Dimensionen (z.B. was EU-Förderszenarien angeht) als auch in globalen Bezügen einen hohen Wert. Noch wichtiger sind die positiven Effekte vor Ort. Eine gute Nachbarschaft ist grundsätzlich konstruktiver und effektiver als eine ausgeprägte Selbstbezogenheit. Ich bin überzeugt: Im Verbund übersteigt unser Wert die Summe der einzelnen Teile.

Egal, ob man unsere Region eher historisch als Oldenburger Land oder eher modern als Metropolregion Bremen-Oldenburg begreift – das Identifikationsgefühl und die Kooperationskultur sind sehr wertvoll. Ich bin ein großer Befürworter dieser gewachsenen Strukturen. Mit meinem kürzlich kommunizierten Rückzug aus dem Vorstand der Metropolregion stelle ich das keineswegs in Frage. Dieser Vorgang zeugt nicht von Geringschätzung – sondern von großem Vertrauen. Das allerdings auch berechtigt ist. Die Metropolregion ist geprägt von einer Kultur der Kooperation, nicht der Konkurrenz. Gemeinsam blicken wir auf unsere Standorte, um mit vereinten Kräften das Beste für sie herauszuholen. Große Städte und kleine Gemeinden finden in diesem Gremium einen gemeinsamen Nenner. Das Oldenburger Land spricht dort seit jeher mit einer Stimme. Deshalb habe ich volles Vertrauen, dass mein Kollege Jörg Bensberg diese Aufgabe genauso gut wahrnimmt wie ich selbst das getan habe. Außerdem werde ich dem Vorstand weiterhin als beratendes Mitglied zur Verfügung stehen – und die Entwicklungen in der Region nach wie vor aktiv begleiten.

Es existieren verschiedene Gremien im Nordwesten, die einen klaren Mehrwert bedeuten. Die Metropolregion zähle ich eindeutig dazu. Sie ist das neueste Bündnis – und mit Sicherheit eines der stärksten. Ich werte insbesondere die Kooperation mit Bremen als wertvoll, weil sie einen historischen Graben überwindet. Diesen Prozess haben wir durch die trilaterale Partnerschaft Bremen – Oldenburg – Groningen zusätzlich betont. Aber auch die Integration des Umlandes halte ich für wichtig. Dieses Modell ist ein gutes Abbild unserer Region. Da kann – und will! – Oldenburg nicht fehlen.

Wenn es im Zusammenhang mit dem Wechsel im Vorstand zu Missverständnissen gekommen ist, dann bedaure ich das. Ich hoffe aber, mit diesem Text klargestellt zu haben, welche Bedeutung regionale Netzwerke für Oldenburg und den Nordwesten haben. Für mich steht fest: Wir befinden uns auf dem Weg nach vorn, weil wir – erstens – individuelle Stärken besitzen und weil wir – zweitens – verstehen, sie in eine gemeinsame Wagschale zu werfen. Das macht unsere (Metropol-)Region stark. Und deswegen sollten wir unbedingt daran festhalten.

Ihr
Gerd Schwandner
Oberbürgermeister